Die Stepfen in Dorfen, jene ehrwürdigen Stufen, die sich vom geschäftigen Johannisplatz empor zur Wallfahrtskirche Maria Dorfen ziehen, sind weit mehr als bloße Treppen. Sie sind ein lebendiges Symbol des Glaubens, ein Pfad, der die Pilger seit Jahrhunderten auf eine seelische Reise mitnimmt. Jede Stufe trägt die Spuren von Hingabe, Buße und Hoffnung, eingebettet in die Geschichte des „heiligen Berges“, wie der Ruprechtsberg in der Zeit des bayerischen Kurfürstentums ehrfürchtig genannt wird.
Dorfen, einst der zweitwichtigste Wallfahrtsort nach Altötting, zieht Gläubige aus nah und fern an. Sie kommen mit schweren Herzen und flehenden Gebeten, steigen betend die lange Treppe hinauf zum Gnadenbild Mariens. Mit jedem Schritt hinauf klettern sie nicht nur symbolisch gen Himmel, sondern lassen auch die Last ihres Alltags hinter sich. Die 150 Stufen fordern Kraft und Ausdauer – körperlich wie geistig. Doch sie schenken zugleich den Trost, dass der Glaube selbst die höchsten Hindernisse überwinden kann.
Heute säumen 15 Granitstelen den Weg auf der linken Seite der Stepfen. Ihre bronzenen Bildreliefs, die die Geheimnisse des Rosenkranzes zeigen, laden dazu ein, innezuhalten und zu verweilen. Die freudenreichen Geheimnisse erzählen von der Menschwerdung Gottes und dem verborgenen Leben Jesu, die schmerzhaften erinnern an sein Leiden und Sterben, und die glorreichen feiern seine Auferstehung und die Herrlichkeit im Himmel. Es ist ein meditativer Dialog zwischen den Pilgern und dem Göttlichen, der Schritt für Schritt, Gebet für Gebet, tiefer in die Herzen dringt.
Die Pilger bewältigen die 150 Stufen in einem Rhythmus, der dem Rosenkranz folgt: Jeweils zehnmal betrachten sie die Geheimnisse des Lebens Jesu, bis sie schließlich die Wallfahrtskirche erreichen. Hier, vor dem Gnadenbild Mariens, finden sie den Höhepunkt ihrer Andacht. Doch die Wallfahrt endet nicht oben. Nach Gebet und Buße steigen die Gläubigen zurück hinab in die Stadt, in ihren weltlichen Alltag und nicht selten in die gastfreundlichen Wirtschaften, die Dorfen für seine Besucher bereithält.
Die Stepfen, die erst 1886/87 aus Holz in Stein gehauen werden, strahlen heute eine zeitlose Beständigkeit aus. Doch ihre Essenz bleibt dieselbe: ein Ort der Einkehr, des Gebets und der inneren Reinigung. Sie erzählen von der Verbindung zwischen Himmel und Erde, von der Kraft des Glaubens, die jede Stufe leicht macht, und von der Sehnsucht der Menschen, Gott näher zu sein. Die Stepfen von Dorfen – ein stilles, aber kraftvolles Denkmal gelebter Spiritualität, das in jeder Seele weiterklingt, die es betritt.
Perlen des Rosenkranzgeheimnisses
In Dorfen erhebt sich der Rosenkranz wie ein leuchtender Strom des Glaubens, der die Herzen der Gläubigen erfasst und sie in eine tiefe Verbindung mit Gott führt. In andächtiger Stille beginnen die Pilger ihr Gebet mit dem Kreuzzeichen, bei dem sie die heilige Dreifaltigkeit anrufen: „Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.“ Mit dem Kreuz in der Hand sprechen sie das Apostolische Glaubensbekenntnis, ein kraftvolles Bekenntnis, das die Grundpfeiler ihres Glaubens zusammenfasst. Es ist ein Moment der Vergewisserung, dass ihre Schritte auf festem, von Gott geweihtem Boden ruhen.
An der ersten großen Perle des Rosenkranzes rezitieren sie das „Ehre sei dem Vater“, ein Lobpreis, der Himmel und Erde verbindet, gefolgt vom Vaterunser, in dem sie ihre Bitten mit der himmlischen Ordnung verweben. Sie bitten um das tägliche Brot und um Vergebung, während ihre Herzen in Demut vor Gott knien.
Die drei kleinen Perlen stehen im Zeichen der Tugenden. Mit jedem „Ave Maria“, das sie sprechen, fügen sie eine Bitte ein: „Jesus, der in uns den Glauben vermehre,“ „Jesus, der in uns die Hoffnung stärke,“ „Jesus, der in uns die Liebe entzünde.“ Diese Worte, wie ein sanftes Flüstern in der Morgenluft, lassen das Vertrauen in Gottes Gegenwart wachsen.
Dann beginnt der Herzschlag des Rosenkranzes – die fünf Gesätze, gegliedert in Zehnergruppen, die jeweils mit einem „Ave Maria“ erfüllt sind. Nach jedem „Jesus“ verweben sie die Geheimnisse des Glaubens in ihre Gebete. Die freudenreichen Geheimnisse feiern die Menschwerdung Gottes und das Leben Jesu: die Verkündigung, die Begegnung mit Elisabeth, die Geburt in Betlehem, die Darbringung im Tempel, das Wiederfinden Jesu im Tempel. Mit jedem Geheimnis tauchen die Pilger tiefer in die Heilsbotschaft ein, während die Worte des Gebets wie ein heiliger Gesang durch Dorfen hallen.
In den schmerzhaften Geheimnissen teilen sie das Leiden Christi: die Qual des Blutschweißens, die Geißelung, die Dornenkrönung, das Tragen des Kreuzes, die Kreuzigung. Ihre Stimmen werden schwerer, und doch sind sie erfüllt von der Hoffnung, dass das Leiden Christi Erlösung bringt.
Die glorreichen Geheimnisse führen sie schließlich in das Licht der Auferstehung. Sie betrachten den auferstandenen Christus, seine Himmelfahrt, die Sendung des Heiligen Geistes, die Aufnahme Mariens in den Himmel und ihre Krönung. Es ist ein Aufstieg zur Herrlichkeit, der sie mit neuem Mut erfüllt, während ihre Stimmen wieder heller werden.
Abgeschlossen wird jeder Zehner mit einem ehrfurchtsvollen „Ehre sei dem Vater“. So gleicht der Rosenkranz einer perlengleichen Kette des Gebets, die die Gläubigen durch Schmerz und Freude, durch Vergebung und Hoffnung führt. Während die Pilger die Stepfen hinaufsteigen, wird jedes Gebet ein Schritt näher zu Maria und zu Gott – eine seelische Pilgerreise, die den Alltag hinter sich lässt und die Seele erhebt.
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Um 1025 - Marienkapelle
Auf der Spitze des "Ruprechtsberges" wird zur Huldigung der Kaiserinwitwe um 1025 eine kleine Marienkapelle errichtet.
1401 bis 1500 - Stepfen
Die Wallfahrer früherer Zeiten kommen meist vom Markt herauf über die Stepfen (Name seit dem 15. Jh. bezeugt!), die Bergstiege mit den symbolischen 150 Stufen (= Strophen von drei Rosenkränzen), die unter Gebet und Meditation an den Kreuzwegstationen erklommen wird.
1886 bis 1887 - Steintreppen
1886/87 werden die alten Holzstufen durch Steintreppen ersetzt. Dazu werden sie von 15 Granitstelen mit bronzenen Bildreliefs des Rosenkranzgeheimnisses auf der linken Seite der Stepfen begleitet.
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„Kommen Sie mit? Schauen Sie es sich an – hier entlang!“
„Kommen Sie mit? Schauen Sie es sich an – hier entlang!“

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