Samstag, 12. April 2025

Landrichter, Amtsrichter und Assessor

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Wenn ich durch die Straßen von Dorfen gehe, spüre ich den Hauch vergangener Jahrhunderte. Die alten Gemäuer und das Pflaster, das so viele Schritte trug, flüstern mir Geschichten zu. Es ist, als ob die Zeit hier innehält und mich einlädt, die fernen Echos von Macht und Recht, von Verantwortung und Wandel zu hören.

Ich sehe vor meinem inneren Auge die stolzen Herzöge der Wittelsbacher, die um 1230 nach der Gründung des Marktes Dorfen hier ein herzogliches Gericht, ein Ort, der Recht und Ordnung bringt, der das Leben der Menschen lenkt und schützt, errichten.

Seit 1307 reihen sich die Namen der Landrichter wie Perlen auf einer Kette aneinander. Sie sind nicht bloß Titel, sondern Zeugen einer Ära, in der Adelige aus der Umgebung – von den Zeilhofenern bis zu den Westachern – diese bedeutenden Aufgaben übernahmen. Sie verwalten Zoll und Gericht mit Würde und prägen Dorfen über Jahrhunderte.

Doch wie alles, so bleibt auch das Gerichtswesen nicht unverändert. Die Jahre um 1803 bringen mit der Übertragung der Verwaltungsaufgaben an Erding eine Zäsur. Hoffnung keimt jedoch auf, als das Landgericht Dorfen 1858 feierlich neu eröffnet wird. Es scheint ein neues Kapitel anzubrechen, getragen von Reformen und den ersten Notariaten.

Doch der letzte Akt der Geschichte ist bittersüß. Der Übergang zum Amtsgericht 1879 markiert zwar einen Fortschritt, doch die schwindende Bedeutung führt schließlich zur endgültigen Aufhebung des Gerichts im Jahr 1960. Es bleibt nur die Erinnerung, lebendig in den alten Aufzeichnungen und im Geist dieser Stadt.

So blättere ich durch das Verzeichnis der Land- und Amtsrichter von Dorfen. Es ist wie das Öffnen eines alten Buches, dessen Seiten den Duft von Geschichte tragen. Jede Zeile erzählt von den Menschen, die hier Recht sprachen, von den Herausforderungen ihrer Zeit und den Veränderungen, die Dorfen formten. Ihre Namen sind in das Fundament dieser Stadt eingeschrieben, und es ist, als würden sie mir zuflüstern: Erinnere dich an uns.
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1230 - Zollstätte und Landgericht, Blutgerichtsbarkeit
Um 1230 errichtet Herzog Ludwig in Dorfen ein Mautamt mit Zoll, dass von den Landrichtern des ebenfalls hier errichteten Landgerichts verwaltet wird.
Die Blutgerichtsbarkeit belässt der Herzog bei seinem Landshuter Vitzthum.

1231 bis 1803 - Niedere Gerichtsbarkeit
Der Markt Dorfen hat über seine Bürger die niedere Gerichtsbarkeit, die in den herzoglichen Marktprivilegien immer wieder bestätigt werden.
Kleine Strafsachen und Übertretungen der polizeilichen Vorschriften werden von Kammerer und Rat verhandelt und abgestraft.
Auch die Beurkundung der Käufe und Übergaben werden von dem Marktschreiber vorgenommen, und die Urkunden mit dem Siegel des Marktes ausgefertigt.

Landgericht von 1230 bis 1803
1583 bis 1585 - Christoph Ernst zu Hagstorf
1602 bis 1639 - Hieronymus Renz
1639 bis 1650 - Marx Heinrich Pfundtmer
1756 bis 1803 - Vakanz Landgericht

1803 - Auflösung des Landgerichts
Dorfen verliert im Zuge der Säkularisation seine viele Jahrhunderte gehabte Bedeutung als Sitz eines Landgerichts. Auch die Niedere Gerichtsbarkeit des Marktes erlischt.

1858 - Eröffnung des Landgerichts Dorfen
Das Landgericht Dorfen, nun wieder von Erding getrennt, ist Verwaltungs- und Justizbehörde für den Markt und 18 Gemeinden im Umkreis.

Landgericht von 1858 bis 1879
1858 bis 1872 - Karl Mayer, Landrichter
1858 bis 1876 - Johann Bapt. Lammerer, Assessor
1872 bis 1875 - Willibald Steeger, Landrichter
1876 bis 1879 - Franz Schülein, Landrichter
1876 bis 1879 - Michael Kückinger, Assessor; dann Amtsrichter in Dorfen.

1879 - Amtsgericht Dorfen
Das Landgericht Dorfen wird am 1. Oktober 1879 zum Amtsgericht.

Amtsgericht von 1879 bis 1960
1879 bis 1889 - Konrad Koller, Oberamtsrichter
1879 bis 1897 - Michael Kückinger, Amtsrichter
1889 bis 1899 - Franz X. Sizzo, Oberamtsrichter
1897 bis 1899 - Max Zimmermann, Amtsrichter; dann Oberamtsrichter
1899 bis 1918 - Max Zimmermann, Oberamtsrichter
1899 bis 1902 - Stephan Zöller, Amtsrichter
1902 bis 1917 - Ludwig Freiherr von Schatte, Amtsrichter
1918 bis 1931 - Friedrich Frech, Oberamtsrichter
1919 bis 1922 - Dr. Paul Scheppler, Amtsrichter
1922 bis 1946 - Friedrich Geißendörffer, Amtsrichter
1931 bis 1933 - Ludwig Gerheuser, Oberamtsrichter
1933 bis 1937 - Dr. Willibald Gehrlein, Oberamtsrichter
1937 bis 1950 - Anton Drexler, Oberamtsrichter
1946 bis 1960 - Vakanz Amtsrichter
1950 bis 1960 - Vakanz Oberamtsrichter

1960 - Auflösung des Amtsgerichts
Das Amtsgericht Dorfen wird 1960 aufgelöst.

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