Der Vilstalradweg beginnt in Dorfen und führt auf einer stillen, landschaftlich reizvollen Strecke über Velden, Taufkirchen und Vilsbiburg bis nach Vilshofen. Auf etwa 116 Kilometern durchquert er fruchtbare Täler, überquert sanfte Höhen, passiert Schlösser, Klöster, Barockkirchen und stille Dörfer – und endet schließlich an der Donau.
Am Anfang: In Dorfen beginnt die Reise
Der Morgennebel liegt noch weich auf den Wiesen, als ich den Radweg östlich des großen Parkplatzes am Bahnhof Dorfen betrete. Der Asphalt glänzt noch vom Tau der Nacht. Ich folge der alten Bahntrasse, die einst Züge von Dorfen nach Velden trug – heute ein stiller Pfad für jene, die das Land mit allen Sinnen erleben wollen. Der Weg führt mich sanft östlich an der Stadt vorbei. Ich höre den fernen Klang von Kirchenglocken, rieche das frische Gras, spüre den Atem der Landschaft.
Über Brücken und Erinnerungen
Bald überquere ich den Flutkanal der Isen – das Wasser plätschert unter mir, ein Versprechen des Flusses, mich zu begleiten. Gleich danach stehe ich vor einem stillen Denkmal aus Eisen und Geschichte: eine alte Lokomotive, daneben das Gasthaus, das einst die Haltestelle "Dorfen Markt" säumte. Hier scheint die Zeit sich zu verneigen. Ich trete weiter in die Stille des Morgens.
Durch das fruchtbare Herz des Landes
Der Weg steigt sanft an. Ich fahre nach Norden durch weite Felder, auf denen die Sonne goldenes Licht über das Getreide streut. Rechter Hand sehe ich Algasing – einst Kloster, dann Knabeninternat, nun ein Ort für Menschen mit besonderen Bedürfnissen. Es liegt ruhig da, umgeben von Bäumen, ein Ort der Wandlung und des Mitgefühls.
Der Eibachpass – auf dem Dach des Radwegs
Ich erreiche den höchsten Punkt – den sogenannten Eibachpass, eine Wasserscheide zwischen Isen und Vils. Westlich davon führt ein Feldweg zu einem Aussichtspunkt, von dem aus ich weit über das Hügelland blicke. Die Farben des Tages entfalten sich: Himmelblau, Wiesengrün, Mohnrot.
Hinab ins Vilstal – ein Flug durch Dörfer und Zeiten
Ab jetzt geht es bergab, hinein in das weite Tal der Vils. Ich rausche durch Kienraching, wo die barocke Kirche St. Leonhard wachsam über das Dorf wacht. Frauenvils, Solching, Flaring – ihre Namen klingen wie alte Gedichte. In Taufkirchen lohnt ein Halt. Das Wasserschloss schimmert zwischen alten Bäumen, nicht weit davon der Weidenhain – ein stiller Ort zum Verweilen, zum Atmen, zum Träumen.
Velden – ein Ort mit Charme
Ein Stück weiter liegt Velden, wo die Pfarrkirche St. Peter in den Himmel ragt und das alte Bahnhofensemble an die Zeit der Dampfrösser erinnert. Im Freilichtmuseum Georg Brenninger leben Erinnerungen weiter – in Stein gemeißelt, in Herz und Gefühl bewahrt.
Vilsbiburg – Stadt der Kirchen und Wege
Der Radweg führt weiter bis nach Vilsbiburg. Ich erreiche eine Stadt, deren Seele aus Glauben und Geschichte gemacht ist: Wallfahrtskirchen, Klosteranlagen, die große Stadtpfarrkirche und das Heimatmuseum – alles erzählt von Menschen, Hoffnung und Heimat.
Von Frontenhausen bis Reisbach – ein See, ein Markt, ein Park
Ich gleite über stille Straßen nach Frontenhausen, wo der historische Marktplatz mit seinem Rathaus ruht wie ein altes Gedicht. Die Pfarrkirche ist spätgotisch, ihr Turm scheint dem Himmel zu lauschen. Zwischen hier und Reisbach liegt der Vilstalsee – das Wasser lockt mit Versprechen auf Rast, auf Schwimmen, auf Leben. In Reisbach stehen zwei Kirchen bereit, mich zu begrüßen, und südlich lockt der Bayern-Park, voll kindlicher Freude und lebendigem Lachen.
Aufhausen – Venus und Vergangenheit
In Aufhausen begegnet mir Geschichte in ihrer ältesten Form. Die „Venus von Aufhausen“ – ein 6000 Jahre altes Gefäß in Menschenform – lässt mich staunen. So viel Zeit liegt zwischen ihr und mir, und doch fühle ich mich verbunden. Der Radlerpark lädt zum Verweilen ein, die Kirche St. Michael streckt sich in den Himmel.
Eichendorf und Aldersbach – Natur, Klöster und Bier
Durch Eichendorf mit seinem "Haus der Natur" zieht es mich weiter nach Aldersbach. Die Asamkirche betört mit barocker Pracht, das Zisterzienserkloster flüstert vom klösterlichen Leben, das Brauereimuseum vom goldenen Gerstensaft, der hier seit Jahrhunderten fließt.
Vilshofen – das Ziel an der Donau
Am späten Nachmittag erreiche ich Vilshofen. Die Vils fließt hier in die Donau – ein stiller, kraftvoller Ort. Der Stadtturm grüßt mich aus der Ferne, das Benediktinerkloster Schweiklberg steht ruhig und mächtig über der Stadt. Ich spüre, dass meine Reise ein Ziel gefunden hat, das zugleich ein Anfang ist. Hier mündet nicht nur ein Fluss, sondern ein Tag voller Eindrücke, Geschichten und Stille.
Verbundene Wege, offenes Land
Der Vilstalradweg ist mehr als ein Radweg. Er ist eine Reise durch Zeit, Landschaft und Herz. Immer wieder begegnen mir andere Wege: in Vilsbiburg der Isar-Vils- und der Vils-Rott-Radweg, in Aufhausen der Bockerlbahn-Radweg, in Walchsing die Tour de Baroque, am Ende der Donauradweg und der Ohetal-Radweg. Es ist ein Geflecht von Wegen – verbunden wie Lebenslinien.
Und ich, ein Reisender auf zwei Rädern, tauche ein in dieses Netz aus Natur, Kultur und Gefühl. Der Vilstalradweg – ein Gedicht, das man mit den Füßen liest und mit dem Herzen erinnert.
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„Kommen Sie mit? Schauen Sie es sich an – hier entlang!“
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1998 - Grunderwerb
Die Gemeinden Dorfen, Taufkirchen und Velden erwerben 1998 von der Deutschen Bundesbahn den Grund der ehemaligen Trasse der Bahnstrecke Dorfen - Taufkirchen (Vils) - Velden, die 1993 stillgelegt wurde.
1999 - Taufkirchen - Velden
Im Oktober 1999 wird der Abschnitt Taufkirchen (Vils) – Velden des Vilstalradweges eröffnet.
2000 - Freispiegelleitung
Noch vor dem Bau des Radweges wird auf der Trasse der ehemaligen Veldener Bahn im Winter 2000/01 die Freispiegelleitung verlegt und der Anschluss Eibachs und Algasing nach Dorfen hergestellt.
2000 - Eröffnung
Als "schönsten Radweg Bayerns" bezeichnet der Dorfener Bürgermeister den Radweg von Dorfen über Taufkirchen nach Velden bei dessen Eröffnung im Sommer 2000.
2001 - Vilstalradweg
Der 116 km lange Vilstalradweg beginnt in Dorfen und führt entlang der Vils auf der früheren Bahntrasse der Lokalbahn (1898-1993) über Eibach, Taufkirchen, Moosen nach Velden durch unberührte und dünn besiedelte Naturlandschaft.
2001 - Aufstellung einer Klemlok
Die Klemlok Ka 4910 der Firmen Windhoff und SSW (Bj. 1937), die der Klemlok Kö 4806 ähnelt, wird am Standort Buchbacher Straße/Radweg aufgestellt. Sie ist 6,45 m lang, wiegt 16,75 t und hat eine Leistung von 2x 17,5 kw. Bis 1995 war sie im Großraum München im Einsatz.
Nach 2001 - "Wer soll denn da mit dem Radl fahren?"
Anfangs ist manch einer noch skeptisch, doch im Nu spricht es sich herum, dass im Grenzland zwischen dem oberbayerischen Isental und dem niederbayerischen Vilstal eine touristische Attraktion geschaffen worden war.
Der Vilstalradweg lockt viele Radfahrer an und sie kommen mit dem Zug nach Dorfen.

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