Die Geburt der Dorfener Wallfahrt
Die Dorfener Wallfahrt beginnt im Jahr 1368 mit der Gründung der Allerseelenbruderschaft. Zu dieser Zeit ist das Leben in Dorfen, wie in vielen anderen bayerischen Dörfern, von der tief verwurzelten Religion geprägt. Gläubige suchen in Bruderschaften Schutz und Gemeinschaft, aber auch ein Forum für ihre religiösen und weltlichen Anliegen. Die Allerseelenbruderschaft hat sich der Fürbitte für die Seelen der Verstorbenen verschrieben. Durch das Gebet für die Verstorbenen hofft man, den Aufenthalt der Seelen im Fegefeuer zu verkürzen und sie in den Himmel zu begleiten.
Im Laufe der Jahre erfährt diese Bruderschaft eine zunehmende Bedeutung, vor allem durch die Verehrung der Gottesmutter Maria. Sie gilt als Fürsprecherin der Menschen vor Gott und ist ein zentraler Bestandteil des Glaubenslebens in Dorfen. Dies führt dazu, dass die ersten Wallfahrten zur Muttergottes von Dorfen beginnen, die als wundertätig verehrt wird. Pilger aus der Umgebung kommen nach Dorfen, um ihre Bitten und Anliegen vor Maria zu bringen.
Schon im 15. Jahrhundert zieht das Bild der Muttergottes Pilger aus ganz Bayern und darüber hinaus an. Die Dorfgemeinschaft erlebt einen religiösen Aufschwung, der nicht nur spirituelle Bedeutung hat, sondern auch die kulturelle Identität Dorfens stärkt. Der Ursprung dieser Wallfahrt lässt sich als eine Mischung aus persönlichem Glauben, dem Bedürfnis nach Gemeinschaft und der Hoffnung auf Heilung und Erlösung verstehen.
Der steinerne Weg zum Heiligen
Der „Berg von Maria Dorfen“ ist eine einzigartige geographische und religiöse Besonderheit der Wallfahrt. Es handelt sich dabei nicht um einen hohen Gipfel, sondern um einen steilen Aufstieg zu einer Wallfahrtskirche, der den Pilgern als geistiger und körperlicher Prüfstein dient. Die 150 steilen Treppenstufen, die als „Stepfen“ bekannt werden, führen hinauf zur Wallfahrtskirche. Dieser beschwerliche Aufstieg ist mehr als nur ein physischer Weg, sondern auch ein symbolischer Akt: Jede Stufe steht für eine der Rosenkranz-Strophen, die die Pilger auf ihrem Weg beten.
Der Aufstieg ist eine Art Reise in den Himmel, bei der sich der Pilger durch Gebet und Buße von seinen irdischen Lasten befreit. Es ist eine schmerzliche, aber auch heilige Erfahrung, die den Pilger näher zu Gott bringen soll. Diese Form der körperlichen Herausforderung wird als eine Art spirituelle Reinigung verstanden. Die Pilger erwarten nicht nur eine Heilung oder die Erhörung ihrer Gebete, sondern auch eine tiefere innere Einkehr und Versöhnung mit Gott.
Der Berg von Maria Dorfen spielt eine zentrale Rolle in der religiösen Landschaft der Region und ist sowohl ein spirituelles als auch ein touristisches Ziel. Selbst im 19. Jahrhundert, als die Wallfahrt durch die Säkularisation und die Veränderungen in der Gesellschaft bedroht ist, gilt der „Berg“ weiterhin als bedeutender Ort des Gebets und der Besinnung.
Vom mittelalterlichen Glauben zur barocken Blüte
Nachdem die Dorfener Wallfahrt ihren Ursprung im Mittelalter findet, nimmt sie im 16. und 17. Jahrhundert eine neue Dimension an. Die zunehmende Verehrung der Muttergottes von Dorfen führt zur Errichtung eines größeren Gotteshauses, einer gotischen Kirche, die den Pilgern Schutz und spirituelle Nahrung bietet. Mit der Zeit gewinnt die Wallfahrt an Bedeutung, und immer mehr Pilger strömen nach Dorfen.
Die Wallfahrt erhält in dieser Zeit eine politische und soziale Dimension. Die bayerischen Herrscher, die katholischen Kurfürsten wie Maximilian II. Emanuel, fördern die Wallfahrt aus religiösen und politischen Gründen. In einer Zeit, in der der Katholizismus in Deutschland mit der Reformation und dem Dreißigjährigen Krieg unter Druck gerät, ist die Wallfahrt nach Dorfen ein starkes Symbol des katholischen Glaubens und ein Bollwerk gegen die protestantische Reformation.
Im 17. Jahrhundert, als die bayerischen Kurfürsten beginnen, den katholischen Glauben aktiv zu fördern, erhält die Dorfener Wallfahrt eine neue Blüte. Von 1620 bis 1680 werden die Pilgerzahlen stetig erhöht, und es entstehen neue religiöse Traditionen, die den Wallfahrtsort weiterhin zu einem Ziel für Gläubige aus ganz Europa machen. Die barocke Architektur, die während dieser Zeit die Kirchen im bayerischen Raum prägt, verleiht der Wallfahrtskirche von Dorfen eine prachtvolle Ausstrahlung, die sowohl das religiöse Gefühl der Pilger stärkt als auch die Bedeutung des Ortes als spirituelles Zentrum hervorhebt.
Die Wunder von Dorfen: Glaube und Heilung
Die Wunder, die den Wallfahrtsort Dorfen umgeben, sind entscheidend für den Ruf und die Anziehungskraft der Wallfahrt. Bereits im 17. Jahrhundert werden die ersten Berichte über Wunderheilungen und Gebetserhörungen bekannt. Die Geschichten von geheilten Kranken, von wiederhergestellten Ehen und von Menschen, die von ihren Ängsten befreit wurden, verbreiten sich schnell.
Das erste Wunder, das die Wallfahrt von Dorfen zu einem weithin bekannten Wallfahrtsort macht, ereignet sich während der Pestepidemie von 1649. Eine Gruppe von Dorfbewohnern, die von der Krankheit betroffen ist, betet vor dem Bild der Muttergottes und hofft auf göttliche Hilfe. Als die Krankheit nach und nach nachlässt, betrachten die Dorfgemeinschaft und die Pilger dies als ein Wunder, das die Fürsprache der Muttergottes bezeugt. Dieses erste Wunder stärkt den Ruf der Wallfahrt und zieht noch mehr Pilger an.
Das Wunder von 1716: Die Heilung einer Frau
Das bekannteste Wunder von Dorfen ereignet sich jedoch im Jahr 1716 und wird zu einem bedeutenden Meilenstein in der Geschichte der Wallfahrt. Es handelt sich um ein außergewöhnliches Wunder, das die Glaubensstärke der Dorfgemeinschaft und den Ruf von Dorfen als einen Ort göttlicher Heilung weiter festigt.
Im Jahr 1716, als die Wallfahrt ihren Höhepunkt erreicht, kommt eine schwerbehinderte Frau nach Dorfen, die seit Jahren an einer körperlichen Behinderung leidet, die sie bewegungsunfähig macht. Ihr Zustand ist so schwer, dass sie von den Ärzten aufgegeben wurde und keine Hoffnung auf Heilung besteht. Sie hört jedoch von den Wundern, die an der Wallfahrtskirche von Dorfen geschehen, und beschließt, dorthin zu pilgern.
In Dorfen angekommen, betet sie voller Vertrauen und Glauben vor dem Bild der Muttergottes. Sie bittet um Heilung, nicht nur für sich selbst, sondern auch für ihre Familie, die unter ihrer Krankheit leidet. Sie verbringt mehrere Tage in tiefer Andacht und im Gebet.
Eines Morgens, nach einer langen Nacht des Gebets und der Buße, erlebt sie ein unerklärliches Ereignis: Sie fühlt eine plötzliche, tiefgreifende Veränderung in ihrem Körper. Ihre Gliedmaßen, die zuvor verkrampft und unbeweglich waren, beginnen sich zu lösen. Voller Staunen und Erstaunen erkennt sie, dass sie geheilt ist. Sie kann wieder gehen und bewegen sich ohne jegliche Schmerzen.
Dieses Wunder verbreitet sich schnell, und bald strömen noch mehr Pilger nach Dorfen, um das Gnadenbild zu verehren und um die Fürsprache der Muttergottes zu bitten. Die Heilung der Frau von 1716 wird zu einem Wendepunkt in der Geschichte der Wallfahrt. Es wird als ein klares Zeichen von Gottes Gnade angesehen und stärkt den Ruf von Dorfen als einen der bedeutendsten Wallfahrtsorte in Bayern.
Das goldene Zeitalter der Wallfahrt
Die Zeit von 1700 bis 1776 markiert das goldene Zeitalter der Dorfener Wallfahrt. In diesen Jahren verzeichnet Dorfen jährlich mehr als 100.000 Pilger. Die Wallfahrt wird zu einem bedeutenden kulturellen und wirtschaftlichen Ereignis. Die Gaststätten und Wirtshäuser in Dorfen profitieren enorm von den Pilgerströmen, und es entsteht eine florierende Wirtschaft rund um den Wallfahrtsort. Sogar neue Brauereien werden gegründet, um die Pilger mit Bier zu versorgen.
Diese Zeit ist nicht nur religiös, sondern auch kulturell von enormer Bedeutung. Der barocke Hochaltar, geschaffen von dem berühmten Künstler Egid Quirin Asam, wird ein Höhepunkt der Kunstgeschichte und stellt die Wallfahrtskirche von Dorfen in einen größeren religiösen und künstlerischen Kontext. Der Altar ist ein symbolisches und künstlerisches Meisterwerk, das die himmlische Herrlichkeit der Muttergottes darstellt und somit die spirituelle Bedeutung der Wallfahrt verstärkt.
Die Säkularisation und die Dämmerung der Wallfahrt
Im späten 18. Jahrhundert kommt es zu politischen und religiösen Veränderungen, die die Dorfener Wallfahrt bedrohen. Mit der Säkularisation und der Einführung der bayerischen Verfassung verlieren die religiösen Bruderschaften und Wallfahrten ihren staatlichen Rückhalt. Die Wallfahrt in Dorfen, die über Jahrhunderte gewachsen ist, verliert zunehmend an Bedeutung.
Die Säkularisation führt dazu, dass viele kirchliche Einrichtungen aufgelöst werden und Wallfahrtsorte in den Hintergrund treten. Auch in Dorfen spürt man diese Veränderung. Die Zahl der Pilger nimmt ab, und viele der religiösen Feste, die zu dieser Zeit eine große Bedeutung hatten, werden eingestellt. Doch auch wenn die Wallfahrt politisch und gesellschaftlich schwächer wird, bleibt Dorfen immer ein religiöser Ort mit tiefer Geschichte.
Die Wiederbelebung der Wallfahrt
In den 1970er, als die Gesellschaft in Deutschland vom Rückgang traditioneller religiöser Praktiken geprägt ist, versucht der damalige Pfarrer Hermann Eigner, die Dorfener Wallfahrt wiederzubeleben. Mit dem Ziel, die spirituelle Bedeutung der Wallfahrt zu erneuern und den Pilgern neue Möglichkeiten der religiösen Besinnung zu bieten, führt er in den 1980er wieder regelmäßig Prozessionen und Pilgermessen ein.
Eigner setzt auf eine Rückbesinnung auf die Traditionen der Wallfahrt, indem er die Bedeutung der Muttergottes von Dorfen betont und Pilger aus der ganzen Region anspricht. Seine Bemühungen tragen dazu bei, die Wallfahrt zu revitalisieren und Dorfen als spirituellen Mittelpunkt wieder ins Bewusstsein der Menschen zu rücken. In dieser Zeit werden auch viele neue religiöse Veranstaltungen eingeführt, die das Interesse an der Wallfahrt erneut wecken und ihr eine neue Generation von Pilgern und Gläubigen näherbringen.
Eine Reise der Spiritualität und Hingabe
Die Dorfener Wallfahrt ist eine der ältesten und bedeutendsten Wallfahrten in Bayern. Ihre Geschichte reicht weit zurück und umfasst die religiösen, kulturellen und sozialen Dimensionen der Region. Sie ist nicht nur ein Ort der Heilung und des Gebets, sondern auch ein symbolisches Zeugnis des Glaubens und der Hingabe der Menschen über Jahrhunderte hinweg. Die Pilgerreise nach Dorfen ist sowohl eine körperliche als auch eine geistige Reise, bei der sich der Gläubige mit seinem Glauben auseinandersetzt und sich der göttlichen Gnade öffnet.
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1368 - Allerseelenbruderschaft
Die Allerseelenbruderschaft, die älteste Stiftung Maria Dorfens, wird im Jahre 1368 errichtet.
1401 bis 1500 - Marienwallfahrten
Seit dem Hochmittelalter gibt es in Altbayern Christus- und Heiligenwallfahrten und seit dem glaubensfreudigen 15. Jh. die Marienwallfahrten - Thalheim ist 1419 in einer Regensburger Urkunde bezeugt und Altötting Ende des 15. Jh.
1401 bis 1600 - Benefizien
Die Bedeutung der Wallfahrt nach Maria Dorfen ist nicht zuletzt aus den Benefizien zu ersehen, die im 15. und 16. Jh. außer an Kloster- und Stadtkirchen nur an Wallfahrtskirchen üblich sind.
1401 bis 1500 - Stepfen
Der Wallfahrer früherer Zeiten kommt meist vom Markt herauf über die Stepfen (Name seit dem 15. Jh. bezeugt), die Bergstiege mit den symbolischen 150 Stufen (= Strophen von drei Rosenkränzen), die unter Gebet und Meditation an den Kreuzwegstationen erklommen wird. Oben erwarten die Pilger auch niedrige Verkaufsläden.
1450 - Erste Marienkirche
An Stelle der Marienkapelle wird um 1450 in Dorfen eine gotische Kirche erbaut.
1450 - Jahrtagsstiftungen
Bereits Mitte des 15. Jh. gibt es in Maria-Dorfen 89 Jahrtagsstiftungen.
1470 - Beginn der Wallfahrt
Die Wallfahrt setzt im 15.Jh. ein: Um 1450 baut man eine größere Kirche, deren Marienbild bald zahlreiche Pilger nach Dorfen zieht.
1500 - Anzahl der Geistlichen
Um 1500 sind zehn Geistliche für die Gottesdienste angestellt
1524 - Anzahl der Benefizien
1524 sind an der Marienkirche in Dorfen fünf Benefizien überliefert.
1601 bis 1800 - Wirtschaftlicher Aufschwung
Neben Altötting entwickelt sich „Maria Dorfen“ im 17. und 18. Jahrhundert zur meistbesuchten Wallfahrtsstätte Süddeutschlands. Die Wallfahrt verhilft dem Markt zu wirtschaftlichem Aufschwung.
1632 - Schwedeneinfall
Wie weit die Dorfener Wallfahrt zurückgeht, können wit heute nicht mehr sagen, da im Erdinger Land 1632 mit dem Schwedeneinfall fast alle Pfarrhöfe und damit das gesamte ältere Quellenmaterial, auch die Matrikelbücher, verbrannt sind. Aus diesem Mangel dürfen wir aber nicht auf ein Fehlen einer Wallfahrt im Spätmittelalter schließen.
1649 - Erstes Wunder der Dorfener Muttergottes
Im Pestjahr 1649 wird das früheste Wunder der Dorfner Muttergottes bezeugt.
1657/1669 - Rosenkranzbruderschaft/Hochaltar
Entscheidende Stationen des nach dem Dreißigjährigen Krieg erfolgten Aufschwunges ist die Gründung einer Rosenkranzbruderschaft (1657) und die Aufstellung eines neuen Hochaltars (1669).
1676 - Mons sancti Ruperti
1676 wird der Dorfener Berg erstmals als „mons sancti Ruperti” bezeichnet.
1679 bis 1745 - Bayerischer Absolutismus
Der Aufstieg Maria Dorfens zu großer Berühmtheit fällt in eine historische Periode, die als die Blütezeit des bayerischen Absolutismus gelten kann, nämlich die Regierungszeit der Kurfürsten Maximilian II. Emanuel, 1679–1726, und Karl Albrecht, 1726–1745 (1742–1745 Kaiser).
1680 - Die Wallfahrt erwacht wieder
Die verlorene Generation ihrer Zeit, das geschundene, gequälte Volk, findet Trost und Stütze in seinem Glauben und schöpft aus dem Vertrauen in die göttliche Gnade den Mut, wieder neu anzufangen. Die Wallfahrt, die um das Jahr 1680 als Ausdruck gläubigen Vertrauens neu erwacht, verhilft auch dem Markt zu wirtschaftlichem Aufschwung.
1695 bis 1727 - Johann Franz Freiherr von Eckher
Fürstbischof Eckher von Freising versucht mit der Förderung der Wallfahrt, der Errichtung von Priesterhäusern und der Gründung des Benediktiner-Lyzeums auf dem Freisinger Domberg Ordnung und Qualifikation in die unorganisierte Priesterschwemme der Zeit zu bringen. Zu seinem Programm gehört auch Maria Dorfen, wo das erste der Priesterhäuser entsteht und die Kirche zur Wallfahrtskirche aufsteigt.
1701 bis 1800 - Pilger
Unter den annähernd vier Millionen Pilgern des 18.Jh. in Dorfen, die auch aus der Oberpfalz und Böhmen kommen und zugleich Altötting besuchen, sind Angehörige von 24 Pfarreien, die alljährlich eine Wallfahrt hierher unternehmen. Zu Fuß kommen an prominenten Wallfahrern u.a. Fürstbischof Johann Franz Eckher, der 1718 eine Prozession der Freisinger Bürgerschaft anführt, und öfters Mitglieder des Hauses Wittelsbach (z.B. 1719 Kurfürst Max Emanuel mit seinen Söhnen).
1705 bis 1737 - Josef Sailer
Die große Bedeutung Maria Dorfens und der Wallfahrt ist Pfarrer Josef Sailer - von 1705 bis zu seinem Tode 1737 in Dorfen tätig - zu verdanken. Ohne ihn wäre diese Kirche nicht zur zweitbedeutendsten Marienwallfahrt Bayerns im 18. Jahrhundert geworden.
1707 - Marianisches Gnadenbild auf dem Ruprechtsberg
Pfarrer Josef Sailer, der die Wallfahrt in Dorfen zu Beginn des 18. Jahrhunderts zu ihrem Höhepunkt vorantreibt, bezeichnet in seinen Mirakelbüchern den Berg als "Ruprechtsberg” und er lässt 1707 das marianische Gnadenbild von der geistlichen Obrigkeit als gnadenreich und wundertätig erklären.
1707 bis 1803 - Blütezeit der Wallfahrt
Die Wallfahrt zum Gnadenbild von Maria-Dorfen steht um die Mitte des 18.Jh. in höchster Blüte. Dorfen ist das Ziel zahlloser Pilger aus nah und fern.
1707 bis 1776 - Mirakelbücher
Gedruckte wie ungedruckte Mirakelbücher erzählen von ca. 8000 namentlich bezeugten Gebetserhörungen der Jahre 1707-76.
1707 - Wundertätigkeitserklärung
Pfarrer Joseph Sailler sammelt die Berichte aller Wunder und erhält 1707 vom fürstbischöflichen Ordinariat in Freising eine offizielle Wundertätigkeitserklärung des Dorfener Gnadenbilds. Die folgenden Jahrzehnte bringt Dorfen neuen Glanz: die Wallfahrt macht nach dem Stand der Besucher und der Zahl der Wallfahrer der Gnadenkapelle zu Altötting Konkurrenz.
1716 - Gebetserhörung
Eine der aufsehenerregendsten Gebetserhörungen ist diejenige einer schwerbehinderten Frau aus Achdorf bei Landshut. In zwei Tagen nach (27./28.7.1716) kriecht sie in Begleitung eines Mädchens auf Handkrücken nach Dorfen und wird daraufhin in einem Heilungsprozess gesund: „Nach welchen sie täglich besserung, und annebens empfunden, daß sie die Knye immermehr austrekhen, und die Kruckhen zu kurtz werden wollen, wie sie dan auch in ihrer anderten Wallfahrt nacher Dorffen die erster empfangene Kruckhen, und dise hinnach widerum alhier zu Landshuet mit lengern vertauschet, welche gegenwertige ihr auch dermahlen umb ein spann zu nider seindt ...“.
1717 - Petrinerhaus
Wie bedeutend die Wallfahrt ist, sieht man nicht zuletzt auch daran, dass der Freisinger Fürstbischof Johann Franz Eckher - einer der Förderer des barocken Wallfahrtswesens - auf Initiative des Freisinger Stiftskanonikus bei St. Andrä, Dr. Philipp Franz Lindmayr, 1717 in Dorfen ein (Petriner-) Priesterhaus errichten lässt, von dem aus bis zu 40 Geistliche die Wallfahrer betreuen und das 1775-1804 auch Priesterseminar der Diözese Freising ist.
1719 bis 1737 - Wittelsbacher Wallfahrten
Wittelsbacher Fürsten, die eine besondere Verehrung zur Gottesmutter als Beschützerin des Bayernlandes bekunden, besuchen Maria-Dorfen.
1723 bis 1735 - Pilgerzahlen
Dorfen ist nach Altötting im 18. Jh. das meistbesuchte Wallfahrtsziel Süddeutschlands. Zwischen 1723 und 1735 kommen jährlich über 100.000 Pilger.
1727 - Anzahl der Messen
Annähernd 15000 Messen werden jährlich während der Blütezeit (1727, 1731, 1735) am Gnadenaltar gelesen, d.h. täglich durchgehend von 4 Uhr früh - im Winter ab 5 Uhr - bis 12 Uhr Mittag.
1740 bis 1749 - Egid Quirin Asam
Die barocke Bautätigkeit findet in Dorfen mit dem Hochaltar der Wallfahrtskirche, einem unübertrefflichen Werk Egid Quirin Asams, ihren Höhepunkt.
Ab 1750 - Rückgang der Wallfahrt
Ab Mitte des 18.Jhs. brechen die Pilgerzahlen ein: Das Licht der Aufklärung lässt die Strahlkaft der Dorfner Muttergottes deutlich verblassen. Dazu kommt die Säkularisation - und mit ihr die staatlichen Einschränkungen der Wallfahrt. Trotz der Aufklärung und den Verordnungen bleibt die Wallfahrt zu Maria-Dorfen erhalten, wenn auch in reduzierter Form.
1760 bis 1803 - Säkularisation
Die bayerische Regierung, unter Kurfürst Maximilian III. Joseph (1727–1777) und Karl Theodor von Bayern (1724–1799), ergreift gegen Ende des 18. Jhs., im Zeitalter der Aufklärung, mehrere Maßnahmen, um religiöse Praktiken wie Prozessionen und Bittgänge einzuschränken, da diese als hinderlich für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung gelten. Wallfahrten und Bittgänge werden als unvernünftige Formen des Glaubens angesehen, die Arbeitskräfte binden und den wirtschaftlichen Fortschritt hemmen. Diese Politik ist Teil des größeren Reformprogramms der Säkularisation, das darauf abzielt, die Kirche stärker unter staatliche Kontrolle zu bringen und die Religion rationaleren und staatstragenderen Grundsätzen anzupassen. Der Einfluss der Kirche soll zugunsten eines rational organisierten Staates reduziert werden.
1760 bis 1803 - Regularien zu religiösen Praktiken
Die Verordnungen der bayerischen Regierung reduzieren die Zahl und die Reichweite religiöser Veranstaltungen. Genehmigungspflicht: Prozessionen und Bittgänge dürfen nur noch mit ausdrücklicher Genehmigung der staatlichen Behörden durchgeführt werden. Einschränkung der Dauer und Teilnehmerzahl: Großangelegte Wallfahrten über mehrere Tage werden untersagt oder stark verkürzt. Die Teilnehmerzahlen werden beschränkt. Lokalisierung: Wallfahrten sollen möglichst auf die nächstgelegene Kirche oder Kapelle begrenzt bleiben, um weite Reisen zu vermeiden. Abschaffung bestimmter Feiertage: Einige kirchliche Feiertage werden gestrichen, um den Einfluss der Kirche weiter zu begrenzen und die wirtschaftliche Produktivität zu steigern.
1760 bis 1803 - Aufklärung und Religion
Die staatlichen Eingriffe tragen dazu bei, dass viele der traditionellen Formen von Volksfrömmigkeit verschwinden oder an Bedeutung verlieren. Gleichzeitig markieren sie den Beginn einer stärkeren Säkularisierung der Gesellschaft und des Aufbaus eines moderneren, zentralisierten Staates. Die Maßnahmen der bayerischen Regierung sind ein Beispiel für den Einfluss der Aufklärung auf die Religion und zeigen den Wandel in der Beziehung zwischen Kirche und Staat im 18. Jh.
1760 bis 1803 - Unruhen unter den Pilgern
Viele dieser Maßnahmen führen in der Bevölkerung zu Protesten, da sie tief in die religiöse Praxis eingreifen. Viele Gläubige interpretieren die staatlichen Eingriffe als Angriff auf ihre religiöse Freiheit, was zu Spannungen zwischen Staat und Bevölkerung führt.
1766 - Regulierung von Prozessionen und Feiertagen
Unter Maximilian III. Joseph wird eine Verordnung erlassen, die Prozessionen und Bittgänge auf kirchliche Hochfeste beschränkt. Ziel ist es, die häufigen und teils weit entfernten Wallfahrten zu verringern. Gleichzeitig wird die Teilnahme an Prozessionen durch Berufstätige reduziert, um die wirtschaftliche Produktivität nicht zu beeinträchtigen.
1770 - Einschränkung der Wallfahrten durch Genehmigungspflicht
Eine Verordnung aus dem Jahr 1770 führt ein Genehmigungsverfahren für Wallfahrten ein. Die örtlichen Geistlichen müssen staatliche Genehmigungen einholen, bevor größere Prozessionen oder Wallfahrten organisiert werden dürfen. Diese Maßnahme soll verhindern, dass die Wallfahrtsorte durch übermäßige Pilgerströme belastet werden.
1770 bis 1800 - Höhepunkt der Wallfahrt
Im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts erreicht die Wallfahrt ihren Höhepunkt: an die vier Millionen Wallfahrer kommen zum heiligen Berg Dorfens, zuweilen zweitausend an einem Tag.
1775 - Priesterseminar
1775 erfolgt die Grundsteinlegung zur Errichtung des Priesterseminars und 1776 die Konsekration der Hauskapelle.
1775 - Kontrolle von Prozessionen in kleinen Gemeinden
Eine Verordnung aus dem Jahr 1775 untersagt kleineren Gemeinden, eigenständige Prozessionen zu veranstalten. Stattdessen sollen diese Gemeinden sich an zentrale kirchliche Feiern halten. Diese Regelung wird auch eingeführt, um Ordnung und Einheit in der religiösen Praxis zu fördern.
1778 - Einschränkung von Prozessionen
Unter Karl Theodor wird eine Verordnung erlassen, die Wallfahrten stärker reglementiert und Prozessionen auf lokale Veranstaltungen begrenzt. Hier wird erstmals ausdrücklich darauf hingewiesen, dass religiöse Aktivitäten die öffentliche Ordnung und die wirtschaftliche Produktivität nicht stören dürfen.
1780 - Wallfahrer aus entfernt liegenden Gegenden
1780 wird berichtet: „von diesen Orten — aus Schwaben, Pfalz-Neuburg und anderen entfernt liegenden Gegenden — kommen schon mehrere Jahre keine Wallfahrter, weil das Wallfahrten gehen, wenn man über Nacht ausbleiben muß, selben verbothen ist; nichts destoweniger liessen sich hier sehr viele aus der Obern Pfalze, in dem Zurück-Marche von Altenoetting sehen, doch ohne gewöhnlichen Ein- und Auszug“.
1781 - Marianisches Feuer
Die Quelle der Jesuiten zu Maria Dorfen von 1781 berichtet: " Das marianische Feuer brach endlich unter Joseph Sailler in die helle Flammen aus. Dieser unvergeßliche Mann, dem die Wallfahrt ihre Aufnahm noch heute danke"
1781 - Allgemeine Verordnung zur Reduktion kirchlicher Feiertage
Diese Verordnung streicht mehrere kirchliche Feiertage aus dem Kalender, um den Einfluss der Kirche auf das Alltagsleben zu verringern und die Arbeitsproduktivität zu steigern.
1782 bis 1791 - Listen der Pilger
Für die Jahre 1782 bis 1791 gibt es „Listen der Pilger, die einzeln oder scharenweise in geschlossener Prozession mit eigenen Fahnen unser wunderthätiges Bildnus.. . besuchten“. Dort sind die Zahlen der Pilger und ihre Heimatorte genannt: Amberg, Wolnzach, Friedberg und Eggenfelden, die Nachbarn aus Isen, Wartenberg und St. Wolfgang, aus Wegscheid und Griesbach, aus Reichenberg, Krumau, Heritz und Deutsch-Reichenau in Böhmen. Und so geht es die ganzen Jahre hindurch, und dies, obwohl die auswärtigen Pilger allerlei obrigkeitliche Schikanen zu beachten haben, wenn sie in das bairische Ausland reisen wollen.
1785 - Pilgerströme
Im Jahr 1785 empfangen 58.000 Pilger in Dorfen die Kommunion, zwischen April und November werden 5.400 Messen gelesen.
1786 - Verordnung zur Beschränkung der Bittgänge
In einer weiteren Verordnung werden Prozessionen, besonders an Christi Himmelfahrt und Fronleichnam, eingeschränkt. Die Durchführung solcher religiöser Veranstaltungen wird stärker kontrolliert, und die Erteilung von Genehmigungen wird erschwert.
1792 bis 1797 - Zelebrationsbuch
Das Zelebrationsbuch 1792-97 - also nach den bekannten Wallfahrtsbeschränkungen durch den Staat - enthält für diese sechs Jahre Angaben zu noch 33226 gelesenen Messen.
Ab 1799 - Fortführung durch Montgelas
Montgelas verfolgt eine konsequente Säkularisierungspolitik, die darauf abzielt, die Kirche vollständig unter staatliche Kontrolle zu bringen. Unter seiner Führung wird auch die Zahl der Klöster drastisch reduziert. Mit dem Regierungsantritt von König Maximilian I. Joseph (Nachfolger von Karl Theodor) und der Reformarbeit von Maximilian von Montgelas (1759–1838) ab 1799 werden die Bestimmungen gegen die Wallfahrt noch rigoroser.
1801 - Pilgerzahlen
Noch zu Beginn des 19.Jhs. kommen jährlich 50000 Pilger nach Maria-Dorfen - und dies bei nicht einmal tausend Einwohnern -, was fast zwei Dutzend Wirtshäuser und sechs Bierbrauer zu ihrer Versorgung notwendig macht.
1974 - Bronzereliefs
Entlang der Stiege werden von Hans Ladner geschaffene Bronzereliefs der Rosenkranzgeheimnisse in 15 Granit- bzw. Marmorstelen untergebracht.
1981 - Ruprechts-Legende
Die Ruprechts-Legende hat sich als Strickmuster mehrerer Orte der Marienverehrung herausgestellt und gilt nicht nur für Maria-Dorfen.
1986 - Neubelebung der Wallfahrt
Pfarrer Hermann Eigner (1924-86) belebt die Wallfahrt wieder; so kommen 1986 die Pfarrwallfahrten von St. Wolfgang (1.5.), Thalheim (3.5.), Oberlindhart (7.5.), Tüssling und Burgkirchen (10.5.), aus der Oberpfalz (16.5.), von Riedenburg (18.5.) und Lengdorf (Pfingstmontag), im Juli die Diözesanwallfahrt der Landvolkbewegung und traditionell um Mariä Heimsuchung die Pfarrei Moosen.
1994 - Zweifel an einer Wallfahrt im 15. Jahrhundert
Außer dem Bau einer gotischen Kirche im 15. Jahrhundert und der Gründung der Allerseelenbruderschaft im 14. Jahrhundert gibt es keine Hinweise zu einer Wallfahrt in Dorfen im 15. Jahrhundert.

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