Dienstag, 27. Mai 2025

Versöhnungskirche Dorfen

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Die Versöhnungskirche in Dorfen erhebt sich schlicht und klar in der Altstadt. Ihr heller Turm mit dem goldenen Kreuz zeigt sich dem Ankommenden wie eine Hand, die zum Frieden einlädt. „Lasst euch versöhnen mit Gott“ – dieser Satz, über dem Eingang der Kirche in liebevoller Schrift gemalt, ist kein bloßes Zitat. Er ist das Herz dieser Kirche, ihr Atem, ihr Klang.

Im Jahr 1993 beginnt der Bau dieses besonderen Gotteshauses. Die Münchner Architekten Franz Lichtblau und Ludwig Bauer schaffen ein modernes Bauwerk mit einer leisen, warmen Sprache. Kein Prunk lenkt ab, keine Schwere drückt nieder. Alles ist auf das Wesentliche gerichtet: die Begegnung zwischen Mensch und Gott.

Der Kirchenraum ist lichtdurchflutet. Sanftes Tageslicht fällt durch die farbigen Glasmalereien, die der Künstler Hubert Distler aus Grafrath mit viel Feingefühl gestaltet hat. Seine Motive erzählen von Versöhnung – zwischen Himmel und Erde, zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Mensch und Mensch. Auch das große Fresko über dem Kircheneingang in der Brandstattgasse stammt von seiner Hand. Es begrüßt die Menschen mit einer zarten, fast schwebenden Bildsprache, die sich tief ins Herz senkt.

Im Innern der Kirche ruhen Altar, Taufbecken, Kanzel und das eindrucksvolle Altarwandkreuz „Agnus Dei“ – alle geschaffen von Hans Hahn aus Winkelhaid bei Nürnberg. Dieses Kreuz prägt den Raum. Es ist modern, schlicht und doch kraftvoll. Das „Lamm Gottes“ blickt nicht triumphierend, sondern verletzlich, wie ein Zeichen der göttlichen Nähe und des Trostes. Im Jahr 1995 wird das Kreuz durch das Bayerische Kultusministerium für seine künstlerische Tiefe ausgezeichnet.

An der Orgelempore wacht ein Pelikan – nicht nur als uraltes Christussymbol, sondern auch als Erinnerung an Christoph Vogel, jenen evangelischen Pfarrer, der 1554 in Dorfen geboren wurde. Er war Kartograph in der Pfalz-Neuburg und erhielt ein Wappen mit eben jenem Pelikan, der sich der Legende nach die Brust aufreißt, um seine Jungen mit eigenem Blut zu nähren – ein Zeichen für selbstlose Liebe und Hingabe.

Die Einweihung der Versöhnungskirche erfolgt am 26. November 1994 durch Oberkirchenrat Gotthard Preiser aus Regensburg. Es ist ein Tag der Freude und des Aufbruchs. Die evangelische Gemeinde von Dorfen hat endlich einen eigenen geistlichen Mittelpunkt, einen Raum der Stille, des Gesprächs, des Gebets.

Im ersten Stock des Turms befindet sich eine kleine Kapelle. Sie ist schlicht und voller Erinnerung. Hier stehen das große Altarkruzifix, die Bibel, Altarleuchter sowie das Abendmahls- und Taufgeschirr des Evangelischen Vereins von 1917 – stille Zeugen eines langen Weges evangelischen Lebens in einer traditionell katholischen Stadt.

Mit dem Umzug in die neue Kirche verliert die Sebastianskirche ihre Funktion als Gottesdienstort für die Evangelischen. Sie wird nun für kulturelle Veranstaltungen genutzt – ein Wandel, der Frieden bringt, statt Trennung.

Die Versöhnungskirche ist mehr als nur ein Gebäude. Sie ist ein Zeichen. Ihr Name ist ein Auftrag. Und wer ihren Raum betritt, spürt: Hier ist ein Ort, an dem Herzen leichter werden dürfen – berührt von Stille, von Kunst, von Gottes Gegenwart.

Doch hinter diesem stillen Leuchten stehen auch Menschen, Wege und Entscheidungen. Die Geschichte der Evangelischen Kirche in Dorfen ist eine Geschichte des Werdens – geprägt von Vertrauen, Wandel und beharrlichem Aufbau.
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„Kommen Sie mit? Schauen Sie es sich an – hier entlang!“
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1555 -  Augsburger Reichs- und Religionsfrieden
1555 wird der "Augsburger Religionsfriede" geschlossen. Sein Grundsatz "cuius regio, eius religio" - der Landesherr bestimmt über die Konfession seiner Untertanen - macht im katholischen Kurfürstentum Bayern Evangelische zu Verfolgten und Vertriebenen.
Mit dem Augsburger Friedenswerk werden durch reichsrechtliche Beschlüsse die grundlegenden Bedingungen für eine friedliche und dauerhafte Koexistenz von Luthertum, den Anhängern der Confessio Augustana, und Katholizismus im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation festgesetzt.
Außerdem verdrängt der Augsburger Reichs- und Religionsfrieden die Idee des universalen christlichen Kaisertums, wobei die Vorstellung einer späteren Wiedervereinigung der beiden Konfessionen nicht ausgeschlossen wird.
Der Augsburger Religionsfrieden ist vorläufiger Abschluss des Reformationszeitalters in Deutschland, das 1517 durch Martin Luther initiiert worden war, trägt jedoch durch Unklarheiten, Widersprüche und Komplikationen zur Vergrößerung des konfessionellen Konfliktpotenzials bei, das 1618 gemeinsam mit den latenten politischen Ursachen zum Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges führt.

Nach 1554 - Vertreibung aus Dorfen
Christoph Vogel, Vater des 1554 geborenen Pfarrer Christoph Vogel, Dorfener Bürger und Kämmerer des Grafen Ladislaus von Haag, wird wegen seines Engagements für die Evangelische Sache in der Grafschaft aber auch in dem zum Herzogtum Bayern gehörenden Dorfen, in München unter Folter verhört und schließlich mit seiner Familie aus seiner Dorfener Heimat vertrieben.

1799 - Evangelischer Gottesdienst im Schloss Nymphenburg
Ludwig Friedrich Schmidt, „Kabinettsprediger“ und Seelsorger der Kurfürstin von Bayern, Friederike Karoline Wilhelmine, hält 1799 im Schloss Nymphenburg bei München den ersten evangelischen, nicht öffentlichen Gottesdienst seit der Reformation im bisher rein katholischen Altbayern ab.
Ab 1800 wird der evangelische Gottesdienst in die Hofkirche der Münchener Residenz verlegt und zu einer regelmäßigen Einrichtung, an der auch das Volk teilnehmen darf.

1801 - Weinwirt Michel
Maximilian IV. Joseph, Herzog und Kurfürst von Kurpfalz-Bayern, erlässt im Jahre 1800 in Amberg eine neue Verordnung, die auch Nicht-Katholiken den dauerhaften Aufenthalt in Bayern gestattet.
Der Pfälzer Weinwirt und Kaufmann Johann Balthasar Michel erreicht 1801 als erster Nicht-Katholik die Aufnahme in die Münchner Bürgerschaft und siedelt sich in der Hauptstadt an.

1803 - Bayerisches Religionsedikt
1803 wird in Bayern ein „Edikt über die Religionsfreiheit in Franken und Schwaben“ erlassen, das die drei im Westfälischen Frieden von 1648 reichsrechtlich anerkannten christlichen Konfessionen (römisch-katholisch, lutherisch und reformiert) vollkommen gleichberechtigt. Damit ist die Möglichkeit geschaffen, in Bayern auch evangelische Gemeinden zu bilden.

1808 - Organisches Edikt
Als zwischen 1806 und 1810 das Königreich Bayern um zahlreiche Herrschaftsgebiete auf seine heutige Ausdehnung erweitert wird, gibt es fortan innerhalb des Landes auch viele evangelische Gebiete; vor allem sind die Markgraftümer und Freie Reichsstädte wie Nürnberg, Memmingen, Kempten, Weißenburg und Windsheim evangelisch.
Alle protestantischen Gemeinden des Königreichs werden 1808 durch das "Organische Edikt" unter Führung eines katholischen Vorstandes zu einer Kirche vereinigt.
Mit dem Generalkonsistorium entsteht für die „Protestantische Gesamtgemeinde“ zum ersten Mal ein zentrales Leitungsorgan.
Im Jahr 1809 wird die Konsistorialordnung festgeschrieben – der Beginn der verfassten Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern.

1818 - Bayerische Verfassung
Die Verfassung von 1818 sichert allen drei Religionsgemeinschaften in Bayern die volle Gewissensfreiheit, die freie Hausandacht und die jeweils gleichen bürgerlichen und politischen Rechte zu.
Lutheraner und Reformierte sind nach wie vor zu einer „Protestantischen Gesamtgemeinde im Königreich Bayern“ zusammengeschlossen, jedoch erfolgt die Leitung dieser Gemeinde nunmehr durch das „Oberkonsistorium“, eine selbständige, mit evangelischen Juristen und Theologen besetzte Zentralbehörde unterhalb des Innenministeriums.

1822 - Karolinenkirche
In Großkarolinenfeld im oberbayerischen Landkreis Rosenheim errichten Reformierten und Lutheranern 1822 die erste evangelische Kirche Oberbayerns. Sie wird zu Ehren der amtierenden Königin Karoline von Bayern "Karolinenkirche" benannt.

1830 bis 1845 - Kniebeuge-Affäre
Ludwig I. ordnet um 1830 die Wiedereinführung des 1803 abgeschafften Kniebeuge für alle Soldaten an, vor einem katholischen Priester, der eine geweihte Hostie mit sich führt, zur Begrüßung in die Knie zu gehen.
Die protestantischen Soldaten wollen sich keineswegs hinknien; sie verstehen das Niederknien als Verehrung für einen katholischen Pfarrer und lehnen dies aus konfessionellen Gründen ab.
Der König weigert sich jahrelang, seinen Befehl wieder zurückzunehmen. Erst 1845 gibt er nach.

1834 - Einführung von Kirchenverwaltungen
Das Gemeindeedikt von 1834 räumt die Einführung von Kirchenverwaltungen ein: die Kirchengemeinden wirken nun bei der Verwaltung des ortskirchlichen Vermögens, dazu zählen vor allem die Pfarrkirche und das Pfarrhaus, mit.
Das neue Gremium setzt sich aus dem Pfarrer als Vorsitzendem, einem Vertreter der (politischen) Gemeindeverwaltung und Vertretern der Eingepfarrten zusammen.

1844 - Agende für christliche Gemeinden des lutherischen Bekenntnisses
Aus dem gottesdienstlichen Leben von Neuendettelsau unter Regie Wilhelm Löhes erwächst die „Agende für christliche Gemeinden des lutherischen Bekenntnisses“, eine neue Ordnung für den Gottesdienst, die 1844 erstmalig erscheint.
Der Titel „evangelisch-lutherisch“, mit dem sich die evangelische Kirche in Bayern bis heute präsentiert, wird auf Löhe zurückgeführt.

1854 - Diakonissenanstalt Neuendettelsau
1854 gründet Wilhelm Löhe im Gasthaus ,Zur Sonne‘ in Neuendettelsau ein evangelisches Diakonissenhaus. Frauen erhalten dort eine Ausbildung zur Diakonisse, um anschließend in ihren Gemeinden zu helfen.
Die Diakonie Neuendettelsau entwickelt sich zu einer der größten unabhängigen diakonischen Träger in Deutschland, die größte in Bayern und das größte Werk kirchlicher Sozialarbeit im süddeutschen Raum.

1858 - Amalie Rehm
Amalie Rehm wird 1858 zur ersten Oberin der 1854 eröffneten Diakonissenanstalt Neuendettelsau eingesegnet. Zusammen mit Wilhelm Löhe und später mit dessen Nachfolger Friedrich Meyer leitet sie den Aufbau der Diakonissenschule.

1895 - Die fleißigen Rummelsberger
Die Diakonenanstalt in Nürnberg, die 1889 vom Landesverein für Innere Mission gegründet worden war, erwirbt 1895 das Gut „Rummelsberg“ in der Gemeinde Schwarzenbruck und zieht 1905 dorthin um.
Ihre erfolgreiche Entwicklung beginnt jedoch erst nach dem Ersten Weltkrieg und seit dieser Zeit sind die sozial Engagierten als „fleißige Rummelsberger“ bekannt.

1910 - Nürnberger Kirchenstreit
Hermann Bezzel, Präsidenten des Oberkonsistoriums der bayerischen Landeskirche in München, beklagt in seinem Hirtenbrief, dass zu viele moderne Denkweisen die Stabilität der Kirche erschüttern und den Glauben an Gott stören.
Rittelmeyer und Geyer wenden sich gegen Bezzels Forderungen durch einen öffentlichen Brief im „Korrespondenzblatt für die evangelisch-lutherischen Geistlichen in Bayern“.
Bezzels Hirtenbrief sorgt für soviel Unruhe, dass der Bayreuther Oberbürgermeister Leopold Casselmann ihn tadelt und auffordert, in Zukunft von solchen Äußerungen abzusehen.

1911 - Kirchengemeindeordnung
Durch die 1911 verabschiedete Kirchengemeindeordnung (KGO) erhalten Kirchengemeinden den Status einer Körperschaft und sind fortan eigene Rechtspersönlichkeiten im Gefüge der staatlichen Rechtsordnung.
Sie sind ab sofort rechtsfähig und können z.B. Eigentum gewinnen, Verträge schließen, Prozesse führen.
Eigene Entscheidungen in Bezug auf das Leben und die Mitglieder in ihrer Gemeinde liegen in ihrem Kompetenzbereich, wobei keine vorgesetzte Stelle sie lenkt, bestimmt oder beeinflusst.

1917 - Evangelische Verein Dorfen und Umgebung e.V.
Neues Evangelisches Leben ist in Dorfen erst wieder ab 1917 möglich, nachdem am 18. November 1917 auf Initiative des Dorfener Uhrmachermeisters J.G.O. Niedermayer der „Evangelische Verein Dorfen und Umgebung e.V.“ in der Gaststätte „Eigner Bot“ geründet wird, um die Protestanten zu sammeln und die Abhaltung evangelischer Gottesdienste in Dorfen zu ermöglichen.

1917 - Ablassung des Sitzungs­saales zu evangelischen Gottes­diensten
In den Akten des Rathauses von 1917 gibt es ein Schreiben vom Magistrat des Marktes:
Im Betreff heißt es: Ablassung des Sitzungs­saales zu evangelischen Gottes­diensten.
Es geht um einen Antrag des protestanti­schen Pfarramtes Feldkirchen.
Bürgermeister Jakob Wilm beantwortet ihn mit Hinweis auf einen Magistrats­be­schluss wie folgt: „….die Gemeinde kommt selbstverständ­lich dem Pfarramt in jeder Weise entgegen und stellt den Saal zur Verfügung“, für die Abhaltung von Gottesdiensten des protestantischen Vereins Dorfen.

1920 - Verfassung der ELKB
Infolge der Trennung von Kirche und Staat gibt sich die Evangelisch- Lutherische Kirche in Bayern 1920 ihre erste eigenständige Kirchenverfassung.
Die neue Verfassung ist die notwendige Antwort auf die Beseitigung des landesherrlichen Kirchenregiments und bildet die Rechtsgrundlage des Weges in die neu gewonnene, noch ungewohnte Unabhängigkeit.
Die bayerische Kirche übernimmt den Titel Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern.

1923 - Teilnahme von Frauen am kirchlichen Examen
Ab 1923 nehmen bayerische Theologinnen erstmals an kirchlichen Examina an den Universitäten teil. Doch noch akzeptiert die evangelische Landeskirche in Bayern keine Frauen im Pfarramt. Die ersten bayerischen Theologinnen arbeiten daher vor allem als Religionslehrerinnen an Schulen.

1934 - Barmer Bekenntnis
Die „Bekennende Kirche“, gegründet 1934, ist eine Bewegung evangelischer Christen gegen die Versuche der Gleichschaltung von Lehre und Organisation der Deutschen Evangelischen Kirche mit dem Nationalsozialismus.
Die Bekennende Kirche schafft es, einen guten Teil der Evangelischen Kirche in Deutschland vor der totalen Vereinnahmung durch die Nazis zu bewahren. Somit trägt sie wesentlich zum Scheitern der NS-Kirchenpolitik bei.

1935 - Kirchen-Kampf für die Frau
Die Theologin Liesel Bruckner gründet 1935 den „Bayerischen Theologinnenkonvent“ in Nürnberg. Der Konvent soll die Theologinnen Bayerns zusammenführen und das Wir-Gefühl der  Frauen stärken.
Als Reaktion lehnt der bayerische Landeskirchenrat die Zulassung von Theologinnen zu kirchlichen Prüfungen ab.

1943 - Osterdenkschrift Lempp-Kreis
Im Jahr 1943 verfasst der Lempp-Kreis die „Osterdenkschrift Münchner Laien“. Die Verfasser werfen den Kirchen eine ignorante Haltung gegenüber den Judenverfolgungen vor und erklärten dies für untragbar.

1944 - Vikarinnengesetz
1944 wird in Bayern das „Vikarinnengesetz“ erlassen, das die Stellung der bayerischen Theologinnen etwas aufwertete: Theologinnen dürfen nun das Wort Gottes in Kindergottesdiensten verkünden, Frauen und Kindern Bibelstunden sowie Religionsunterricht an Schulen erteilen.
Noch immer aber erhalten sie keine Ordination, die es ihnen erlaubt, innerhalb der Kirche das geistliche Amt, also die Verkündigung des Wortes und Verwaltung der Sakramente, voll auszuführen.

Ab 1945 - Sebastianskirche
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kommen viele evangelische Flüchtlinge und
Heimatvertriebene nach Dorfen und Umgebung.
Den evangelischen Christen Dorfens dient die Sebastianskirche als Gottesdienstraum.

1956 - Johanneskirche in Taufkirchen/Vils
Als Grundriss der Johanneskirche wird ein Quadrat mit 12 Metern Seitenlänge festgelegt. Der Architekt Olaf Gulbransson rückt den höchsten Punkt des Daches der Kirche aus dem Zentrum in die Ecke über den Altar. Es entsteht die Zelt-Form, die Stiftshütte, ein Ort der Anbetung des wandernden Gottesvolkes zur Zeit des Alten Testaments.
Vor dem Altar an der Kreuzstelle von den beiden Portalen steht der Taufstein, der an Jesu
Taufe durch Johannes den Täufer erinnert.
Am 24. Juni 1956 – am Johannestag – wird die Johanneskirche in einem Gottesdienst durch Oberkirchenrat Koller eingeweiht. Ortspfarrer ist Christian Ordnung.
Im Grundstein der Johanneskirche steht das Wort: „Gehet hin in alle Welt und predigt das
Evangelium aller Kreatur. Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden: Wer aber
nicht glaubt, der wird verdammt werden.“

1958 - Frauen in der Synode zugelassen
Ab dem Jahr 1958 können Frauen als Vertreterinnen des Kirchenvolks in die Synode gewählt werden. Dies ist ein wichtiger Schritt innerhalb des seit Jahren währenden Kampfes der bayerischen Theologinnen, um volle Gleichberechtigung im kirchlichen Leben.

1969/70 - Restaurierung der Sebastianskirche

1969 - Erlanger Fakultätsgutachten
Im Jahr 1969 können die bayerischen Theologinnen einen kleinen Fortschritt im Kampf um ihren Platz in der Kirche verzeichnen: Nach dem „Erlanger Fakultätsgutachten“ ist die Frauenordination aus theologischer Hinsicht zulässig.
Praktisch wird diese Erkenntnis aber noch nicht umgesetzt, da Gegner noch immer eine „Überforderung der Frau“ und einen „Rückschritt für die Ökumene“ befürchten.

1975 - Pfarrergesetz
Bei der Herbstsynode im Jahr 1975 wird ein Gesetz verabschiedet, das bayerischen Theologinnen sämtliche Rechte nach dem Pfarrergesetz einräumt. Sie haben nun das Recht, die Ordination zu erhalten. So sind sie in der Lage, als Pfarrerin zu arbeiten.
Bis Ende 1976 werden 14 bayerische Theologinnen ordiniert.

1981 - Gemeindezentrum
Im Jahr 1981 wird das Volksbankgebäude, vormals Bäckerei Reisinger, am Rathausplatz zum Evangelischen Gemeindezentrum umgebaut. Es erhält dabei wieder seine ursprüngliche Fassade und wird deshalb 2006 mit dem Fassadenpreis des Landkreises Erding ausgezeichnet.

1993 bis 1994 - Versöhnungskirche
1993 ist Baubeginn der Versöhnungskirche unter den Architekten Franz Lichtblau und Ludwig Bauer, München.
Der Künstler Hans Hahn aus Winkelhaid bei Nürnberg erschafft den Altar, das Taufbecken, die Kanzel und das den Kirchenraum prägende moderne Altarwandkreuz „Agnus Dei“, das 1995 durch das bayerische Kultusministerium prämiert wird.
Der Graphiker und Kirchenmaler Hubert Distler aus Grafrath gestaltet unter Bezug auf das Thema „Versöhnung mit Gott und den Menschen“ die Glasmalereien und das Fresko über dem Kircheneingang in der Brandstattgasse.
Das Christussymbol des Pelikans an der Orgelempore nimmt Bezug auf den 1554 in Dorfen geborenen evangelischen Pfarrer Christoph Vogel, dem für seine außerordentlichen Verdienste als Kartograph in der Pfalz-Neuburg vom Pfalzgrafen ein Wappen mit dem sich für seine Jungen aufopfernden Pelikan verliehen wird.
Der Name „Versöhnungskirche“ ist Programm, dem die Epistel für den Karfreitag aus dem 2. Brief des Apostels Paulus an die Korinther (Kapitel 5, Verse 17-20) mit dem Motto „Lasst Euch versöhnen mit Gott“ zugrunde liegt.
Einweihung der Versöhnungskirche erfolgt am 26. November 1994 durch Kreisdekan Oberkirchenrat Gotthard Preiser aus Regensburg.
In der Turmkapelle im 1. Stock der Versöhnungskirche steht das große Altarkruzifix sowie Bibel, Altarleuchter, Abendmahl- und Taufgeschirr des Evangelischen Vereins von 1917.
Nach dem Umzug der Evangelischen in die Versöhnungskirche wird die Sebastianskirche nur noch für kulturelle Veranstaltungen genutzt.

1999 - Ökumenische Bewegung
Die „Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre“ von 1999 ist ein zentrales Dokument der Ökumenischen Bewegung, das einen Konsens über Grundwahrheiten der Rechtfertigung „allein aus Gnade“ zwischen dem Lutherischen Weltbund (LWB), der römisch-katholischen Kirche und dem Weltrat methodistischer Kirchen ausdrückt.

2000 - Susanne Breit-Keßler wird bayerische Regionalbischöfin
Susanne Breit-Keßler, die als Oberkirchenrätin der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern im Kirchenkreis München und Oberbayern fungiert, ist die erste Frau, die in Bayern ein Amt als Oberkirchenrätin und Regionalbischöfin ausübt.

2022 - Evangelische
Im Jahr 2022 leben in Dorfen 1.057 evangelische Christen (etwa 7,2 % der Bevölkerung) und 8.154 Katholiken (etwa 55,7 %). Rund 37 % der Einwohner gehören keiner oder einer anderen Religion an.

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