Sonntag, 15. Juni 2025

Wo Gewalt nicht vergessen werden darf


Jede Gewalttat ist Unrecht
In einer Welt voller Gesetze, Paragrafen und militärischer Logik scheint eines oft verloren zu gehen: die unbedingte Achtung vor dem Leben. Ich glaube – nein, ich empfinde zutiefst –, dass jede Form von Gewalt, unabhängig vom Kontext, eine Verletzung der Menschlichkeit darstellt. Ob im Krieg, in einem Gefängnis, auf der Straße oder im Namen eines Staates – Gewalt bleibt Gewalt. Und Gewalt ist immer Unrecht.

Kein Recht auf Gewalt – nirgends
Es mag Gesetzbücher geben, die Tötungen rechtfertigen. Es mag Befehlsketten geben, die Schläge, Demütigungen oder gar Folter legitimieren. Es mag Staaten geben, die Menschen unterdrücken, vertreiben oder versklaven und dies mit ihrer „Ordnung“ begründen. Doch kein Gesetz, kein Befehl, kein Staat kann je das moralische Unrecht aufheben, das in jeder Gewalttat liegt. Kein einzelner Mensch hat das Recht, einem anderen Schmerz zuzufügen – auch nicht im Namen eines Kollektivs.

Töten ist immer eine Grenzverletzung
Wenn ein Mensch einem anderen das Leben nimmt – egal ob als Soldat, Polizist, Rebell oder Mörder –, überschreitet er eine Schwelle, die nicht wieder rückgängig gemacht werden kann. Auch wenn das Strafrecht zwischen Mord, Totschlag, Notwehr oder Kriegsdienst unterscheidet, bleibt das moralische Grundprinzip unangetastet: Der Wille, einen anderen Menschen mit Gewalt zu überwältigen oder gar zu vernichten, ist niemals gerecht. Auch Verteidigung mit Gewalt bedeutet Gewalt. Auch sie bricht das Gebot: „Du sollst nicht töten.“

Folter, Vergewaltigung, Raub – alles staatlich legitimiert?
Manchmal erkennen wir die Gewalt nicht gleich, weil sie sich hinter Uniformen, Paragraphen oder Gerichtsurteilen verbirgt. In vielen Ländern wurden und werden Menschen gefoltert – mit offiziellem Siegel. Frauen werden vergewaltigt – durch Soldaten, die angeblich für Ordnung sorgen. Familien werden enteignet – mit Hilfe eines staatlichen Bescheids. Wer Gewalt in legalen Formen zulässt, schützt nicht das Recht – er entmenschlicht es. Es ist für mich unerträglich, dass Vergewaltiger, Folterknechte und Mörder durch ein Gesetz scheinbar „legitim“ handeln dürfen.

Moralisches Gewissen statt juristischer Rechtfertigung
Ich frage: Was unterscheidet einen Kriegsverbrecher, der im Ausland ein Dorf niederbrennt, von einem Bandenchef, der sein Revier verteidigt? Was unterscheidet eine Vergewaltigung durch einen Besatzungssoldaten von der durch einen Täter auf der Straße? Die Antwort lautet oft: der Kontext. Doch für das Opfer ist das gleichgültig – die Gewalt trifft den Körper, das Herz, die Würde. Und moralisch zählt nicht der Rahmen, sondern die Tat. Sie bleibt falsch.

Ein Aufruf zur Ächtung aller Gewalt
Ich wünsche mir eine Gesellschaft, in der nicht zwischen erlaubter und unerlaubter Gewalt unterschieden wird. Ich wünsche mir eine Menschheit, die nicht mit Waffen, Schlägen oder Drohungen reagiert, sondern mit Empathie, Klarheit und gewaltloser Entschlossenheit. Jede Form von Gewalt – ob physisch, psychisch oder strukturell – muss als das erkannt werden, was sie ist: eine Entwürdigung der Menschlichkeit.

Lasst uns den Mut haben, jede Gewalt zu verurteilen.
Ohne Ausnahme. Ohne Ausrede. Ohne Relativierung.
Denn in jedem verletzten Menschen ist auch ein Stück von uns verletzt.

Keine Hand soll weh’n –
still verweht der Mensch im Wind,
wenn Gewalt ihn bricht.
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„Kommen Sie mit? Schauen Sie es sich an – hier entlang!“
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1793 - Levée en masse
Kriegerdenkmale, die nicht nur an Feldherren oder Offiziere, sondern auch an einfache Soldaten erinnern, entstehen nach der Französischen Revolution mit der Levée en masse.

1813 - Eisernes Kreuz
Friedrich Wilhelm III. ruft am 10. März 1813 mit der Stiftung des Eisernen Kreuzes erstmals einen Orden ins Leben, dessen Verleihung unabhängig von Stand und Dienstgrad ist, also erstmals auch dem einfachen Soldaten verliehen werden kann.

1813 - Verordnung über die Stiftung eines bleibenden Denkmals
Friedrich Wilhelm III. erlässt am 5. Mai 1813 die „Verordnung über die Stiftung eines bleibenden Denkmals für die, so im Kampfe für Unabhängigkeit und Vaterland blieben.“:
  • §. 1. Jeder Krieger, der den Tod für das Vaterland in Ausübung einer Heldenthat findet, soll durch ein auf Kosten des Staats in der Regimentskirche zu errichtendes Denkmal auch nach seinem Tode geehrt werden.
  • §. 3. Außerdem soll für Alle, die auf dem Bette der Ehre starben, in jeder Kirche eine Tafel auf Kosten der Gemeinden errichtet werden, mit der Aufschrift: Aus diesem Kirchspiele starben für König und Vaterland.

1842 - Militär-Begräbnisvereine
Kriegervereine werden bereits nach den Koalitionskriegen gegründet.
Seit 1842 bilden sich in Preußen Militär-Begräbnisvereine, nachdem König Friedrich Wilhelm IV. ihrer Gründung eine gesetzliche Grundlage gibt und ihnen besondere Rechte verleiht.

1865 - Schlachtendenkmäler
Eine Nebenform der Kriegerdenkmäler bilden Schlachtendenkmäler, welche den Tod namentlich ausgewiesener oder anonymer Soldaten veranschaulichen, wie etwa das Winkelrieddenkmal (1865) in Stans oder das St. Jakobs-Denkmal (1872) in Basel, beide von Ferdinand Schlöth.

1864 bis 1871 - Kriegervereine nach den Einigungskriegen 
Die Kämpfe der Märzrevolution ab 1848, insbesondere der dreijährige Krieg in Schleswig-Holstein, geben weiteren Anlass für die Bildung von Kriegervereinen.
Doch nehmen derartige Bestrebungen erst nach den Kriegen von 1864, 1866 und 1870/71 in allen Teilen des Deutschen Reiches einen besonderen Aufschwung.

1864 bis 1871 - Kriegerdenkmäler nach den Einigungskriegen 
Viele Kriegerdenkmäler nach den Einigungskriegen 1864, 1866 und 1870/71 (Deutsch-Französischer Krieg) haben weniger die Ehrung der Gefallenen, als vielmehr aller auch der überlebenden Kriegsteilnehmer zum Inhalt.
Nach der Reichsgründung und dem gewonnenen Deutsch-Französischen Krieg werden die mit den Ehrenmalen bedachten Soldaten häufig in den Inschriften als „siegreiche Helden“ bezeichnet und von Kriegervereinen und den Gemeinden gestiftet.
Dem nationalen Selbstverständnis zufolge zieren solche Ehrenmale oft die Nike bzw. Victoria, Germania, oder Adler mit ausgebreiteten Schwingen, auch der Obelisk als uraltes Siegeszeichen ist häufig anzutreffen.

1873 - Deutscher Kriegerbund
Die im Frühjahr 1872 angeregte und am 14. April 1873 in Weißenfels beschlossene Bildung des Deutschen Kriegerbundes gibt das Signal zum Zusammenschluss der einzelnen Kriegervereine in Verbände. Der Bund strebt eine feste Bindung aller Kriegervereine mit gemeinsamer Unterstützungskasse über das ganze Reich an.

1874 - In Treue fest!
Der Bayerische Soldatenbund 1874 e.V. führt den Wahlspruch der Königlich-Bayerischen Armee "In Treue fest!" als Gruß und Wahlspruch.

1880er - Bekämpfung der Sozialdemokratie
Kriegervereine werden ursprünglich aus Gründen der Geselligkeit gegründet. Sie sind zunächst weitestgehend neutral und parteipolitisch unabhängig.
Mit der verstärkten Organisation der Arbeiterbewegung werden die Kriegervereine seit den 1880er zunehmend zur Bekämpfung der Sozialdemokratie aufgebaut.

Nach 1890 - Siegerdenkmäler
Der Aufstellung von Denkmälern kommt ein Gesetz von 1890 entgegen, das die Befugnis zur Errichtung von Denkmälern auf die Gemeinden überträgt.
Danach werden zahlreiche neue Ehrenmale für 1870/71 errichtet, insbesondere zu Jahrestagen des Sieges über Frankreich (Sedantag), wie dem 25sten Jubiläum 1896 oder dem 40sten Jubiläum 1911.

Nach 1900 - Zeichen der Militarisierung
Viele der nach 1900 errichteten Denkmäler für 1870/71 sind auch ein Zeichen der beginnenden Militarisierung, die die Gesellschaft unter Kaiser Wilhelm II. erfährt.

1900 - Kyffhäuserbund
Anfang des 20.Jhs. sind sämtliche Landeskriegerverbände des Deutschen Reiches in dem im September 1900 gegründeten Kyffhäuserbund der deutschen Landeskriegerverbände vertreten, der 27 Landesverbände mit 22.000 Vereinen vereint.
Im Oktober 1913 verfügt der Kyffhäuserbund über 2.837.944 Mitglieder.

1907 - Hottentottenwahlen
Die Kriegervereine werden zu einem wichtigen Instrument zur Bekämpfung der Sozialdemokratie im Deutschen Reich. Insbesondere zur Reichstagswahl 1907, der „Hottentottenwahlen“, sind sie ein bedeutender Teil der Wahlkampfstrategie des Bülowblocks.

1923 - Ehrendenkmal in Dorfen
Der Burschenverein Dorfen errichtet zum Zeitpunkt der Vereinsgründung  des Soldaten- und Kriegervereins Dorfen ein Ehrendenkmal für die Gefallenen im Ersten Weltkrieg.

1923 - Soldaten- und Kriegerverein Dorfen
Soldaten- und Kriegerverein Dorfen feiert 100. Jubiläum - Alles begann im Jahr 1923, im damaligen Gasthaus zur Schwaige:
Der Erste Weltkrieg ist vorbei. Unvergessen bleibt jedoch das Leid, welches die blutigen Kämpfe für viele Bürger mit sich gebracht haben. Um den Gefallenen aus Dorfen ein „immerwährendes“ Andenken zu sichern, schließen sich 30 ehemalige Frontkämpfer aus dem Ort zusammen. Sie gründen den Veteranen- und Kriegerverein.

1928 - Nie wieder Krieg
Die der Arbeiterbewegung nahestehende Organisationen versuchen, der teilweise kriegsverherrlichenden Ausdrucksform vieler deutscher Kriegsdenkmäler das Motto "Nie wieder Krieg" entgegenzusetzen.
Ein Beispiel ist das vom Arbeiterturnverein Benningen für seine im Ersten Weltkrieg gefallenen Mitgliedern 1928 errichtete Denkmal, das neben den üblichen Namenstafeln die Inschrift Nie wieder Krieg im Denkmalssockel enthält.

Bis 1933 - Totengedenken an die Opfer des Ersten Weltkriegs
Durch die ungleich höhere Zahl an Opfern, die der Erste Weltkrieg im Vergleich mit den vorangegangenen Kriegen gefordert hat, steht in den Ehrenmälern für die Soldaten 1914–1918 zunächst das Totengedenken im Mittelpunkt. Stifter sind vielerorts die Gemeinden oder Kirchengemeinden und nur noch selten Kriegervereine.
Die Denkmäler befinden sich zumeist an oder in Kirchen und beschränken sich oft auf die Auflistung der Namen der Gefallenen.
Da nicht nur der Krieg verloren, sondern auch das Kaiserreich untergegangen und die alte Armee aufgelöst worden war, weisen die Denkmäler üblicherweise keine nationalen Symbole auf, vielmehr zeigen sie Eisernes Kreuz, Eichenlaub, Schwert und Stahlhelm sowie christliche Symbolik.
Abgesehen von politischen Vorbehalten bereits in den 1920er steht in größeren Gemeinden der Errichtung von Denkmälern die Kostenfrage entgegen und/oder man scheut den Arbeitsaufwand für die Ermittlung der vielen Namen.

Nach 1933 - Forderung nach Opferbereitschaft
Nach 1933 errichtete Kriegsdenkmäler für 1914–1918 rücken die Forderung nach Opferbereitschaft in den Mittelpunkt.
Die verwendete Symbolik stellt Kampfbereitschaft, Mut und Siegesgewissheit dar; so sind nach 1933 auch wieder verstärkt Siegessymbole wie Säulen, Adler, Schwerter und Flammen zu finden, mitunter auch heroische Kampfdarstellungen.
Die Denkmale werden vermehrt an zentralen Orten und abseits von Kirchen errichtet, um das „Heldengedenken“ von christlichen Traueraspekten zu lösen und stärker ins Blickfeld der Öffentlichkeit zu rücken.

Ab 1934 - Gleichschaltung
Mit der ab 1934 einsetzenden Gleichschaltung werden 1938 sämtliche Kriegervereine und ähnliche Organisationen mit Ausnahme der NSKOV zwangsweise in den NS-Reichskriegerbund eingegliedert.

Bis 1945 - Denkmalsinschriften für Soldaten
Die Denkmalsinschriften verweisen bei den bis 1945 entstandenen Denkmälern oft auf die Tugenden der gefallenen Soldaten: Tapferkeit, Mut, Vaterlandsliebe, Treue, Kameradschaft, Opferbereitschaft und Pflichterfüllung bis in den Tod.

Nach 1945 - Mahnmal für den Frieden
Im Zweiten Weltkrieg nahm der Anteil ziviler Opfer an den Gesamtverlusten enorme Ausmaße an. Auch aufgrund der politischen Diskussion und des Pazifismus der Nachkriegszeit werden Denkmäler daher zumeist nicht allein den Soldaten, sondern allen Opfern des Krieges gewidmet, wobei man überwiegend auf die Nennung der einzelnen Namen verzichtet. Den Denkmälern wird die Rolle eines Mahnmals für den Frieden zugedacht.
Häufig werden Kriegerdenkmäler für 1914–1918 um die Namen der Toten 1939–1945 ergänzt. Bei nach 1945 neu errichteten Kriegerdenkmälern sind oft christliche Symbole wie das Kreuz und die Pietà oder Palmzweige vorzufinden, die Anlagen wirken durch ihre Architektur häufig auch tempelartig.

Nach 1945 - Neue Gedenkinschriften in Dorfen
Insgesamt 18 Dorfener fallen im Zweiten Weltkrieg, sechs gelten als vermisst. "Für so ein kleines Dorf wie Dorfen ist das ein hoher Blutzoll.“ Zum Gedenken an die Kriegsopfer wird das Kriegerdenkmal um eine Gedenkinschriften zu den Gefallenen des Zweiten Weltkriegs erweitert.

1946 - Direktive Nr. 30
Der Alliierte Kontrollrat verfügt in seiner Direktive Nr. 30 von 1946 die Beseitigung aller deutschen Denkmäler und Museen militärischen Charakters: „Die Planung, der Entwurf, die Errichtung, die Aufstellung oder die sonstige Zurschaustellung von Gedenksteinen, Denkmälern, Plakaten, Statuen, Bauwerken, Straßen- oder Landstraßenschildern, Wahrzeichen, Gedenktafeln oder Abzeichen, die darauf abzielen, die deutsche militärische Tradition zu bewahren oder die Erinnerung an die nationalsozialistische Partei aufrechtzuerhalten, oder ihrem Wesen nach in der Verherrlichung von kriegerischen Ereignissen bestehen, ist untersagt und gesetzwidrig.“

Nach 1946 - Beseitigung von Kriegerdenkmälern
Entgegen den Festlegungen der Direktive Nr. 30, die Gedenksteine, die zum Andenken an Verstorbene regulärer Einheiten errichtet wurden, als zu erhalten festgelegt, kommt es vor allem in der unmittelbaren Nachkriegszeit zu „wilden“ Beseitigungen von Kriegerdenkmalen ohne behördliches Mitwirken.

1945 - Kontrollratsgesetz Nr. 2
Durch das Kontrollratsgesetz Nr. 2 vom 10. Oktober 1945 werden sämtliche Naziorganisationen, so auch der NS-Reichskriegerbund und NSKOV, aufgelöst und liquidiert. Damit kommt jegliches Vereinsleben in diesem Bereich zum Erliegen.

1950er - Vereinsleben
Ab Anfang der 1950er werden Soldatenverbände wieder möglich. Sind zuerst Vereinigungen von Teilnehmern des Zweiten Weltkriegs sehr aktiv, in der Öffentlichkeit präsent und verfügen über bundesweite Dachverbände, liegt der Schwerpunkt der örtlichen Vereine heute auf dem internen und regionalen Vereinsleben.

1950er - Friedensdenkmal in Dorfen
Ein großes Kruzifix aus Metall mit den Jahreszahlen der beiden Weltkriege – 1914–1918 und 1939–1945 – wird an der Apsis der Marktkirche St. Veit, im Dialog mit der historischen Architektur von 1390, errichtet.
Dieses Kreuz‑Friedensdenkmal ist ein Werk des Bildhauers Hermann Wandinger. Das Denkmal bleibt bewusst anonym und symbolisch und ehrt so die Leiden, die durch die beider Weltkriege verursacht wurden. 

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