Dienstag, 27. Mai 2025

Heimatmuseum in der Fronfeste

📖 Lesezeit: ca. 7 Minuten
Das Heimatmuseum Dorfen ist nicht nur ein Ort, an dem Geschichte lebendig wird, sondern ein Fenster, das den Besucher in die Vergangenheit öffnet und ihn in eine Welt entführt, die längst vergessen geglaubt war. Im ehrwürdigen Gebäude des ehemaligen königlich bayerischen Amtsgerichtsgefängnisses von 1857, das heute an der Herzoggrabenstraße 10 steht, verschmelzen die Zeiten zu einer spürbaren Gegenwart. Über die Jahrzehnte hinweg hat sich dieses Gebäude mehrfach gewandelt – nach der Zeit als Justizgebäude wurde es von einem Fernmelde-Bautrupp der Bundespost von 1958 bis 1981 genutzt.
Doch erst 2004, nach jahrzehntelangem Bemühen des Heimat- und Verschönerungsvereins, konnte die Vision eines Heimatmuseums verwirklicht werden. Der Historische Kreis Dorfen, 1998 gegründet, erhielt damals den Dachboden des Hauses und präsentierte im Jahr 2004 seine erste Ausstellung zu „Wohnen – Schule – Handwerk“ in der Nachkriegszeit.

Das Museum ist ein lebendiges Zeugnis der Geschichte Dorfens, und es ist ein Ort, der von ehrenamtlichen Helfern lebt. Wer sich für die Museumsaufsicht an einem der zehn Marktsonntage im Jahr engagiert, wird zum Hüter dieses Wissens und trägt dazu bei, dass die Geschichten der Stadt nicht in Vergessenheit geraten. Denn an diesen Sonntagen von 14 bis 16 Uhr öffnet sich das Museum für all jene, die bereit sind, in die Vergangenheit einzutauchen.

Der Besucher wird beim Betreten des Museums von einem Gefühl der Ruhe und Besinnung erfasst. Schon im Erdgeschoss empfängt die Geschichte Dorfens mit Tafeln, die die Entwicklung der Stadt und eine alte Karte zeigen. Ein Raum widmet sich der Vor- und Frühgeschichte und weckt den Eindruck, dass die Vergangenheit in den Funden aus der Mittelsteinzeit, insbesondere den Relikten vom Höning, lebendig wird.

Der Raum, der die Dorfener Wallfahrt thematisiert, entführt die Besucher in die Zeit des 18. Jahrhunderts, als Pilger und hochrangige Persönlichkeiten wie der bayerische Kurfürst Max Emanuel und der Freisinger Fürstbischof Johann Franz Eckher von Kapfing nach Dorfen kamen. In der Erzählung dieser Wallfahrt werden das geistliche Leben und die tief verwurzelte Religiosität spürbar, die Dorfen zu einem bedeutenden Wallfahrtsort machten.

Die Erinnerungen an die bedeutenden Dorfener Autoren Josef Martin Bauer und Rudolf Kirmeyer sowie den Heimatforscher Pfarrer Josef Gammel erzählen von der Verbundenheit dieser Männer zu ihrer Heimat. Ihre Werke und Forschungen sind der lebendige Beweis für die tief verwurzelte Liebe zur Stadt und deren Geschichte.

Der Treppenaufgang führt die Besucher weiter in das Obergeschoss, wo der Gedenkraum der Soldaten-, Reservisten- und Veteranenkameradschaft Dorfen 1832 e.V. die Geschichte von Opferbereitschaft und Patriotismus lebendig hält. Besonders beeindruckend ist die Präsentation von drei alten Fahnen, die älteste von 1839.

Ein weiterer Höhepunkt im Obergeschoss sind die beiden Bauernzimmer, die ein Stück vergangener ländlicher Wohnkultur zeigen. Hier fühlt man sich fast wie ein Zeitzeuge, der in die warme Atmosphäre eines bäuerlichen Zuhauses eintaucht, das aus der Hand eines Bauern aus Eglafing bei Dorfen Ende des 19. Jahrhunderts entstanden ist.

Ein ganz besonderer Raum des Museums ist der Bereich, der an die Kirchengeschichte Dorfens erinnert, und an das Gymnasium Dorfen, das mit einer bemerkenswerten Projektarbeit die religiösen Traditionen der Region lebendig hält.

Das Dachgeschoss des Museums spiegelt schließlich das Leben in Dorfen in den 1950er Jahren wider, als die Stadt zur Stadt erhoben wurde. In diesem Raum fühlt man sich in die Nachkriegszeit versetzt, als eine Wohnküche, ein Klassenraum und verschiedene Werkstätten aus Leder, Holz und Eisen die Entwicklung der Stadt und das Handwerk dieser Zeit zeigen.

Das Heimatmuseum Dorfen ist jedoch nicht nur ein Ort für Exponate, sondern auch ein Ort der Sammlung und Bewahrung von Erinnerungen. Besonders wertvoll sind Exponate mit Bezug zu Dorfen – sei es Maschinen, Werkzeuge, Einrichtungsgegenstände oder Fotografien. Wenn Sie also auf „alten Krempel“ stoßen, der noch eine Geschichte zu erzählen hat, können Sie ihn dem Historischen Kreis Dorfen überlassen und einen wertvollen Beitrag zur Erhaltung der Heimatgeschichte leisten.

Das Museum lebt durch seine Besucher, durch die ehrenamtliche Hilfe und durch die unermüdliche Arbeit des Historischen Kreises Dorfen, der mit viel Hingabe das kulturelle Erbe bewahrt. Wer sich in dieser Atmosphäre bewegt, wird feststellen, dass Geschichte nicht nur in Staub und alten Relikten lebt, sondern in den Herzen derer, die bereit sind, sie weiterzugeben.
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„Kommen Sie mit? Schauen Sie es sich an – hier entlang!“
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1857 - Bau der Fronfeste
Im Juni 1857 erfolgt die Ausschreibung der Arbeiten zum Amtsgerichtsgebäude und der Fronfeste in Dorfen im Erdinger Wochenblatt.
Für das Gerichtsgefängnis, die Fronfeste, wird ein Bauplatz außerhalb des Haager Tores an der Allee neben dem Herzoggraben erworben, und die Aufführung dieses Gebäudes wird auf 11 400 fl veranschlagt.
Noch vor Wintereinbruch können die Bauten unter Dach gebracht werden.

1958 bis 1981 - Fernmelde-Bautrupp
Nutzer des Hauses ist nach der Justiz ein Fernmelde-Bautrupp der Bundespost, der dort von 1958 bis 1981 untergebracht ist.

1979 - Idee eines Heimatmuseums
Die Idee eines Heimatmuseums ist schon früher geboren und wird immer wieder durch den Heimat- und Verschönerungsverein propagiert, zuletzt 1979. Doch es scheitert stets an geeigneten Räumen.

2004 - Ausstellung auf dem Dachboden
Der Historische Kreis Dorfen wird 1998 gegründet und erhält 2004 den Dachboden des alten Amtsgerichtsgefängnisses am Herzoggraben zur Verfügung gestellt.
Die erste Ausstellung wird schließlich am 24. Juli 2004 eröffnet. Der Historische Kreis präsentiert im Dachgeschoss eine mühevoll erarbeitete Ausstellung "Wohnen – Schule – Handwerk" in der Nachkriegszeit.

Nach 2004 - Das ganze Haus dem Historischen Kreis
Die Vereine und Gruppen, die die Räume in den unteren Geschossen nutzen, ziehen nach und nach aus. Der Historische Verein kann schließlich das ganze Haus über 3 Etagen mit insgesamt etwa 200 m² Ausstellungsfläche nutzen.

2014 - Wohn- und Schlafzimmer
Herzstück der Sammlung wird das Wohn- und Schlafzimmer der 2014 verstorbenen Dorfenerin Ursula Zistler, das ihre Familie dem Historischen Kreis dauerhaft überlässt.

2024 - 20-jähriges Jubiläum
Zufrieden über das bisher Erreichte begeht der Historische Kreis 2024 das 20-jährige Jubiläum . Langfristig strebt der Verein jedoch die Umsetzung eines neuen, größeren Heimatmuseums an, das sich dann auch nach modernen Kriterien der Museologie gestalten ließe.

2025 - Bürgermedaille
In Anerkennung an sein Wirken für seine Heimatstadt wird Franz Streibl die Bürgermedaille der Stadt Dorfen verliehen. Er ist Gründungsmitglied des Historischen Kreises und ist maßgeblich am Auf- und Ausbau des Heimatmuseums Dorfen beteiligt.

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