Die Architektur des Unteren Tors zeugt von der kunstvollen Handwerkskunst der Spätgotik, mit einem eleganten Krüppelwalmdach, dessen abgeschrägte Giebelspitzen sowohl funktional als auch ästhetisch sind. Die Dächer dieses Torbaus haben nicht nur die Aufgabe, das Gebäude vor den Launen der Witterung zu schützen, sondern verleihen ihm auch eine anmutige Form, die im Einklang mit der umgebenden Natur steht.
Vor dem Tor breitete sich der Herzoggraben aus, über den früher eine Zugbrücke führte. Die Falze, die noch heute die Spuren der Zugbrücke zeigen, zeugen von der einstigen Bedeutung dieser Anlage, die den Markt vor möglichen Angriffen schützte. Mächtige Eichentüren boten der Stadt für Jahrhunderte Schutz und Sicherheit.
Wenn man von außen kommt, spürt man fast die Jahrhunderte an der ruhigen Kraft dieses Tors. Beim Durchschreiten der mächtigen Durchfahrt, die mit einer Höhe von 4,30 Metern und einer Breite von 3,30 Metern großzügig genug ist, um auch heute noch den Verkehr zu passieren, wird man von der ehrwürdigen Ruhe des Bauwerks erfasst. Innerhalb des Tors führt eine steile Holztreppe ins Innere und lädt dazu ein, einen Blick auf die Geschichte und die Geschichten dieses alten Bauwerks zu werfen.
Das Tor hat eine tiefere Bedeutung für die Dorfener, vor allem während des Faschings. Seit 1996 wird seiner Fassade das Narrengesicht, von der Künstlerin Annemarie Werhazy entworfen, übergezogen. Es ist nicht nur ein kunstvolles Symbol, sondern auch das Erkennungszeichen für die Faschingszeit, das den Beginn der ausgelassenen Feierlichkeiten markiert. Hinter den Augen dieses Gesichts, die zugleich die Fenster des Turms sind, verbirgt sich ein Hinweis auf die Verbindung von Tradition und Feierlust.
Von 1790 bis 1813 war das ehemalige Pfänderhaus neben dem Tor die Schule von Dorfen, ein weiterer Beweis dafür, wie der historische Ort in das tägliche Leben der Stadt eingewoben war. Und auch heute noch hat das Tor eine besondere Rolle. Besonders beim Hemadlenz, einem lokalen Fest, wird es zur Bühne für das Prinzenpaar, das über eine Leiter aus einem der Fenster hinabsteigt und das Festgefolge willkommen heißt.
Das Untere Tor ist mehr als nur ein Durchgang. Es ist ein Ort, an dem Geschichte lebendig bleibt, ein Wahrzeichen, das die Identität Dorfens prägt und dessen ehrwürdige Mauern die Geschichten vergangener Jahrhunderte erzählen – von Verteidigung und Handel, von Festen und Feierlichkeiten, und von einem ständigen Wandel, der sich doch stets in den Steinen dieses Torbaus widerspiegelt.
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1229 bis 1231 - Gründung des Marktes Dorfen
Der mittelalterliche Markt Dorfen ist mit 4 Toren, einem davor liegenden Wassergraben, dem Herzoggraben mit 4 Zugbrücken, einem mit Holzpalisaden verstärktem Wall und davor einem Spitzgraben umwehrt.
Das östliche Tor wird Öttinger Tor genannt, da hier die Wallfahrer aus Altötting kommen. Das Öttinger Tor wird auch Unteres Tor genannt, da es flussabwärts liegt, in Richtung der Mündung der Isen in den Inn am nördlichen Innufer Neuöttings.
1443 - Steinerne Tore
Die vier steinernen Tore werden Mitte des 14. Jahrhunderts in gotischen Bauform mit Walmdach erbaut. Erste urkundliche Erwähnung 1443.
1530 - Torumbauten
Um die Wende zum 16. Jh. erhalten die vier Tore eine gotische Bauform, die nahezu identische ist mit der Form des bis heute unverändert gebliebenen Öttinger Tors.
1790 bis 1813 - Erste Dorfener Schule
Von 1790 bis 1813 ist im ehemaligen Pfänderhaus neben dem Unteren Tor die Dorfener Schule untergebracht.
1815 - Siedlungen vor den Toren
Vor dem Unteren Tor stehen einige Bauernhäuser und die Etzkapelle.
1934 - Bau der R15
Mit dem Bau der R 15 ab 1934 werden die Grünanlagen an der Ostseite von Dorfen entfernt. Es entsteht der Grabenwegweg in Dorfen
1995 - Narrengesicht am Unteren Tor
Das 1995 von der Künstlerin Annemarie Werhazy entworfene Narrengesicht am Unteren Tor ist seit 1996 das Zeichen für die Faschingszeit in Dorfen.
Hinter den Augen des Gesichts versteckt sich auch das Turmfenster, aus dem dann beim Hemadlenz-Umzug das KG-Prinzenpaar über eine Leiter heruntersteigt.
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