Samstag, 31. Mai 2025

Ein Kind der Freien Jugend

📖 Lesezeit: ca. 8 Minuten
Wenn man durch die Straßen von Dorfen geht, vorbei an stillen Vorgärten, der alten Stadtpfarrkirche und den stolzen Häusern, die von Tradition und Ordnung erzählen, dann weht hinter der Turnhalle in der Jahnstraße ein anderer Wind. Hier pocht ein Herz, das seit fünf Jahrzehnten jung geblieben ist – das Jugendzentrum Dorfen, liebevoll „das Jugge“ genannt.

Es ist kein gewöhnlicher Ort. Es ist eine Welt aus Tönen, Träumen, Farben und Fragen. Eine Insel im konservativen Meer der 1970er, geboren aus jugendlichem Aufbegehren und dem Wunsch nach echter Mitbestimmung. Kein Pfarrer, kein Parteifunktionär, kein Erwachsener schreibt hier die Regeln – hier gilt das Wort der Jugendlichen. Basisdemokratisch, laut und lebendig, mit all der Unordnung, die Freiheit mit sich bringt.

In den frühen Tagen ist Dorfen noch ein „geliebtes Nest“, wie es auf den Autos klebt. Der Klerus wacht streng über Moral und Ordnung, Stadtpfarrer Hermann Eigner will lieber Ministranten und Wallfahrer versorgen als langhaarige Rebellinnen und Träumer beherbergen. Doch die Jugend spürt den Geist der Zeit – die Luft riecht nach Veränderung, nach Fernweh und nach dem neuen Lebensgefühl, das von den Universitäten in München bis in die kleinsten bayerischen Dörfer weht.

Sie nennen sich „Freie Dorfener Jugend“ – und sie kämpfen. Erst um vier Räume in der alten Mädchenschule, dann um das Gebäude der ehemaligen Hitlerjugend in der Jahnstraße. Sie trotzen Verleumdungen, die von Haschisch und Pillen sprechen, sie antworten auf Angriffe des Stadtpfarrers mit Leserbriefen und Haltung. Selbst als 1974 der Roider Jackl auf dem Volksfest spottet, lassen sie sich nicht beirren. Denn das Jugendzentrum ist mehr als ein Haus – es ist ihr Versprechen an sich selbst: Wir gestalten unsere Welt.

Hier wird gehämmert, gemalt, musiziert. Es gibt Konzerte, Kunstausstellungen, Seniorennachmittage, Debatten, Filmabende und wilde Feste. Und es gibt Tränen, Streitereien, Krisen – denn echte Freiheit ist nie bequem. 1976 droht die Leere, 1977 ein Diebstahlskandal, 1984 ein zerstörerisches Punkfestival, 2000 ein rechtsextremer Brandanschlag. Doch immer wieder wächst neues Leben aus der Asche.

Sogar als Anfang der 1980er der Stadtpfarrer die Schließung des Hauses erpressen will, antwortet das Jugge nicht mit Hass, sondern mit Öffentlichkeit. Und siegen. Die Jugendlichen schreiben ihre Geschichte selbst – mit Tinte, mit Lautstärke, mit Plakaten, mit Gitarrenriffs. Und mit Liebe. Denn dieser Ort bedeutet Zugehörigkeit. Wer hierherkommt, gehört dazu – egal ob mit Irokesenfrisur, Kopftuch oder Unsicherheit im Blick.

Heute, fünfzig Jahre später, steht das Jugge wie ein bunter Leuchtturm in einem Meer aus Grau. Noch immer ist es selbstverwaltet, noch immer gibt es keine Sozialpädagogen, die das Leben vorschreiben. Die Bar wird vom Thekendienst geführt, der Vorstand trifft sich basisdemokratisch, und auf der Bühne tobt das Leben. Punkrock, Poetry Slam, politische Diskussionen – alles hat Platz.

Und wenn draußen einer ruft, das sei doch alles linksradikales Chaos, dann lächeln sie drinnen, stellen den Verstärker lauter und hängen ein Banner aus dem Fenster:
"Gegen Faschos, Sexismus, Rassismus und Homophobie – Für Freiheit, Vielfalt und Menschlichkeit."

Das Jugge ist ein Stachel im Fleisch der Spießigkeit – aber es ist ein warmherziger Stachel. Einer, der mit offenen Armen empfängt. Der weint, wenn andere untergehen. Der feiert, wenn einer endlich wagt, zu sich zu stehen. Hier finden sich Freunde, Geliebte, Weggefährten. Hier entstehen erste Küsse und große Träume. Hier wird das Leben nicht verwaltet – hier wird es gelebt.

Und so lebt es weiter. Mit Herz. Mit Trotz. Mit Musik.

Das Jugendzentrum Dorfen – ein Liebesbrief an die Freiheit.
========================
„Kommen Sie mit? Schauen Sie es sich an – hier entlang!“
========================
1880er - Jugendhilfe
In der Jugendhilfe der 1880er zählt eine männliche Person aus der Arbeiterklasse zwischen 13 und 18 Jahren zur Jugend, der Tendenzen zur Verwahrlosung, Kriminalität und eine Empfänglichkeit für sozialistische Ideen unterstellt wird.

1896 bis 1913 - Wandervogel-Ära (1896–1913)
Ausgangsort dieser Jugendbewegung ist Ende des 19.Jhs. das Dorf Steglitz bei Berlin. Hauptinitiatoren sind Hermann Hoffmann, der mit Schülern hier erste ausgedehnte Wanderungen und Fahrten organisiert, und sein Nachfolger Karl Fischer, der 1901 mit der Gründung des Wandervogels einen dauerhaften organisatorischen Rahmen für solche Aktivitäten schaft.

Ab 1900 - Jugendbewegung
Die Jugendbewegung ist eine besonders im ersten Drittel des 20.Jhs. einflussreiche Strömung, die dem von der Industrialisierung geprägten städtischen Leben eine vor allem in Kreisen der bürgerlichen Jugend sich ausbreitende Hinwendung zum Naturerleben entgegensetzt.

1903 - Wilde Burschenvereine
Im 19.Jh. schließen sich männliche, schulentlassene Jugendliche bis zur Verehelichung zu „wilden oder freien Burschenvereinen“ zusammen.
Diese Entwicklung, dass die Vereinsidee im Burschenalter einen günstigen Boden findet, bleibt auch der katholischen Kirche nicht verborgen. Im Jahre 1903 gründen deshalb der geistlicher Rat Spannbrucker (Laufen), Benefiziat Braun (Dengling) und Prälat Mehler (Regensburg) einen Dachverband der „Katholischen Burschenvereine des Königreichs Bayern“.
In einer Mustersatzung wird der Vereinszweck und die Grundprinzipien festgelegt: Erhaltung und Förderung von Glaube und Sitte, Berufstüchtigkeit, Heimatliebe, Frohsinn und Scherz.
Auf die Satzung und die Grundprinzipien ausgerichtet besteht die Vereinstätigkeit vorwiegend aus religiösen Veranstaltungen, monatlichen Versammlungen, Vereinsfesten und Tanzveranstaltungen und kulturellen Unternehmungen, wie Theaterspiel und musikalischen Aufführungen.
Als dörfliche Traditionsvereine haben viele Burschenverein eine Fahne und marschieren bei Festumzügen und Kirmessen im Heimatdorf und bei Burschenfesten in anderen Gemeinden mit.

1950er - Dirndlschaft im Jungfrauenverein
Der Begriff „Dirndlschaft“ bezeichnet Zusammenschlüsse junger, lediger ortsansässiger Dirndl ab 16 Jahren. Mit der Hochzeit erlischt die Mitgliedschaft. Die Dirndl widmen sich der Pflege von Tradition, Tracht und Gemeinschaft.
Solche Gruppen entstehen nach dem Zweiten Weltkrieg und bilden oft das weibliche Pendant zu den bereits bestehenden Burschenvereinen.
Einige Beispiele für bekannte Dirndlschaften sind:
• Dirndlschaft Albertaich: Gegründet am 21. Juli 2004 als eine der ersten Dirndlschaften in ihrer Region.
• Dirndlschaft Langengeisling: Gegründet im Jahr 2000, jedoch 2011 aufgelöst und später wiederbelebt.
• Dirndlschaft Neuching: Gegründet im Jahr 2015.

1947 - Aktion Landjugend
Die Katholische Landjugendbewegung Deutschlands (KLJB) ist eine vorwiegend in den ländlichen Regionen Deutschlands tätige katholisch geprägte Jugendorganisation.
Die Gründung erfolgt 1947 im Rahmen des im selben Jahr gegründeten Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) unter der Bezeichnung „Aktion Landjugend“.

1970er - Zusammenführung und Demokratie
Die 1970er prägen vor allem das Verlangen der KLJB nach Demokratie, Gerechtigkeit und Frieden, aber auch die Zusammenführung der KLJB-Männer- bzw. Frauenjugend. Seit diesem Zeitpunkt sind die Vorstände paritätisch besetzt.

1970er - Selbstverwaltete Jugendhäuser
Unter dem Begriff selbstverwaltet wird verstanden, dass in dem Jugendhaus keine Sozialpädagogen die Entscheidungsgewalt haben. Stattdessen entscheidet meistens der Thekendienst beziehungsweise der Vorstand oder eine Vollversammlung der Jugendlichen über die Verwendung der Finanzen, basisdemokratisch.
In den 1970er ist die Frage der Selbstverwaltung oft eine der wesentlichen Konfliktlinien zwischen den eher auf friedliche Kooperation mit den kommunalen Autoritäten setzenden Gruppen wie der Arbeitsgemeinschaft der Jungsozialisten der SPD (Jusos) und der Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend (SDAJ) einerseits und den auf Konfrontation und oft auch noch kontinuierlichen Klassenkampf setzenden linksradikalen Gruppen.
Selbstverwaltung wird in den 1970er wiederholt und teilweise bis heute anhaltend versucht, mit Hausbesetzungen durchzusetzen.

1970er - Unser geliebtes Nest
Dorfen ist in den 1970er eine konservative Kleinstadt, die mit dem Slogan "Unser geliebtes Nest" für sich wirbt und den man sich als Aufkleber hinten aufs Auto pappen kann.
Der Klerus in Person des Stadtpfarrers Hermann Eigner hat großen Einfluss und die Jugend in und um Dorfen ist traditionsgemäß nur in kirchlichen Gruppen wie der Katholischen Landjugendbewegung (KLJB) organisiert.

1970er - Studentenbewegung
In den 1970er erfaßt der Protest der Studentenbewegung und das damit aufgekommene neue Lebensgefühl viele junge Leute in Dorfen und mündet in die Gründung eines selbstverwalteten Jugendzentrums.
Die Jugendliche propagieren die Emanzipation der Jugendarbeit von der religiösen Bindung zu einer weltanschaulich neutralen Organisationsform.

1970er - Widerstand
Ein Widersacher gegen die Gründung eines selbstverwalteten Jugendzentrums ist von Anfang an Dorfens Stadtpfarrer Hermann Eigner, der an Stelle eines Jugendzentrums ein Freizeitzentrum für Landjugend, Kolping, Ministranten, Kirchenchor und Bewirtschaftung von Wallfahrern will.

1971 - Jugendzentrum Backnang e. V.
Das älteste selbstverwaltete noch bestehende Jugendzentrum in Deutschland ist das der Aktion Jugendzentrum Backnang e. V. von 1971.

1972 - Kolpingfamilie Maria Dorfen
Durch den Kirchenaustritt des Vorsitzenden der Kolpingfamilie Maria Dorfen kommt das Vereinsleben des Kolpingvereins zum Erliegen.

1972 - Mädchenschule
Als der "Freien Dorfener Jugend", wie sich die Jugendlichen nennen, vorerst vier Räume in der Mädchenschule erhalten, gibt es bald erste Beschwerden.
Während eine Messe in der benachbarten Pfarrkirche gefeiert wird, dürfe in den Räumen der Freien Jugend nichts los sein, fordern aufgebrachte Kirchgänger vom Bürgermeister.

1973 - Verein Freizeitzentrum Dorfen
1973 wird der Verein Freizeitzentrum Dorfen gegründet, der mit 700 Unterschriften Druck auf die Stadt ausübt.

1973 - Marxistisch-kollektivistische Tendenzen
Nachdem der Verein Freizeitzentrum bei einer JU-Veranstaltung die Pläne für ein Freizeitzentrum des Dorfener Stadtpfarrers kategorisch abgelehnt, unterstellt Eigner der Dorfener Jugend "marxistisch-kollektivistische Tendenzen".
So denkt damals nicht nur der streitbare Pfarrer. Der christlich-konservative Teil des Dorfener Bürgertums hat ein neues Feindbild.

1973 - Hitlerjugend-Heim
Dem "Verein Freizeitzentrum Dorfen" wird von der Stadtverwaltung für zunächst zwei Jahre das Sozialwohnungsgebäude in der Jahnstraße neben der alten Turnhalle angeboten, das ehemalige Hitlerjugend-Heim.

1973 - Beziehungen zur DKP
In Erding wird ein Flugblatt verteilt in dem von angeblichen Beziehungen des Vereins „Freizeitzentrum“ zur kommunistischen DKP die Rede ist. Hinzu kommt, dass „untragbaren Zustände“ im neuen „Jugendzentrum“ anprangert werden.
Der Jugendreferent der Stadt fordert daraufhin die Aufnahme eines Passus in den Mietvertrag, wonach politische Agitation in dem stadteigenen Gebäude verboten sind.

1974 - Eröffnung
Die Lage und die Räumlichkeiten sagen den Jugendlichen sofort zu. Nach vielen freiwilligen Arbeitsstunden ist es bezugsfertig. Mit einem einwöchigen Festprogramm feiern sie Ende April 1974 die Eröffnung.

1974 - Roider Jackl
Doch mit dem Einzug in das Jugendzentrum gehen die Vorurteile gegen den Jugendtreff erst richtig los. Sogar der Roider Jackl greift bei seinem Auftritt auf dem Dorfener Volksfest das Thema Jugendzentrum auf, in dem es seiner Meinung nach "Hasch und Pille im Automaten" gebe.

Nach 1974 - Sperrstundenüberschreitungen
Sperrstundenüberschreitungen führen immer wieder zu Anzeigen aufgebrachter Nachbarn gegen die "Langhaarigen" im JZ. Ausserdem gibt es immer wieder pauschale Vorwürfe wegen Drogenkonsum.

1976 - Mitgliederkrise
Nach anfänglicher Euphorie stellt sich schon bald Ernüchterung ein. Die Einrichtung wird von den Dorfener Jugendlichen nicht angenommen. Erst als sich der Kreisjugendpfleger um den Betrieb im Jugendzentrum kümmert, kann diese erste große Krise bewältigt werden, ebenso wie 1977 der Skandal um eine Diebstahlserie im JZ.

1978 - Geplanter Fernmeldeknotenpunkt
Pfarrer Eigners bietet das 1978 im Bau befindliche Pfarrheim am Ruprechtsberg allen Jugendlichen der Stadt an, da das JZ an der Jahnstraße ja in absehbarer Zeit abgebrochen werde, wenn die Bundespost dort den geplanten Fernmeldeknotenpunkt errichten werde.
Die Vorstandschaft des JZ und Bürgermeister Wolf wollen jedoch den Jugendzentrum-Bau erhalten, da das JZ ein ansprechendes und abwechslungsreiches Programm anbieten, sogar besser als das des „Picnic“ in Erding.

1979 - Pfarrheim
Filmvorführungen, Dia-Abende, Kunstausstellungen, Konzerte und Seniorennachmittage tragen dazu bei, den schlechten Ruf des Jugendzentrums abzubauen.
So behauptet es sich auch nach der Eröffnung des Pfarrheims.

1980er - Erpressungsversuch von Stadtpfarrer Eigner
Stadtpfarrer Eigner will Anfang der 1980er den Grundstückstausch für den Bau eines neuen Vereinsheims des TSV Dorfen und zweier Sportplätze nur durchführen, wenn dabei das Jugendzentrum an der Jahnstraße sollte geschlossen werden
Als dieser "Erpressungsversuch" gegen die Stadt publik wird, wehrt sich die Vorstandschaft mit Leserbriefen in der Presse und zeigt damit Wirkung. Der Tausch kommt zustande, ohne daß das Jugendzentrum geschlossen wird.

1984 - Punkfestival
Im Anschluss an ein außer Kontrolle geratenes Punkfestival, bei dem die meisten der etwa 150 Teilnehmer aus München angereist waren, entsteht im Jugendzentrum Sachschaden von mehr als 10.000 Mark.
Obwohl sich die Vorstandschaft von den Zerstörungen distanziert, fordert der Dorfener CSU-Geschäftsführer die Schließung des Zentrums und spricht in Zusammenhang mit den Vorkommnissen von "degenerierten Jugendlichen", was eine heftige Auseinandersetzung mit der Vorstandschaft des Jugendzentrums entfacht.

1985 - Jahr der Jugend
Die UN-Generalversammlung definiert 1985 Personen, die älter als 14 Jahre und jünger als 25 Jahre alt sind, als Jugendliche. In dieser Kategorie wird zwischen den Teenagern (13 bis 19) und den jungen Erwachsenen (20–24) unterschieden.
Der Beginn der Jugend erfolgt mit dem Eintreten der Pubertät und das Ende mit der Übernahme einer autonomen beruflichen und gesellschaftlichen Verantwortungsrolle.

1985 - Der Scherge
Die Stadt beschließt ab 1985 im Jugendzentrum einen Sozialpädagogen einzusetzen. Dem Mann, Spitzname "der Scherge", gelingt es jedoch nicht, die Sympathien der Jugendlichen zu gewinnen und so kündigt er und das Thema Sozialpädagoge ist vom Tisch.

2000 - Brandanschlag
Nach dem Brandanschlag gewaltbereiter Rechtsextremisten auf das linke JZ im Jahr 2000 veranstaltet das Jugendzentrum Kundgebungen gegen Gewalt von rechts und nimmt an Diskussionen zum Thema „Ganz normal rechtsextrem“ teil.

2001 - Anti-Fa-Gruppe
Das Jugendzentrum setzt die Aktionen gegen Gewalt von rechts fort, indem sie die Dorfener „Anti-Fa-Gruppe‘ gründen.

2002 - Chaostage
Das Jugendzentrum gerät 2002 nach einem Punkkonzert erneut in die Schusslinie, denn von auswärts angereiste Vandalen demolieren Telefonzellen, Gartenzäune und pöbeln unbeteiligte Passanten an. In der Bevölkerung ist von Dorfener „Chaostagen” die Rede.

2003 - Sitzblockadentage
Nach wiederholt aufgetretenen Verstößen gegen Gaststättenrecht und Jugendschutzgesetz verordnet die Stadtführung 2003 die Schließung des Jugendzentrums und provoziert damit eine wochenlange Sitzblockade zahlreicher Jugendlicher am Rathausplatz neben dem Hemadlenzenbrunnen.

2003 - Offener Jugendtreff Dorfen
Neben dem selbstverwalteten Jugendzentrum Dorfen seit 1974 und der Mobilen Jugendhilfe von der Brücke Erding e.V. seit 2008 ist der Offene Jugendtreff seit 2003 Teil des Kooperationspakets „Jugend in Dorfen“ der gemeindlichen Jugendarbeit.
Die Räumlichkeiten befinden sich am Kugelfang 4 in Dorfen und stehen Jugendlichen ab ca. 10 Jahren an 3 Nachmittagen zur Verfügung. Im offenen Betrieb können Jugendliche unverbindlich Angebote ausprobieren, neue Leute kennenlernen oder das Gespräch mit dem Leiter suchen, der ein offenes Ohr für ihre Sorgen oder Anliegen hat.
Eine eigene Girls-Ecke wird gestaltet, in die sich die Mädchen zurückziehen können.

2004 - Widerstand gegen die NPD
2004 nimmt die NPD das Jugendzentrum ins Visier. Sie zieht mit Infoständen durch benachbarte Städte und durch Dorfen mit der Forderung das JZ Dorfen zu schließen.
Doch die Dorfener Bürgerschaft lässt sich nicht erpressen. Sie organisiert so lange Gegendemonstrationen, bis die Rechtsextremisten aufgeben.

2005 - Kinder- und Jugendhaus Dorfen
Das Kinder- und Jugendhaus Dorfen wird 2005 gegründet und bietet vielfältige Angebote für Kinder und Jugendliche. Es fördert Inklusion und Vernetzung im Sozialraum und organisiert gemeinsam mit Kitas, Schulen und anderen Einrichtungen Workshops, Aktionstage und weitere Veranstaltungen.

2020 bis 2023 - COVID-19-Pandemie
Die Pandemie führt in vielen Ländern zu drastischen Auswirkungen. Es handelt sich um die bisher umfangreichste Pandemie des 21.Jhs. In Dorfen kommt es zu einer zeitweilige Schließung des JZ.

2024 - 50 Jahre
Als eines der wenigen übrig gebliebenen autonomen, selbstverwalteten Jugendzentren, die in den 1970er im Zuge der Protest der Studentenbewegung und das damit aufgekommene neue Lebensgefühl im ländlichen Oberbayern entstehen, steht das JZ Dorfen immer wieder vor der Herausforderung es am Leben zu erhalten.
Über 50 Jahre bietet das Jugge nun schon Jugendlichen eine Chance sich selbst zu entfalten ohne Regeln und gegen die Norm. Es ist ein Ort an dem ALLE willkommen sind. Zusammen stehen Jugendliche gegen Faschos, Sexismus, Rassismus, Homophobie und weitere Formen der Diskriminierung.
Es versteht sich immer noch als Stachel im Fleisch der Spießbürger, aber auch der Spaß am Feiern kommt nicht zu kurz.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen