Dienstag, 15. April 2025

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Die Marienverehrung – Ein Ausdruck tiefster Frömmigkeit
Maria, die Mutter Jesu Christi, nimmt in der christlichen Frömmigkeit eine einzigartige Stellung ein. Ihre Verehrung entspringt dem tiefen Glauben an ihre besondere Rolle im Heilsplan Gottes. Sie ist die Frau, durch die Gott in die Welt kam, die irdische Mutter des Sohnes Gottes und zugleich das vollkommenste Vorbild für Glaube, Reinheit und Demut.

Die Verehrung Mariens ist dabei stets auf Jesus Christus hin ausgerichtet. Sie soll nicht Maria selbst erheben, sondern betonen, dass Jesus bereits als Gott geboren wurde und nicht erst im Laufe seines Lebens zu Gott erhoben wurde. Ihr Leben ist ein vollkommenes Ja zu Gottes Willen – von der Verkündigung des Engels bis unter das Kreuz.

Maria wird als Jungfrau und Mutter zugleich verehrt. Nach der römisch-katholischen und orthodoxen Lehre bleibt sie nicht nur bis zur Geburt Jesu, sondern auch danach in ihrer Jungfräulichkeit unberührt. Diese Reinheit ist ein Ausdruck ihrer besonderen Erwählung und ihrer vollkommenen Hingabe an Gott.

Besonders hervorgehoben wird Maria durch die Lehre der Unbefleckten Empfängnis: Schon im Leib ihrer Mutter Anna war sie von der Erbsünde befreit und damit vollkommen rein. Sie wird oft als „Tabernakel der Gottheit“ bezeichnet, weil in ihrem Leib Gott selbst Mensch wurde.

Maria ist den Gläubigen aber nicht nur als himmlische Königin fern, sondern als Mutter und Schwester nahe. Sie hat den Weg des Glaubens selbst durchschritten und wird daher um Hilfe und Führung auf dem Weg zu Gott angerufen. In unzähligen Gebeten, Liedern und Litaneien wird sie als Fürsprecherin der Menschen verehrt.

Die Geschichte der Marienverehrung
Die ersten Spuren der Marienverehrung finden sich bereits im 2. Jahrhundert im Protoevangelium des Jakobus, das von der Herkunft und Jugend Mariens berichtet. In dieser frühen Schrift zeigt sich die wachsende Bedeutung Mariens für die christliche Frömmigkeit.

Erst gegen Ende des 4. Jahrhunderts beginnt sich das Gebet zu Maria zu etablieren. Gregor von Nazianz berichtet von einer Frau, die sich in Not an Maria wandte. Besonders Ambrosius von Mailand prägt das Bild der reinen und erhabenen Gottesmutter.

Einen entscheidenden Wendepunkt markiert das Konzil von Ephesus im Jahr 431, auf dem Maria offiziell als „Gottesgebärerin“ (Theotokos) dogmatisiert wird. Diese Entscheidung trägt zur weiteren Intensivierung ihrer Verehrung bei. Fortan wird sie vielerorts als Himmelskönigin verehrt, oft in Anlehnung an die biblische „apokalyptische Frau“ aus der Offenbarung des Johannes, die mit einer Krone aus Sternen auf der Mondsichel steht.

Im 7. Jahrhundert entstehen die ersten Marienfeste und Gebete, darunter das Ave Maria. Die Verehrung verstärkt sich durch die christologischen Streitigkeiten, die Jesus vor allem in seiner göttlichen Natur betonen. Maria erscheint den Gläubigen als vermittelnde Gestalt zwischen Himmel und Erde.

Besondere Blüten erlangt die Marienverehrung in der Zeit der Gegenreformation. Die Jesuiten nutzen sie gezielt zur Stärkung des katholischen Glaubens. In Bayern fördert der Staat die Marienverehrung als Zeichen katholischer Identität – die Schutzheilige Bayerns, die „Patrona Bavariae“, wird in dieser Zeit besonders verehrt.

Im 19. Jahrhundert erlebt die Marienverehrung in der Romantik eine neue Blüte. Die innige Frömmigkeit dieser Epoche findet in Maria ein Symbol für Reinheit, Liebe und Heiligkeit.

Im 20. Jahrhundert tragen vor allem neue geistliche Bewegungen und Papst Johannes Paul II. zur Neubelebung der Marienverehrung bei.

Marienverehrung in Altbayern
Altbayern ist eine Region tief verwurzelt in der Verehrung Mariens. Ihre Spuren finden sich überall: in Kapellen, Wallfahrtskirchen, Marienbildern und Mariensäulen in den Ortszentren.

Die Anfänge der Marienverehrung in Altbayern werden oft auf den heiligen Ruprecht im 8. Jahrhundert zurückgeführt, jedoch lassen sich erste marianische Gnadenbilder erst seit dem 14. Jahrhundert nachweisen.

Eine erste Blütezeit erlebt die Marienverehrung in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Die bedeutendste Marienwallfahrt Altbayerns ist die nach Altötting, die 1489 ihren Ursprung findet. Sie bleibt bis heute ein zentraler Wallfahrtsort und ein Zentrum marianischer Frömmigkeit. Auch Dorfen ist ein wichtiger Ort der Marienverehrung, der sich durch die Jahrhunderte hindurch erhalten hat.

Die Reformationszeit und die Schwedeneinfälle im 16. Jahrhundert sorgen für einen Rückgang der Wallfahrten.

Erst Ende des 17. und besonders in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts erreicht die Marienverehrung in Altbayern ihren Höhepunkt. Kirchen und Kapellen werden mit prachtvollen Marienbildern ausgestattet, und die Zahl der Wallfahrten nimmt stark zu.
Diese Blütezeit dauert bis zum Ende des 18. Jahrhunderts an.

Trotz der Aufklärung und der Säkularisation bleibt die Verehrung Mariens tief im Volk verwurzelt. Bis heute ziehen die Menschen zu den Gnadenbildern, entzünden Kerzen und sprechen ihre Gebete. Die Marienverehrung in Altbayern ist nicht nur ein Relikt der Vergangenheit, sondern eine lebendige Tradition. Auch in der modernen Welt finden viele Menschen in Maria eine geistliche Heimat. Wallfahrten, Maiandachten und das Rosenkranzgebet sind bis heute Ausdruck der Liebe und Verehrung für die Mutter Gottes.

Fazit
Die Marienverehrung ist ein inniges, lebendiges Zeichen des Glaubens. Sie verbindet die Gläubigen mit der himmlischen Mutter, die in Liebe und Barmherzigkeit ihre Fürsprache für die Menschen einlegt. Von den ersten Jahrhunderten des Christentums bis in die Gegenwart hat sich die Verehrung Mariens in vielfältigen Formen entfaltet. Besonders in Altbayern bleibt sie bis heute ein wesentlicher Bestandteil der Volksfrömmigkeit und ein Ausdruck der tiefen religiösen Verwurzelung der Menschen.
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150 - Protoevangelium des Jakobus
Etwa in der Mitte des 2. Jahrhunderts entsteht das Protoevangelium des Jakobus. Darin wird auch die Herkunft und die Jugendzeit von Maria, der Mutter Jesu, dargestellt, insbesondere ihrer Jungfräulichkeit.

390 - Trinitarische Richtung des Christentums wird Staatsreligion
Unter Kaiser Theodosius wird um 390 die trinitarische Richtung des Christentums zur Staatsreligion im Römischen Reich.
Damals beschäftigen sich Kirchenväter intensiv mit Maria, der Mutter Jesu.
Die Idealisierung Marias und der Gedanke zu Maria zu beten geht auf Ambrosius von Mailand zurück.

431 - Konzil von Ephesus
Im Jahre 431 wird Maria durch das Konzil von Ephesus als Gottesgebärerin bezeichnet und dogmatisiert.
Nach diesem Konzil entwickelt sich eine intensivere Marienverehrung, die der Verehrung der „Himmelskönigin“ des Alten Testaments ähnelt.

7. Jahrhundert - Marienverehrung, Ave Maria
Entscheidend für die Entwicklung einer ausgeprägten Marienverehrung sind die christologischen Streitigkeiten, an deren Ende die göttliche Natur Christi stark betont wird, wodurch im Bewusstsein des Volkes die Mittlerstellung Christi praktisch ausfällt.
Zu der menschlich so nahen und geistlich ansprechenden Gestalt Mariens finden die Gläubigen dann viel leichter Zugang und so entstehen im 7.Jh. die ersten Marienfeste und -gebete, wie das Ave Maria.

8. Jahrhundert - Heiliger Ruprecht
Die Gründung der Marienverehrung in Altbayern wird oft dem heiligen Ruprecht aus der agilolfingischer Zeit - dem 8. Jahrhundert - zugeschrieben, z.B. bei der Altöttinger wie bei der Dorfener Marienverehrung.

724 - Erste Marienkirche
Die früheste in Bayern bezeugte Marienkirche ist ein Vorgängerbau des Freisinger Doms. Sie besteht bereits 724, als der heilige Korbinian nach Freising kommt und wird Kathedralkirche des 739 gegründeten Bistums Freising. Geweiht ist sie dem Fest Mariä Geburt am 8. September.

14. Jahrhundert - Marianische Gnadenbilder
Die Entwicklung der Marienverehrung in Altbayern kann man anhand von Wallfahrten und Gnadenbildern darstellen: Es zeigt sich, daß erst seit dem 14.Jh. marianische Gnadenbilder nachweisbar sind.
Die Marienverehrung in Bayern führt im Mittelalter zu vielen Maria geweihten Kirchen und Wallfahrtsorten, z. B. Kloster Ettal, Maria Thalheim und Altötting.

1489 - Altöttinger Marienwallfahrt
Die erste Blütezeit der Marienverehrung erfolgt in der zweiten Hälfte des 15.Jhs., wobei die Altöttinger Marienwallfahrt - 1489 entstanden - bis heute an der Spitze steht.

16./17. Jahrhundert - Reformation und Schwedeneinfall
Die Reformationszeit im 16.Jh. und die Schwedeneinbrüche im 17.Jh. sorgen für einen starken Rückgang des Wallfahrtswesens.

1580er - Gegenreformation
Nach der Reformation beginnt in der römisch-katholischen Kirche die Gegenreformation, in der der Marienkult um die Patrona Bavariae seit den 1580er zu einem Instrument der jesuitischen Gegenreformation wird. Z.B. gehört in Verhören die Frage, ob man seine Fürbitten auch an Maria und die Heiligen richtet, zu den Mitteln, um heimliche Protestanten zu erkennen.
Zahlreiche Marienwallfahrten nehmen in dieser Zeit, vom Staat und den Jesuiten stark gefördert, ihren Anfang.

17./18. Jahrhundert - Höhepunkt der Marienverehrung
Ende des 17. und vor allem in der ersten Hälfte des 18.Jhs. erreicht die Marienwallfahrt- und Verehrung ihren Höhepunkt und dauert bis Ende des 18.Jhs.mit nur leichtem Rückgang an.

1610 - Marienmünze
Die Verehrung Marias als Patrona Bavariae wird besonders von dem sehr religiösen Kurfürst Maximilian I. gefördert, der Bayern unter die Herrschaft Marias stellen will und sich nur als Statthalter Marias sieht.
1610 lässt er eine Münze prägen, die Maria als Schutzpatronin Münchens zeigt.

1616 - Marienstatue „Patrona Boiariae“
Im Jahr 1616 – im Vorfeld des Dreißigjährigen Kriegs – läßt Kurfürst Max an der Westseite der Münchner Residenz die bronzene Marienstatue „Patrona Boiariae“ aufstellen, die nach einem Entwurf von Hans Krumpper im Jahr 1615 von Bartolomäus Wenglein gegossen worden war.
Die Gottesmutter steht mit ihrem rechten Fuß auf der Mondsichel. Das Zepter in ihrer Linken sowie eine hohe Krone weisen Maria als Himmelskönigin aus. Mit ihrer Rechten hält sie das Christuskind. Dieses umfasst mit seiner Linken die kreuzgeschmückte Kosmoskugel als Zeichen seiner Herrschaft über das All. Das Haupt der Gottesmutter ist von zwölf Sternen (Symbol der Zwölf Stämme Israels) umkränzt.
Unter der Statue brennt in einer engelgeschmückten bronzenen Laterne ein Ewiges Licht. Die lateinische Inschrift der von Kinderengeln gehaltenen Kartusche über der Sprenggiebelnische lautet: „Sub tuum praesidium confugimus, sub quo secure laetique degimus“ („In Deinen Schutz wir uns begeben, wo sicher wir und fröhlich leben.“).
Diese Darstellung Mariens ist sehr alt und geht auf eine Stelle in der Offenbarung des Johannes zurück (Offb 12,1 EU).

1638 - Münchner Mariensäule, Mittelpunkt Bayerns
Im Dreißigjährigen Krieg legt Kurfürst Maximilian I. das Gelübde ab, ein „gottgefälliges Werk“ errichten zu lassen, falls München und Landshut vom Krieg verschont bleiben. Nachdem beide Städte im Krieg verschont werden, lässt Maximilian 1638 die Mariensäule aus Adneter Marmor auf dem Münchner Marienplatz errichten.
Die Mariensäule wird am 7. November 1638, dem ersten Sonntag nach Allerheiligen, durch den Freisinger Bischof Veit Adam von Gepeckh geweiht.
Die Mariensäule ist von einer vergoldeten Marienstatue aus Bronze gekrönt, die vermutlich von Hubert Gerhard 1593 für das Grab Wilhelms V. geschaffen und bis 1613 für den Hochaltar der Münchner Frauenkirche verwendet wurde.
Die Marienstatue ähnelt der Bronzestatue an der Residenz – Maria steht auf der Mondsichel, sie ist gekrönt und hält in der Linken das segnende Christuskind, in der Rechten ein Zepter.
Nach diesem Standbild erhält der wichtigste Platz der Münchner Innenstadt auch den Namen Marienplatz.
Die Münchner Mariensäule gilt als Mittelpunkt des Landes Bayern und ist der metrische Nullpunkt der Kilometerzählung aller Straßen, die ins Umland führen.
Mit der Bezeichnung Patrona Bavariae (lateinisch für: Patronin Bayerns) wird die Gottesmutter Maria als Schutzheilige Bayerns verehrt. Ikonographisch entspricht sie einer Mondsichelmadonna. Während eine intensive Marienverehrung in Bayern schon seit frühester Zeit bekannt ist, wurde die formelle Anerkennung Mariens als Patronin Bayerns erst durch Papst Benedikt XV. im Jahr 1916 ausgesprochen.

1715 - Madonnentaler
Die besondere Verehrung der Gottesmutter findet im 18.Jh. auch im bayerischen Münzwesen ihren Niederschlag.
Schon Kurfürst Maximilian II. Emanuel lässt 1715 erste Münzen mit einer Darstellung Mariens auf der Rückseite prägen.
Vor allem unter den Kurfürsten Maximilian III. Joseph (1745–1777) und Karl Theodor (1777–1799) finden die Madonnentaler dann weite Verbreitung.
Sie zeigen jeweils auf der Vorderseite das Herrscherporträt und auf der Rückseite eine Madonna mit Kind im Strahlenkranz.
Bei der katholischen Bevölkerung wird diesen Münzen besondere Heilkräfte zugesprochen und wird deshalb gerne als Amulettmünze verwendet oder zur Heilung auf Wunden gelegt. Außerdem kratzen die Menschen Silber von Madonnentalern ab, das man dann in Tinkturen oder Salben mischt und den Kranken zur Heilung gibt.

1916/1970 - Marienfest am 14. bzw. 1. Mai
Der bayerische König Ludwig III. wendet sich während des Ersten Weltkriegs an Papst Benedikt XV. mit der Bitte, auch der Heilige Stuhl möge die Jungfrau und Gottesmutter Maria zur Schutzpatronin Bayerns erklären und ein bayerisches Marienfest zulassen.
Papst Benedikt gewährt beide Bitten am 26. April 1916. Im Dekret des Papstes heißt es: „An hervorragender Liebe und treuer Hingabe zur allerseligsten Jungfrau und Gottesmutter steht das bayerische Volk gewiß keiner anderen katholischen Nation nach“.
Schon am 14. Mai, bzw. an dem diesem Montag folgenden nächsten Sonntag, 20. Mai, desselben Jahres wird das Fest erstmals in München gefeiert; ab 1917 dann in allen bayerischen Diözesen.
Der heute gebräuchliche Termin, der 1. Mai, wird von der Freisinger Bischofskonferenz im Jahr 1970 eingeführt.

1988 - Lied „Patrona Bavariae“
Im Jahr 1988 erreicht das Original Naabtal Duo mit dem Lied „Patrona Bavariae“ einen der größten Verkaufserfolge in der Geschichte der deutschen volkstümlichen Schlagermusik. Der Text verbindet den Liebeskummer eines Bayern mit der Anrufung Mariens als Patrona Bavariae.
Die Medienpräsenz und Bekanntheit des Liedes ist derart groß, dass ihm der Durchbruch des volkstümlichen Schlagers auf dem deutschen Musikmarkt zugeschrieben wird.

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