Nordseite Südseite
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Der Herzoggraben von Dorfen, ein Monument der Vergangenheit, hat sich über Jahrhunderte hinweg in den Adern der Stadt eingegraben, bevor er schließlich, im Jahr 1885, mit Erde gefüllt wurde, um als Fußweg im Stadtpark weiterzuleben. Doch seine Geschichte begann viel früher, im 13. Jahrhundert, als Herzog Ludwig der Kelheimer, in den Jahren 1229 bis 1231, den Markt Dorfen gründete. Dieser war als strategischer Stützpunkt gegen das Hochstift Freising und benachbarte Herrschaften wie die Grafschaft Haag und das salzburgische Mühldorf bestimmt. So entstand eine befestigte Stadtanlage, deren Zentrum entlang der Wege von Landshut nach Rosenheim und von München nach Eggenfelden verlief. Diese Kreuzung trennte den Stadtbereich in nahezu gleich große Viertel, geschützt durch einen Wassergraben und den imposanten Herzoggraben.
Der Graben, mit seinen vier Zugbrücken, dem mit Palisaden gesicherten Wall und einem davor liegenden Spitzgraben, bildete ein undurchdringliches Bollwerk. Der Graben war mehr als ein einfacher Wassergraben; er war ein Lebenselixier der Stadt. Das Wasser der Isen, das durch den Graben floss, sicherte nicht nur die Stadtbewohner mit Trinkwasser, sondern versorgte auch die Landwirtschaft und die Viehtränken der Stadt. Im Westen und Norden, parallel zur Isen, verläuft der Herzoggraben, der im Norden fast nur eine Häuserzeile vom Fluss entfernt ist.
Die Befestigungsanlage war ein wahres Meisterwerk mittelalterlicher Ingenieurskunst, das die Stadt Dorfen vor Belagerungen schützte. Die 4 Meter hohe Mauer aus Holzbohlen und die wehrhaften Türme der Stadttore verhinderten, dass Angreifer mit schwerem Belagerungsgerät nahe an die Tore kamen. Der Graben, eine schützende Wasserbarriere, verhinderte nicht nur den Durchmarsch von Feinden, sondern auch das nächtliche Eindringen, wobei massive Eichentüren die Tore versperrten.
Im 19. Jahrhundert, als sich die Zeiten wandelten, begann das Aufweichen der mittelalterlichen Verteidigungsstrukturen. 1883 wurde die Wallanlage entfernt, und der Wassergraben wurde zugeschüttet. Auf den Ruinen dieser alten Befestigung entstand, auf Veranlassung des Lehrers J. Michel, 1893 ein Stadtpark mit den ersten Grünanlagen, der das Erbe des Grabens in sich trug. Die Stadt dehnte sich aus, und durch die Beseitigung der alten Festungsstrukturen begann Dorfen, sich südlich in Richtung des Bahnhofs zu entwickeln, wo neue Siedlungen an der Haager Straße und am Bahnweg entstanden.
Doch die Erinnerung an den Herzoggraben lebt weiter, auch wenn er heute nur noch als Fußweg existiert. Der Graben, der einst das Bollwerk der Stadt war, hat sich in den Alltag der Stadt integriert. Seine ursprüngliche Form mag verschwunden sein, doch die Geschichte und die Erinnerungen an die einstige Macht und den Schutz, den der Herzoggraben gewährte, verweilen in den Straßen und Ecken Dorfens.
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1229 bis 1231 - Gründung des Marktes Dorfen
Die Anlage des Marktes erfolgt an den zwei sich kreuzende Straßenzüge Landshut — Rosenheim und München — Eggenfelden. Sie teilen den Stadtbereich, der durch den Isenlauf und den Kirchberg in seiner Ausdehnung im Norden und Westen vorgegeben ist, in nahezu gleich große Viertel.
Der mittelalterliche Markt Dorfen ist mit 4 Toren, einem davor liegenden Wassergraben, dem Herzog-Graben mit 4 Zugbrücken, einem mit Holzpalisaden verstärktem Wall und davor einem Spitzgraben umwehrt. Die Grundfläche innerhalb der Marktumwehrung beträgt 6,6 ha.
Die wasserreiche Isen sichert eine ausreichende Wasserversorgung des Stadtgrabens.
Im Westen und Norden liegt der Herzoggraben parallel zur Isen. Im Norden sogar nur eine Häuserzeile breit entfernt.
Das nördliche Stadttor wird Kirchtor genannt, da von hier aus die "Stepfen", die Stufen vom Johannisplatz hinauf zur Pfarr- und Wallfahrtskirche Maria Dorfen führen.
Das westlich Tor wird Isener Tor genannt, da von hier die Straße zum Markt Isen führt, der zum Hochstift Freising zählenden Herrschaft Burgrain gehört, und als Sitz der Schranne deren Hauptort ist. Es wird auch als Oberes Tor bezeichnet, da es flussaufwärts liegt, in Richtung der Quelle der Isen beim Dorf Lacken der Gemeinde Maitenbeth im Landkreis Mühldorf.
Das südliche Tor wird Haager Tor genannt, da hier die Straße zur Freien Reichsgrafschaft Haag führt. Das Haager Tor wird auch Hämmler Tor genannt, weil in diesem Teil des Marktes viele Schlosser und Schmiede angesiedelt sind.
Das östliche Tor wird Öttinger Tor genannt, da hier die Wallfahrer aus Altötting kommen. Das Öttinger Tor wird auch Unteres Tor genannt, da es flussabwärts liegt, in Richtung der Mündung der Isen in den Inn am nördlichen Innufer Neuöttings.
1443 - Steinerne Tore
Die vier steinernen Tore werden Mitte des 14. Jahrhunderts in gotischen Bauform mit Walmdach erbaut. Erste urkundliche Erwähnung 1443.
1530 - Torumbauten
Um die Wende zum 16. Jh. erhalten die vier Tore eine gotische Bauform, die nahezu identische ist mit der Form des bis heute unverändert gebliebenen Öttinger Tors.
1732 bis 1850 - Thürmer im Kirchtor
Der Türmer ist eine bedeutende Figur in mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Städten, in Dorfen ist er von 1732 bis mindestens 1850 im Kirchtor stationiert.
1790 bis 1813 - Erste Dorfener Schule
Von 1790 bis 1813 ist im ehemaligen Pfänderhaus neben dem Unteren Tor die Dorfener Schule untergebracht.
1815 - Siedlungen vor den Toren
Vor dem Kirchtor liegt der Johannisplatz, die Erdinger Straße sowie der Ruprechtsberg, die schon ziemlich bebaut sind.
Vor dem Isener Tor liegt nur das Armenhaus und die Sebastianskirche mit Pestfriedhof.
Vor dem Haager Tor entsteht durch die Verlagerung der Folger-Schmied, der Rotteneicher-Schmied, die Schlosserei Höh, die Schlosserei Gams und zwei Feilenhauereien eine größere Ansiedlung.
Vor dem Unteren Tor stehen einige Bauernhäuser und die Etzkapelle.
1865 und 1878 - Stadtbrände
Das Haager Tor wird bei zwei Stadtbränden in den Jahren 1865 und 1878 stark beschädigt und nicht mehr aufgebaut.
1883 - Entfernung der Wallanlage
Um 1883 wird die Wallanlage entfernt sowie der Wassergraben zugeschüttet und als Fußweg angelegt.
1885 - Abbruch des Haager Tores
1885 werden die verbliebenen Reste des Haager Tores abgebrochen.
1893 - Erste Grünanlagen
Auf den Resten der alten Stadtbefestigung entstehen auf Veranlassung des Lehrers J. Michel 1893 die ersten Grünanlagen.
1900 - Ausdehnung von Dorfen
Durch die Beseitigung der alten Stadtbefestigung dehnt sich Dorfen ab 1900 nun in Richtung Süden zum Bahnhof Dorfen hin aus. Entlang der Haager Straße und am Bahnweg entstehen erste Ansiedlungen.
1928/29 - Umbau des Isener Tores
Das Isener Tor wird auf der alten Grundlage umgebaut und aufgestockt zu einem viergeschossigen Backsteinbau mit Schopfwalmdach. Besitzer ist die Brauerei Wailtl.
An der Marktseite (Marienplatz) wird es von einer Marienfigur des Dorfner Bildhauers Herrmann Wandinger geschmückt.
1934 - Bau der R15
Mit dem Bau der R 15 ab 1934 werden die Grünanlagen an der Ostseite von Dorfen entfernt. Es entsteht der Grabenwegweg in Dorfen
1995 - Narrengesicht am Unteren Tor
Das 1995 von der Künstlerin Annemarie Werhazy entworfene Narrengesicht am Unteren Tor ist seit 1996 das Zeichen für die Faschingszeit in Dorfen.
Hinter den Augen des Gesichts versteckt sich auch das Turmfenster, aus dem dann beim Hemadlenz-Umzug das KG-Prinzenpaar über eine Leiter heruntersteigt.
2008 bis 2009 - Renovierung des Isener Tores
Das Tor, im Besitz der Immobilienfirma Sperr & Zellner, wird in den Jahren 2008/09 umfassend renoviert und beherbergt jetzt pro Etage eine Wohnung.
Der Türmer ist eine bedeutende Figur in mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Städten, in Dorfen ist er von 1732 bis mindestens 1850 im Kirchtor stationiert.
1790 bis 1813 - Erste Dorfener Schule
Von 1790 bis 1813 ist im ehemaligen Pfänderhaus neben dem Unteren Tor die Dorfener Schule untergebracht.
1815 - Siedlungen vor den Toren
Vor dem Kirchtor liegt der Johannisplatz, die Erdinger Straße sowie der Ruprechtsberg, die schon ziemlich bebaut sind.
Vor dem Isener Tor liegt nur das Armenhaus und die Sebastianskirche mit Pestfriedhof.
Vor dem Haager Tor entsteht durch die Verlagerung der Folger-Schmied, der Rotteneicher-Schmied, die Schlosserei Höh, die Schlosserei Gams und zwei Feilenhauereien eine größere Ansiedlung.
Vor dem Unteren Tor stehen einige Bauernhäuser und die Etzkapelle.
1865 und 1878 - Stadtbrände
Das Haager Tor wird bei zwei Stadtbränden in den Jahren 1865 und 1878 stark beschädigt und nicht mehr aufgebaut.
1883 - Entfernung der Wallanlage
Um 1883 wird die Wallanlage entfernt sowie der Wassergraben zugeschüttet und als Fußweg angelegt.
1885 - Abbruch des Haager Tores
1885 werden die verbliebenen Reste des Haager Tores abgebrochen.
1893 - Erste Grünanlagen
Auf den Resten der alten Stadtbefestigung entstehen auf Veranlassung des Lehrers J. Michel 1893 die ersten Grünanlagen.
1900 - Ausdehnung von Dorfen
Durch die Beseitigung der alten Stadtbefestigung dehnt sich Dorfen ab 1900 nun in Richtung Süden zum Bahnhof Dorfen hin aus. Entlang der Haager Straße und am Bahnweg entstehen erste Ansiedlungen.
1928/29 - Umbau des Isener Tores
Das Isener Tor wird auf der alten Grundlage umgebaut und aufgestockt zu einem viergeschossigen Backsteinbau mit Schopfwalmdach. Besitzer ist die Brauerei Wailtl.
An der Marktseite (Marienplatz) wird es von einer Marienfigur des Dorfner Bildhauers Herrmann Wandinger geschmückt.
1934 - Bau der R15
Mit dem Bau der R 15 ab 1934 werden die Grünanlagen an der Ostseite von Dorfen entfernt. Es entsteht der Grabenwegweg in Dorfen
1995 - Narrengesicht am Unteren Tor
Das 1995 von der Künstlerin Annemarie Werhazy entworfene Narrengesicht am Unteren Tor ist seit 1996 das Zeichen für die Faschingszeit in Dorfen.
Hinter den Augen des Gesichts versteckt sich auch das Turmfenster, aus dem dann beim Hemadlenz-Umzug das KG-Prinzenpaar über eine Leiter heruntersteigt.
2008 bis 2009 - Renovierung des Isener Tores
Das Tor, im Besitz der Immobilienfirma Sperr & Zellner, wird in den Jahren 2008/09 umfassend renoviert und beherbergt jetzt pro Etage eine Wohnung.
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