Montag, 9. Juni 2025

Die Macht des Wassers

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Wenn das Wasser die Zeit stillstehen lässt
Der September beginnt wie gewöhnlich – golden, still und heiter, mit dem warmen Atem des Spätsommers, der über das Isental streicht. Doch 1920 ist alles anders. Schon in den ersten Tagen liegt ein feuchter Schleier über der Landschaft, und der Himmel, sonst so licht und mild, wirkt nun bedrückt, als hielte er den Atem an. Die Isen rauscht lauter als sonst, wird unruhig, träge und dunkel, als spürte auch sie, was sich zusammenbraut.

Und dann – in der Nacht auf Montag, den 6. September – bricht im Süden Bayerns ein Wolkenmeer auf, das keine Gnade kennt. Von Oberschwaben über das sanfte Hügelland bei Haag bis hin zum gläsernen Waginger See entlädt sich der Himmel in einem einzigen, unaufhörlichen Weinen. Es regnet nicht mehr – es stürzt, schüttet, strömt.

Am Morgen ist das Isental nicht mehr wiederzuerkennen. Dort, wo Felder und Wege sind, erstreckt sich jetzt ein stiller, endlos scheinender See. Von Burgrain bis zum Markt Dorfen erstreckt sich das Wasser – grau, geheimnisvoll, mit einer trügerischen Ruhe, unter der sich das Chaos verbirgt. Der Ort zwischen dem Schanz-Eck und der alten Rotteneicher-Schmiede steht bis weit über Kniehöhe unter Wasser.

Ein Dorf in Not – und voller Herz
Die Wasserfluten schleichen sich durch Häuser, umarmen Mauern, fressen sich durch Pflaster und reißen an Holz wie an Erinnerungen. Die kleinen Gartenhäuser schwimmen davon wie verlassene Boote. Besonders trifft es den „Sebastio-Bauern“, gleich neben der ehrwürdigen Kirche St. Sebastian. In ihrem Inneren, wo sonst der Weihrauch schwebt, steht das Wasser bis zur Brust. Zwei Jungrinder finden nicht rechtzeitig den rettenden Weg und versinken im Schlamm.

Doch mitten in dieser Verzweiflung wachsen Mut und Hoffnung wie Blumen aus dem Schlamm. Männer aus dem Ort bauen ein Floß. Ihre Gesichter sind entschlossen, als sie durch die graubraune Brühe rudern, das Ziel vor Augen: die Kinder der Bauersfamilie. Es ist ein Wagnis – das Floß prallt gegen ein treibendes Rind. Ein Moment nur, und alles droht zu kippen. Doch mit Glück, Geschick und zitternden Händen gelingt die Rettung.

Seile werden gespannt, von Haus zu Haus – ein Spinnennetz der Hoffnung. Am Rathausplatz hangeln sich die Bewohner daran entlang, ihre Körper halb im Wasser, ihre Seelen fest im Glauben, dass alles wieder gut wird.

Wenn Kühe träumen und Gockel auf Reisen gehen
Seltsames spielt sich ab, wie aus einer anderen Welt. Beim Modehaus Bierling steht nach dem Abzug der Fluten eine Kuh im Schaufenster – verdutzt, als frage sie sich, ob sie nun zur neuen Herbstkollektion gehört.

Und der Misthaufen des „Sebastio-Bauern“ – ein alter, stolzer Haufen voller bäuerlicher Kraft – macht sich auf den Weg. Quer durch den Stadtpark, vorbei an der Apothekerkasse, bis zum Rathausplatz schwimmt er, mit einem krähenden Gockel auf dem Rücken, der die Welt aus seiner schwankenden Warte mit philosophischer Ruhe betrachtet. Vielleicht denkt er sich: So was war mir noch nie beschieden.

Im Hause Streibl ereignet sich derweil ein Schauspiel, das für immer in der Familiengeschichte bleiben wird. Eine Mauer gibt dem Druck des Wassers nach, das sich wie ein listiger Dieb durch den Innenhof stiehlt. Im Hinterhof steht eine stämmige Sau in ihrem Schlamm und schnüffelt ahnungslos. Plötzlich steigt das Wasser – sie quiekt, sie wühlt, sie will leben. Mit vereinten Kräften wird sie, wild strampelnd, über die enge Treppe in den ersten Stock gehievt. Die Schreie des Tieres hallen noch lange durch die Wände – und durch die Herzen jener, die sie gerettet haben.

Was bleibt
Am Herzoggraben, hinter der „Soafa“, hält sich bis heute eine Hochwassermarke am Haus Kronseder. Ein stilles Zeichen, ein stummer Zeuge jener Tage, als Dorfen fast unterging – und zugleich wuchs.

In den Tagen nach dem Hochwasser wird die Arbeit zur gemeinsamen Tat. Die Straßen gleichen Trichterfeldern, als hätte ein Krieg sie gezeichnet. Doch aus dem Unglück erwächst neue Kraft. Arbeitslose greifen zur Schaufel, der Kies wird gewirbelt, das Leben kehrt zurück.

Und obwohl das Wasser wieder geht, bleibt es im Gedächtnis. Die Dorfgemeinschaft ist enger geworden, Geschichten werden erzählt, mit Tränen und mit Lachen – von Kühen im Laden, von schaukelnden Gockeln, von einer Sau auf der Treppe.

Und über allem liegt ein stilles Staunen. Denn das Wasser kam wie ein Sturm der Erinnerung – und hinterließ ein Dorf, das sich neu kennenlernte.
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„Kommen Sie mit? Schauen Sie es sich an – hier entlang!“
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14 bis 400 - "Turum" am mäandrierenden Isenufer
Die römische Straßenstation "Turum" an der Römerstraße von Regensburg – Straubing (Sorviodurum) – Landshut – Erding – Rosenheim (Pons Aeni) liegt hochwassergefährdet am stark mäandrierenden Isenufer.

1229 bis 1231 - Gründung des Marktes Dorfen im Hochwassergebiet
Herzog Ludwig den Kelheimer gründet den Markt Dorfen als einen Stützpunkt gegen das Hochstift Freising, die Grafschaft Haag und das salzburgische Mühldorf im Tal der Isen.
Die Anlage des Marktes erfolgt an den zwei sich kreuzende Straßenzüge Landshut — Rosenheim und München — Eggenfelden.
Damit liegt Dorfen nun zwar günstiger an den Verkehrswegen, ist jedoch von nun an auch stärker durch Hochwasser gefährdet.

1300 bis 1850 - Kleine Eiszeit
In der Kleinen Eiszeit kommt es häufiger zu Hochwassern. Die Atmosphäre ist damals durch starke Temperaturschwankungen besonders instabil.
Vor allem im Frühsommer wird der Süden Bayerns immer wieder von großen Überschwemmungen heimgesucht – denn zu dieser Zeit erwärmt sich das europäische Festland rasch, und Tiefdruckgebiete ziehen in dichter Folge über das Land.

1342 - Magdalenenflut
Nach einem kalten schneereichen Winter hat die Schneeschmelze im Februar ein erstes Hochwasser bewirkt. Nach einem feuchten Frühsommer, der für konstant hohe Pegelstände der Flüsse sorgt, lässt eine Hitzewelle im Juli die Böden austrocknen, so dass sie kaum Wasser aufnehmen können. Und als dann vom 19. bis zum 22. Juli ein Regengebiet große Niederschlagsmengen bringt, kommt es zur Magdalenenflut.
In den Jahren nach dem Magdalenenhochwasser folgen kalte und nasse Sommer, die in Verbindung mit dem erodierten Boden zu Ernteeinbußen führen.
In deren Folge kommt es zu massiven Hungersnöten, welche die Auswirkungen der in den Jahren 1346 bis 1353 grassierenden großen europäischen Pestepidemie zusätzlich verschlimmern.

1388 - Hochwasser bei Westholz an der Lappach
Beim Hochwasser 1388 reißt der Damm und das Stauwerk der Kumpfmühle, einer Mühle des Stifts Isen bei Westholz an der Lappach. Dabei werden die umliegenden Äcker und Wiesen überschwemmt,  darunter auch die des G'schlößl am Berg.
Der Besitzer des Gschlößlanwesens beklagt sich beim Kastner Läutwein von Landshut und verlangt von den Chorherrn von Isen Schadensersatz.
Dies wird abgelehnt mit der Begründung, daß der Wasserbruch und die Schäden von niemants wegen geschehen wären, dan allein von der Gewalt des allmechtigen Gottes.

1489 bis 1508 - Mitteleuropäische Hochwasserphase
Von 1489-1508 kommt es in Zusammenhang mit der beginnenden Kleinen Eiszeit zu einer Phase, in der zahlreiche Hochwasser auftreten.

1501 - Himmelfahrtsgieß
Im Sommer 1501, zur Regierungszeit König Maximilians, wird durch lange Regenfälle im Alpenraum ein Hochwasser um Maria Himmelfahrt (15. August) verursacht.
Schon der Juli des Jahres 1501 ist sehr verregnet und es kommt zu mehrfachen Ausuferungen der Flüsse, als nordostwärts über Osteuropa ziehende Mittelmeertiefs feuchte Luftmassen an den Alpennord- und -ostrand führen, was regelmäßig schwere Überflutungen in Zentraleuropa und an den mitteleuropäischen Flüssen und Strömen zur Folge hat.
Insgesamt regnet es ab Vorabend des Mariähimmelfahrtstages 10 Tage ununterbrochen. An der Donau wird das Ereignis ausdrücklich als „seit Menschengedenken/hundertjährlich“ genannt.

1570 bis 1600 - Mitteleuropäische Hochwasserphase
Von 1570-1600 kommt es erneut zu einer Phase, in der zahlreiche Hochwasser auftreten.

1826 - Hochwasser in der Sebastianskirche
Ungünstig für die Sebastianskirche ist die Lage auf dem feuchten Moosgrund an der Isen, der nicht selten durch das Hochwasser heimgesucht wird.
Besonders schwer trifft die Sebastianskirche das Hochwasser vom 25./26. Juli 1826: Das Wasser steht vier Schuh (ca. 1,2 Meter) tief in der Kapelle.

1873 - Einrichtung der ersten Wasserbauämter
Nach wiederholten Hochwasserkatastrophen im 19.Jh. richtet das Königreich Bayern erstmals eigene Wasserbauämter ein. Diese Institutionen bilden die Grundlage für ein staatlich organisiertes Fluss- und Hochwassermanagement.

1898 - Steinerne Brücke in Dorfen
Die alte Holzbrücke über die Isen wird 1898 durch eine steinerne Brücke ersetzt, da die hölzerne Brücke bei Hochwasser immer wieder zerstört wurde.

1899 - Münchner Hochwasser
Ab dem 8. September bis zum 14. September 1899 kommt es in Südbayern zu heftigen Regenfällen. Der Regen entstammt einem großräumigen Tiefdruckgebiet, das von Nordafrika bis zum Baltikum und von den Westalpen bis zum Schwarzen Meer reicht. Der Transport feuchter Luft aus dem Norden sowie vom gesamten Mittelmeerraum erzeugt Niederschläge von in der Spitze über 500 mm auf einer Fläche von mehr als 10.000 Quadratkilometern.
Da nach einem recht trockenen Sommer und dem schneearmen Winter 1898/99 die unterirdischen Speicher einen Wassertiefstand aufwiesen, werden Teile des Regenwassers auf natürliche Weise aufgefangen. Andernfalls wäre das folgende Hochwasser noch massiver ausgefallen.
Die Regenfälle führen bis zum 14. September vor allem im Isar- und Inngebiet zu Hochwasserfluten.
Anders als bei den Hochwassern 1954 und 2002 tritt 1899 keine Doppelwelle (Ergebnis von getrennt abgeregneten Niederschlagsblöcken) auf, sondern nur eine andauernde, einfache Welle.

1907 - Bayerisches Wassergesetz
Das erste umfassende bayerische Wassergesetz regelt unter anderem die Zuständigkeiten für Gewässerunterhalt und Hochwasserschutz. Es bleibt bis zur Neufassung 1953 in Kraft.

1920 - Erstes Jahrhunderthochwasser in Dorfen
Ein „Jahrhunderthochwasser” überschwemmt Dorfen. Die Isen erreicht einen historischen Pegelstand und setzt nahezu alle Straßen und Plätze des Marktes unter Wasser.

1924 - Hochwasser-Gedicht Dorfen
Das Hochwasser von 1920 findet vier Jahre später ein Echo in der Dorfener Zeitung mit dem Gedicht eines Handwerksbursche, der damals in Dorfen dabei war.

Ende 1920er - Hochwasserfreilegung Dorfens
Ab Ende der 1920er beginnt man mit der Hochwasserfreilegung Dorfens. Die Isen, die vorher in Schleifen um den Markt verlief, wird begradigt.

1935 bis 1937 - Isenflutkanal in Dorfen
1935–37 entsteht der Flutkanal mit einem leistungsfähigen Wehr. Ausserdem werden die Dämme erhöht und Altwasserarme der Isen trocken gelegt und aufgefüllt.

1954 - Hochwasserkatastrophe in Bayern
Das extreme Hochwasser im Juli 1954 entsteht wie ein typisches Sommerhochwasser an den Alpenflüssen durch langanhaltenden Niederschlag, bedingt durch eine Vb-Wetterlage. Etwa 70 bis 90 Stunden fallen ohne größere Pausen Niederschlag auf Böden, die bereits durch eine vorangegangene Regenperiode ab dem 27. Juni gesättigt sind.
Insgesamt werden dabei ca. 150.000 ha Land überschwemmt, davon allein 57.888 ha in Niederbayern, 51.286 ha in Oberbayern und 38.535 ha in der Oberpfalz.
Besonders betroffen von dem Hochwasser sind die Donau, der Inn und die Ilz.
Die Überschwemmungen fordern insgesamt 12 Todesopfer und über 9.000 Menschen müssen evakuiert werden.
Insgesamt verursacht die Hochwasserkatastrophe wirtschaftliche Schäden von fast 117 Millionen DM. Besonders in der Landwirtschaft (circa 37 Millionen DM), an Straßen, Brücken etc. (etwa 12 Millionen DM), in Industrie und Gewerbe (circa 9,8 Millionen DM) sowie an Gebäuden und baulichen Anlagen (etwa 8,8 Millionen DM) entstehen enorme Schäden.

1954 - Zweites Jahrhunderthochwasser in Dorfen
Die zur Abwehr der Hochwasser durchgeführten Maßnahmen der 1930er können nicht verhindern, dass es 1954 zu einem Hochwasser kommt, das im Ausmaß und in der Höhe der Schäden fast das Hochwaser von 1920 erreicht.
In der Nacht vom 8. auf den 9. Juli 1954 steigt der Pegelstand der Isen von 2,00 m auf 3,75 m. Nahezu alle Plätze des Marktes werden überschwemmt. Das Wasser erreicht teilweise eine Tiefe von über einem Meter. Die Schäden durch das zweite Jahrhunderthochwasser werden auf ca. 125.000 DM beziffert.

1954 - Hochwassereinsatz der Freiwillige Feuerwehr in Dorfen
Zum legendären Hochwasser im Jahre 1954 lesen wir in der Chronik folgenden Vermerk: „Von Donnerstag den 08. Juli bis Samstag den 10. Juli 1954 steht die Freiwillige Feuerwehr Dorfen im eigenen Markt im Hochwassereinsatz. Es werden insbesondere die bedrohten Ställe und Häuser evakuiert, mit Schlauchbooten Verbindungen aufrecht erhalten und überallwo Not am Mann ist zugegriffen."

1954 - Konsequenzen aus der Juli-Katastrophe
Nach dem verheerenden Hochwasser vom Juli 1954 reagiert der Freistaat Bayern mit einer Reihe von Verbesserungen: Ausbau von Flutmulden und Deichen, Förderung kommunaler Hochwasserschutzmaßnahmen und Einrichtung hydrologischer Frühwarnsysteme (Pegelnetze).

1960er bis 1980er - Flurbereinigung und Flussbegradigungen
Viele bayerische Flüsse werden begradigt, um Auenflächen für die Landwirtschaft zu gewinnen. Dies verbessert zwar die Nutzfläche, reduziert aber natürliche Überschwemmungsräume.

1990er - Sommerhochwasser in Dorfen
Auch in den 1990er kommt es öfter zu Beginn des Sommers zu Hochwassern.

1999 - Pfingsthochwasser
Im Lawinenwinter 1998/1999 kommt es zu überdurchschnittlich starken Niederschlägen. Am 22. Mai trifft das Tief Quartus auf durch die Schneeschmelze bereits bestehende kleine Hochwasser und verursacht mit Niederschlägen von bis zu 180 Litern pro Quadratmeter das Pfingsthochwasser von 1999 in Bayern.
Nach dem verheerenden Pfingsthochwasser beginnt ein Umdenken: Betonung von dezentralem Hochwasserrückhalt und Wiederherstellung von natürlichen Auenräumen.

2001 - Start des bayerischen „Aktionsprogramms 2020“
Wichtige Punkte des Aktionsprogrammes 2020 zum nachhaltigen Hochwasserschutz sind: Schaffung von Rückhalteräumen, Verbesserung der Hochwasservorhersage, Koordination zwischen Kommunen, Land und Bund und Bau von über 400 neuen Hochwasserrückhaltebecken bis 2020.

2000er - Retentionsflächen in Dorfen
Da die Isen regelmäßig über die Ufer tritt und den Markt Dorfen überschwemmt, bietet man nun den Wassermassen Flächen an, auf denen sie sich unschädlich ausbreiten können.
In Zusammenarbeit mit dem Wasserwirtschaftsamt München werden Anfang der 2000er am Lauf der Isen im Westen (Hochwasserrückhaltebecken auf der Flur "Bodensee") und Osten (Isenauenpark) von Dorfen große Retentionsflächen geschaffen.

Nach 2000er - Hochwassergebiete Dorfens werden bebaut
Seit den letzten Schutzmaßnahmen gegen Hochwasser gibt es in Dorfen keine Überschwemmung mehr. Man fühlt sich sicher vor dem Hochwasser, und es werden  Flächen bebaut, die früher hochwassergefährdet waren.

2005 - Alpenhochwasser
Ein starkes Tief über der Adria (Tief Norbert, eine Vb-Wetterlage) führt zwischen dem 20. und 23. August 2005 große Wassermengen über Süddeutschland an die Alpen, wo sich die Wolken als starker Regen entladen, was zum Alpenhochwasser 2005 in den nördlichen Vor- und Zentralalpen führt. Große Landstriche werden bis September 2005 sechsmal überschwemmt.

2005 - Hochwasserschutz wird Landesentwicklungsziel
Mit dem Alpenhochwasser 2005 wird der Hochwasserschutz offiziell Teil der bayerischen Landesentwicklung. Neue Baugebiete in Überschwemmungsflächen werden nur noch unter strengen Auflagen genehmigt.

2009 - Wasserhaushaltsgesetz (WHG) des Bundes
Bundesweit wird geregelt: Was ist ein Überschwemmungsgebiet?, Wie erfolgt Raumordnung mit Hochwassergefahr? und Welche Bauverbote gelten?
Das bayerische Wassergesetz wird daraufhin angepasst.

Seit 2010 - Klimawandelanpassung
Aufgrund veränderter Wetterextreme beginnt Bayern: bestehende Schutzbauwerke zu ertüchtigen, Hochwasserrisikokarten für alle Gewässer zu erstellen und auch Starkregenereignisse in die Planung einzubeziehen

2013 - Hochwasser in Mitteleuropa
Der gesamte Frühling 2013 ist in Zentraleuropa verregnet, und er hat spät begonnen. Der Mai ist gebietsweise der niederschlagreichste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen; es gibt schon Anfang Mai Hochwasser.
Ein Tiefdruckkomplex (Christopher/Dominik) hat sich in der letzten Mai-Dekade über Mitteleuropa ausgebildet, unmittelbar gefolgt von Frederik/Günther im Rahmen eines abnormalen Mittelmeertiefs und in Kombination mit ausgeprägten Höhentiefkernen in den ersten Junitagen 2013.
Sehr feuchte Luft fließt in weitem Bogen über Schwarzes Meer und Zentralosteuropa von Nordosten nach Mitteleuropa.
Blockiert wird die Lage durch ein mächtiges Weißmeer-Hoch, das gleichzeitig in Nordskandinavien für eine Hitzewelle und Waldbrandwarnungen sorgt.
Enorme Niederschläge, örtlich bis zu 400 mm in vier Tagen, gibt es im Nordstau der Alpen. Die vollständig gesättigten Böden und die durchweg gefüllten Überflutungspuffer können kaum mehr Wasser aufnehmen.
Dämpfend wirkt sich nur die extrem niedrige Schneefallgrenze aus, die einen Gutteil der Niederschläge bindet.

2013 - Gewässeraktionsprogramm 2030 
Nach dem Hochwasser in Mitteleuropa wird das Aktionsprogramm 2020 zum nachhaltigen Hochwasserschutz erweitert: Flutpolder und Auenrenaturierung rücken in den Mittelpunkt.

2016 - Unwetter in Deutschland
Ab dem 28. Mai 2016 kommt es in Folge von Tiefdruckgebieten, in Deutschland als Elvira, Friederike und Gisela sowie als „Tief Mitteleuropa“ bezeichnet, zu schweren Unwettern mit Starkregen und Blitzeinschlägen, Überschwemmungen, Sturzflut, Schlammlawinen, Hagel, Windböen und Tornados.

seit 2021 - PRO Gewässer 2030 & Klimaanpassung 
Das Programm PRO Gewässer 2030 integriert Hochwasserschutz, Ökologie und Erholung nachhaltig bei Planung und Umsetzung.
Bayern setzt vermehrt auf hybrid: technische Schutzsysteme kombiniert mit natürlichen Rückhaltemaßnahmen (z.B. mobile Elemente, Staustufen, Flutpolder).

seit 2025 - Starkregenmanagement in Kommunen 
Erste Konzepte für Starkregenmanager werden umgesetzt, flächendeckende Umsetzung jedoch noch in frühen Stadien.

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