Im Atem der Reinigung
Am Rand der Stadt, wo die Wiesen langsam in das technische Herz der Zivilisation übergehen, liegt verborgen ein stiller Helfer: das Klärwerk von Dorfen. Es murmelt leise, fast andächtig, als würde es die Geheimnisse eines ganzen Lebens aufnehmen – Tag für Tag, Nacht für Nacht. Kein Ort des Lärms, kein Ort des Glanzes. Und doch ist es ein Ort des Wandels, der Reinigung, der leisen Hoffnung.
Hier, wo 1958 der erste Tropfen Abwasser seinen Weg ins Werk findet, schlägt heute ein kraftvoll erweitertes Herz: Von 15.000 auf 25.000 Einwohnergleichwerte wächst die Anlage, um die Menschen in Dorfen, Wasentegernbach und das Gewerbe in den Schutz eines sauberen Kreislaufs zu hüllen. Alles fließt – und alles wird verwandelt.
Ein Tanz der Elemente – die drei Reinigungsstufen
Das Wasser kommt an, müde, belastet vom Leben. In langen Kanälen strömt es heran, vorbei an Rechen, Trommelsieben und Mikrosieben, die erste grobe Geschichten entfernen: Laub, Stoff, Plastik, das, was wir achtlos fortspülen. Im Sandfang setzen sich Körnchen ab, schwer wie Schuld.
Dann beginnt im Belebungsbecken ein stilles Fest der Bakterien. Es ist ein Tanz des Lebens, der biologischen Umwandlung: Hier atmen Mikroorganismen in dichten Wolken, verwandeln Kot, Urin, Seifenreste in harmlose Substanzen – Wasser, Kohlendioxid, Stickstoffverbindungen. Mit jeder Minute wird das Wasser klarer, leichter, reiner.
In der dritten Stufe wird es noch feiner: Die chemische Fällung bindet Phosphor – ein stiller Stoff, der Flüsse düngt, Seen erstickt. Mit Eisen- oder Aluminiumsalzen wird er zum Schlamm, sinkt zu Boden – und das Wasser, es atmet auf.
Was fast kommt – die vierte Stufe
Noch ruht sie im Boden, vorbereitet, aber nicht geboren: die vierte Reinigungsstufe. Hier, eines Tages vielleicht, wird Aktivkohle feinste Rückstände binden: Hormone, Medikamente, Pestizide – die Spuren einer komplexen Welt. Vielleicht wird Ozon das Wasser durchdringen, vielleicht UV-Licht es erhellen. Noch ist es Vision, eine leise Möglichkeit – aber das Haus ist gebaut.
Der unvollendete Traum – der Faulturm
In einem Moment der Planung träumt die Stadt von einem Faulturm, der aus Schlamm Biogas macht, das wieder zu Licht und Reinigung wird. Ein Kreislauf wie aus der Natur selbst. Doch die Rechnung, so sagt man, geht nicht auf – und der Traum bleibt ein Gedanke. Noch.
Ein Ort zwischen Technik und Poesie
Das Klärwerk Dorfen ist kein schöner Ort im klassischen Sinn. Und doch: Es trägt Würde. Es ist ein Ort der Verantwortung, der Verwandlung und des stillen Dienstes. Jeder Tropfen, der hier ankommt, wird auf seine Weise erlöst – aus Trübung wird Klarheit, aus Belastung wird Leichtigkeit.
Und wenn man dort steht, im leichten Dunst über den Becken, mit Blick auf das klare Wasser, das weiterzieht in die Natur – dann spürt man: Hier, ganz ohne Pomp, geschieht jeden Tag etwas Wunderbares.
========================
„Kommen Sie mit? Schauen Sie es sich an – hier entlang!“
========================
300.000 v. Chr. - Keine Nestbeschmutzer
Kinder sind keine Nestbeschmutzer und möchten sich bereits ab der Geburt nicht beschmutzen. Dabei gibt das Kind durch verschiedene Signale zu verstehen, dass es ausscheiden muss, wird in die Abhalteposition gebracht und bekommt durch einen Signalton signalisiert, dass es mit der Ausscheidung beginnen kann.
6. Jahrhundert v. Chr. - Nachttopf
In Griechenland gibt es spätestens seit dem frühen 6.Jh. v.Chr. Kindersitze mit integriertem Nachttopf.
500 v. Chr. - Lederwindeln
Gerade in kälteren Umgebungen werden Kinder schon seit langer Zeit gewickelt, so sind die ältesten erhaltenen Lederwindeln von circa 500 v.Chr. Diese werden mit saugfähigem Moos oder getrocknetem Gras befüllt.
Babys beginnen oft erst mit der Ausscheidung, wenn die Windel entfernt wird.
Bis 19. Jahrhundert - Urinieren im Freien, Stuhlgang, Gemeinschaftssitze
Bis ins 19.Jh. ist es in westlichen Gesellschaften üblich, im Freien zu urinieren.
Im westlichen Kulturkreis hat sich eine stehende Körperhaltung für Männer und eine sitzende bzw. hockende für Frauen zum Urinieren als soziale Norm etabliert.
Zur Durchführung des Stuhlganges wird in Mitteleuropa sowohl bei Männern als auch bei Frauen dafür meistens eine sitzende bzw. hockende Körperhaltung eingenommen.
Bis 19. Jahrhundert - Gemeinschaftssitze
Auf dem Land gibt es innerhalb der Familie noch bis ins 19.Jh. Gemeinschaftssitze.
Ab 19. Jahrhundert - Sündhaftigkeit des Unterleibs, Toilette
Das Zusammenleben vieler Menschen auf engem städtischen Raum und der damit einhergehende erhöhte Hygienebedarf sowie der Wunsch nach Vermeidung von Geruchsbelästigung führen zu einer gesellschaftlichen Sanktionierung des öffentlichen Urinierens und zu einer zunehmenden Verlagerung der Abwicklung des „kleinen Geschäfts“ in eine öffentliche oder private Toilette.
Vielen Menschen ist es nun unangenehm oder gar unmöglich, in Gegenwart anderer Personen zu urinieren, vor allem durch die kirchlicherseits betonte Schamhaftigkeit und Sündhaftigkeit der Nacktheit des Unterleibs.
19. Jahrhundert - Toilette
Die Toilette (franz. toile ‚Tuch‘), das Klosett (kurz Klo), oder das Wasserklosett (Abk. WC) bezeichnet etwa seit dem 19. Jh. eine sanitäre Vorrichtung zur Aufnahme von Körperausscheidungen (insbesondere Kot und Urin) und deren Entsorgung mit Hilfe von Wasser.
19. Jahrhundert - Hinweisschild "00"
In Hotels im 19.Jh. liegen die Toilettenräume üblicherweise in der Nähe des Aufzugs oder des Treppenhauses und da dort meist die Nummerierung der Zimmer beginnt, tragen die Toilettenräume die Zimmernummer 0 oder auch zweistellig 00.
Diese Beschriftung wird für Hinweisschilder an Toiletten übernommen.
1818 - Bayerische Gemeindeordnung
Die Bayerische Gemeindeordnung von 1818 legt bereits allgemeine Grundsätze zur Verwaltung der Gemeinden fest, jedoch ohne detaillierte und spezifische Regelung zur Abwasserbeseitigung.
1850 - Kanalisation in München
Die ersten Kanalisationen entstehen in größeren Städten wie München ab etwa 1850.
1887 - Erste Kläranlage
Die erste Kläranlage auf dem europäischen Festland wird 1887 in Frankfurt-Niederrad in Betrieb genommen.
Bis 1950 - Jauche- und Versitzgruben oder Flüsse
In ländlichen Orten ist eine geordnete Abwasserentsorgung bis Mitte des 20.Jh. selten.
Man nutzt Jauche-, Versitzgruben oder führt Fäkalien und Abwasser direkt in Bäche, Flüsse ab.
20. Jahrhundert - Flächendeckende Kanalisation
Die Einführung der Kanalisation wird erst im 20.Jh. flächendeckend ausgebaut.
Um 1900 - Protzhäuser und Café Achteck
Um die Intimität zu wahren und andererseits die öffentliche Hygiene zu verbessern, werden um 1900 auf Initiative des Unternehmers Protz in den Straßen von Berlin öffentliche und absperrbare Toiletten eingerichtet.
Diese Örtlichkeiten bieten die Möglichkeit, den Stuhlgang im Notfall im öffentlichen Straßenraum zu verrichten, und ergänzen das Café Achteck, in dem nur das Urinieren möglich ist.
1939 - Novelle der Bayerischen Gemeindeordnung
Art. 24 Abs. 1 Nr. 2 der Bayerischen Gemeindeordnung von 1939 regelt die Pflicht der Gemeinden zur Schaffung und Unterhaltung öffentlicher Abwasseranlagen.
1954 - Kanalisation in Dorfen
Zur Zeit der Stadterhebung Dorfens fordert das Landesamt für Wasserversorgung und Wasserschutz den Bau einer großen Kläranlage und umfangreicher Kanalsysteme in Dorfen für die Sauberhaltung der Isen, da nur für den Stadtkern eine kleine Ringkanalisation, die unmittelbar in den Isenflutkanal eingeleitet wird, und für das Gebiet Lerchenhub (Breslauer Weg) ein Kanalstrang mit einer provisorischen Kläranlage besteht.
Sonst gibt es für jedes Haus eine eigene Abwassergrube (Schöpfgruben) in die aber nur die Toiletten münden, das Küchenwasser wird häufig direkt ins Freie entsorgt oder über einfache Rohrleitungen in vorhandene Gräben und damit in die stark verschmutzte Isen abgeführt.
Es dauert noch Jahrzehnte bis die Haushalte wenigstens in den Siedlungsschwerpunkten an die Kanalisation angeschlossen werden.
1957 - Bayerisches Wassergesetz
Die Einführung der Abwasserbeseitigungspflicht und der Bau von Kanalisationsanlagen für Gemeinden in Bayern wird mit der Novelle des Bayerischen Wassergesetzes (BayWG) von 1957 klarer definiert.
1958 - Bau einer Kläranlage in Dorfen
Die zunehmender Belastung des Abwassers durch das steigende Hygienebewußtsein wird nicht mehr hingenommen und von Amts wegen wird deshalb der Bau von großen Kläranlagen und umfangreichen Kanalsystemen angeordnet. Man ist sich der Bedeutung der geordneten Abwasserbehandlung für die Volksgesundheit und für die Sauberhaltung der Isen bewusst geworden.
1958 wird zunächst die mechanische Stufe einer Kläranlage nach den Plänen des Ingenieurbüros Schwarz aus Rott am Inn mit einer Pumpanlage, einem Rechen zur Aussortierung grober Schmutzanteile und einem Emscher-Becken zur mechanischen Reinigung des Abwassers gebaut.
In mehreren Bauabschnitten wird auch das Kanalnetz erweitert und die Häuser Zug um Zug angeschlossen. Die noch mehr oder weniger funktionierenden Altkanälen werden jedoch erst viel später saniert oder ersetzt.
1960er - Kommunale Förderprogramm für Abwasseranlagen
Das Kommunale Förderprogramm für Abwasseranlagen bietet finanzielle Anreize für Gemeinden, um ihre Abwassersysteme auszubauen oder zu modernisieren.
Zusätzlich hilft die Wasserwirtschaftsförderung Bayerns, die durch Zuschüsse und zinsgünstige Darlehen Gemeinden beim Bau von Kanälen, Pumpwerken und Kläranlagen unterstützt.
Ziel ist es, die Wasserqualität von Flüssen und Seen zu verbessern und hygienische Standards zu erhöhen.
1964 - Planung einer biologischen Ausbaustufe
Die Planung einer biologischen Ausbaustufe in Dorfen wird in einem Entwurf von 1964 überarbeitet und den geänderten Bevölkerungsverhältnissen angepasst.
1969 - Kanalisation
1969 wird der Kindergarten Pfiffikus in Dorfen an die Kanalisation angeschlossen.
1970er - Gemeinschaftsaufgabeprogramm Verbesserung der Agrarstruktur
In den 1970er- und 1980er kommt das „Gemeinschaftsaufgabeprogramm Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ (GAK), das speziell für kleinere Dörfer und landwirtschaftlich geprägte Gebiete Mittel bereitstellt.
Diese Programme führen dazu, dass bis Ende des 20.Jhs. nahezu alle bayerischen Gemeinden über eine funktionierende Kanalisation verfügen.
1970 - Anschluss Siedlung Oberdorfen an Kanalisation
In Oberdorfen wird von der Gemeinde Zeilhofen unter Bürgermeister Karl Huber Ende der 1960er eine umfangreiche neue Siedlung geplant. Die Genehmigung wird davon abhängig gemacht, dass die anfallenden Abwässer einer Kläranlage zugeführt werden.
1970 wird die Siedlung Oberdorfen über einen Sammelkanal an die Dorfener Anlage angebunden.
1972 - Vergrößerung der Kläranlage Dorfens
Durch die Erschließung neuer Baugebiete und die Eingliederung von Hausmehring 1972 wird eine Vergrößerung der Kläranlage notwendig, deren Kapazität nun auf 13.000 Einwohnergleichwerte (EWG) festgelegt wird.
1975 - Biologische Ausbaustufe der Kläranlage in Dorfen
Der Bau der biologischen Ausbaustufe, in der Bakterien unter Beigabe von Sauerstoff den im Abwasser enthaltenen Schmutz abbauen, so dass am Abfluss der Kläranlage ein bis zu 97% gereinigtes, also sehr sauberes Wasser in den Vorfluter abgegeben werden kann, geht 1975 in Betrieb.
1979/80 - Anschluss Dorfen-Süd an Kanalisation
Für den Anschluss von Dorfen-Süd, Hausmehring, Herzoggraben, Ruprechtsberg und Buchbacher Straße werden als 8 Millionen DM aufgebracht.
1981 - Erdklärbecken Eibach
In Eibach ist vor allem für das Pflegeheim Algasing eine Abwasserbehandlung dringend notwendig. So wird 1981 ein zentrales Erdklärbecken, in dem die Schmutzanteile durch Absetzen ausgeschieden werden, gebaut und das so vorgereinigte Wasser zur Nachklärung über den Algasinger Weiher ins Eibacher Bachl geleitet wird.
1989 bis 1991 - Bau der Abwasseranlage Schwindkirchen-Tegernbach-Grüntegernbach
1989 beginnt man mit den Bauarbeiten der Abwasseranlage Schwindkirchen-Tegernbach-Grüntegernbach mit Scheibentauchkörpern in Wasentegernbach. Die Gesamtkosten für Kläranlage, Rohrleitungen und Pumpstation belaufen sich auf 6.687.000 DM.
Die Kläranlage geht dann 1991 in Betrieb. Die Schmutzwässer aus den drei Orten werden nun dorthin transportiert.
1990er - Kanalisation für Oberdorfen
Das obere und das untere Dorf der Ortschaft Oberdorfen wird in den 1990er kanalisiert.
1991 - Anschluss von Kloster Moosen an die Kanalisation
Der Anschluss an die Kanalisation der Ortsteile Kloster Moosen und Kloster-Moosen-Siedlung erfolgt trotz einer Unterdyckerung des Isenflutkanals 1991.
1991 - Schönungsteich für Landersdorf
Für Landersdorf erfolgt eine vorübergehende Lösung der Abwasserbehandlung in Form eines Schönungsteiches.
Später werden Landersdorf, Zeilhofen, Unterseebach und Esterndorf an den zentralen Abwasserkanal in Oberdorfen angeschlossen.
In anderen kleinen Orten ist jedoch eine dezentrale Lösungen günstiger, bei der auch bestehende Hausklärgruben nachgerüstet werden müssen.
2000 - Anschluss Eibachs an die Kläranlage
Noch vor dem Bau des Radweges wird auf der Trasse der ehemaligen Veldener Bahn im Winter 2000/01 die Freispiegelleitung verlegt und der Anschluss der gesammelten Abwässer aus Eibach und Algasing in die Großkläranlage nach Dorfen hergestellt.
2004 - Abwasser-Konzept Dorfen
Im Abwasser-Konzept der Gemeinde Dorfen von 2004, geplante Kosten von 6 Millionen €, geht man daran für jede Ortschaft eine geordnete Abwasserbeseitigung zu schaffen.
2018 - Abwassermenge
Weltweit fallen mit Stand 2018 rund 1000 Kubikkilometer Abwasser an. Hiervon werden in den Industriestaaten ca. 70 % durch Kläranlagen gereinigt, in wenig entwickelten Staaten jedoch nur etwa 8 %.
Wenn man das gesamte Jahresabwasser gleichmäßig über Deutschland verteilen würde, entstünde eine Wasserhöhe von ca. 2,8 Metern auf der gesamten Fläche Deutschlands.
2019 - Zugang zu Toilettenanlagen
Weltweit haben etwa sechs von zehn Menschen (also 4,3 Milliarden) keinen Zugang zu hygienischen Sanitäranlagen.

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen