Montag, 14. April 2025

Mariensäule

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Die Mariensäule in Dorfen ist ein wahrer Blickfang und ein Symbol der tieferliegenden Verbundenheit zwischen Glaube und Kunst, ein Symbol für die Marienverehrung.

Am 14. August 1864, dem Vorabend des Festes Mariä Himmelfahrt, wurde sie mit großer Feierlichkeit von Pfarrer Anton Schmitter eingeweiht. Der Platz, auf dem sie steht, erlangte daraufhin den Namen „Marienplatz“ und verwandelte sich zu einem heiligen Ort, an dem die Menschen immer wieder innehalten und der Mutter Gottes ihre Gebete darbringen.

Errichtet wurde sie anlässlich des zehnten Jahrestags der Verkündigung des Dogmas von der „Unbefleckten Empfängnis Mariens“, das Papst Pius IX. am 8. Dezember 1854 verkündet hatte. Die Statue von Maria, erhaben und majestätisch, wurde in feinstem Kalkstein gemeißelt, während die Säule aus edlem Rohrdorfer Marmor in gotischer Architektur emporragt. Ihre Form, die eine stille Erhabenheit ausstrahlt, und das „Marienbild von Kalkstein“, das der Bildhauer Simon Geigenberger im Sommer 1863 für die Dorfer Gemeinde erschuf, zeugen von der Handwerkskunst vergangener Zeiten.

Zu den Füßen der Marienfigur finden sich zwei Wappenschilder mit eingemeißelten Daten: der 14. August 1864 und der 8. Dezember 1854. Diese Zahlen sind nicht nur eine Erinnerung an den historischen Moment, sondern auch eine stille Hommage an das Dogma, das die unbefleckte Empfängnis der heiligen Jungfrau Maria in der katholischen Kirche bekräftigte.

Der Bau der Säule war nicht ganz unkompliziert. Pfarrer Schmitter, der Direktor des Priesterhauses in Dorfen, gab dem Steinmetz Geigenberger den Auftrag, doch die Regierung von Oberbayern hatte Einwände gegen das ursprüngliche Design des Sockels und des Umfassungsgitters. Das Gitter wurde als ästhetisch unzureichend empfunden, woraufhin Geigenberger eine Anpassung vornahm. Trotz der Kritik am äußeren Design blieb der Pfarrer seiner Wahl treu und verteidigte Geigenbergers Entwurf. Diese Treue zeigte sich in der festen Beziehung zwischen dem Künstler und dem Geistlichen, die nicht nur das Denkmal, sondern auch das Band zwischen Glaube und Kunst stärkte.

Ein kleines Geheimnis verbirgt sich in der Mariensäule: Geigenberger ließ ein kleines Fach in den Haaren der Marienfigur anfertigen, ein Detail, das der Statue eine besondere mystische Note verleiht. Nur wer aufmerksam ist, kann dieses versteckte Detail entdecken – ein Symbol für die tiefe, unsichtbare Verbindung zwischen Kunst, Glaube und Geschichte.

Mit den Jahren hat der Platz um die Mariensäule seine Bedeutung immer weiter vertieft. Was einst „Schrannenplatz“ hieß, erlangte durch die Marienfigur und ihre symbolische Bedeutung den Namen „Marienplatz“. Heute ist er ein Ort des Innehaltens, des Gebets und der Besinnung, an dem die Dorfener und ihre Besucher immer wieder die Schönheit und die Geschichte dieses einzigartigen Denkmals erleben können.
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8. Dezember 1854 - Bulle ‚Der unaussprechliche Gott‘
Papst Pius IX. verkündet das Dogma von der unbefleckten Empfängnis Mariens: nach der die Gottesmutter Maria von ihrer Geburt an vor jeder Sünde und somit auch vor der Erbsünde bewahrt wurde, weil sie die Mutter Gottes werden sollte.

1863 - Bildhauer Simon Geigenberger
Pfarrer Schmitter, Priesterhausdirektor von Dorfen, erteilt dem Steinmetzmeister und Bildhauer Simon Geigenberger im Sommer 1863 den Auftrag für die Errichtung der Mariensäule: Ein „Marienbild von Kalkstein 5 Fuß hoch“ mit einer „Säule aus Theilen bestehend von Rohrdorfer Marmor in gothischer Architektur” sollte es werden; Kosten: 371 Gulden - ohne Sockel und Eisengitter.

1863 - Bezirksamt gegen Entwurf
An dem Denkmal selbst hat das Bezirksamt der Regierung von Oberbayern, dass die Pläne genehmigen muss, nichts auszusetzen, umso mehr aber an Sockel und Einfassgitter: „.. sowie das dazugehörige Umfassungsgitter nach dem Entwurfe des Wasserburger Steinmetzmeisters Geigenberger zu sehr auch den mäßigsten Ansprüchen aesthetischer Formenbildung zuwiderlaufe, um er ohne gänzliche Um- und Neubearbeitung bei seiner Majestät dem Könige zur allergnädigsten Genehmigung bevorworten zu können.“
Folglich empfiehlt die Regierung von Oberbayern die „Umarbeitung des Entwurfes durch einen künstlerisch mehr gebildeten Techniker zu veranlassen."

1863 - Geheimfach
Pfarrer Schmitter aber bleibt bei Geigenbergers Entwurf: nur das Gitter wird umgestaltet.
Der geschmähte Steinmetz Geigenberger bedankt sich herzlich beim treuen Pfarrer und arbeitet ein kleines Geheimnis in die Mariensäule ein. Auf der Rückseite, in den Haaren Marias, ist ein kleines Fach, ein Deckel, gut verborgen.

28. Juli 1864 - Vollmacht zur Benediktion
Das Ordinariat erteilt am 28. Juli 1864 die Vollmacht zur „Benediktion einer Mutter Gottes Statue”. Damit kann die Mariensäule eingeweiht werden.

14. August 1864 - Einweihung der Mariensäule
Am Vorabend des Fests Mariä Himmelfahrt wird die Mariensäule, anlässlich des 10, Jahrestags der Verkündigung des Dogmas von der „Unbefleckten Empfängnis Mariens“, von Pfarrer Anton Schmitter am Schrannenplatz eingeweiht

Nach 1865 - Marienplatz
Mit den Jahren erhält der Platz mit der Marienstatue den Namen „Marienplatz"; früher hieß er „Schrannenplatz”.

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