Donnerstag, 20. März 2025

Schulterwunden-Kapelle

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Hoch über Dorfen, sanft eingebettet auf dem Ruprechtsberg, erhebt sich die Schulterwunden-Kapelle, ein stiller Ort, der von der Geschichte und der Andacht durchzogen ist. Im Jahr 1715 wurde sie im Rahmen der barocken Erweiterungen über dem gotischen Karner erbaut und als „Totenkapelle“ geweiht. Doch es war erst 1718, als der bedeutende Name „Schulterwunden-Kapelle“ den Raum erfüllte, ein Name, der die besondere Statue Jesu bezeichnet, die dort seitdem verehrt wird – der Christus mit den leidvollen Wunden an seinen Schultern. Diese Statue, ein Meisterwerk des Bildhauers Johann Ferdinand Hartmann, wurde von Franz Ignaz Reiter in lebendigen Farben gefasst und ist bis heute ein zentrales Element der Kapelle.

Der Ursprung dieser Kapelle liegt in der tiefen Frömmigkeit der Allerseelenbruderschaft, die den Bau initiierte und stiftete, wodurch sie auch zeitweise den Namen „Allerseelen-Kapelle“ trug. Doch die Zeit und die Geschichte haben ihr Gesicht mehrfach verändert. 1867 schuf der Münchener Bildhauer Christian Keil weitere Heiligenfiguren, die in den neuromanischen Altar eingefügt wurden, darunter die heiligen Sylvester, Rupert, Sebastian und Florian, die gemeinsam mit Kirchenlehrern wie Papst Gregor und Bischof Ambrosius in der Kapelle einen ehrwürdigen Rahmen bildeten.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Kapelle zur Gedächtnisstätte für die gefallenen Krieger umgestaltet und erhielt die Bezeichnung „Kriegergedächtnis-Kapelle“. Weitere Renovierungen folgten, und Ende der 1960er Jahre erlebte sie eine umfassende Neugestaltung im neuromanischen Stil unter Erwin Schleich. Dabei wurden Heiligenfiguren und Teile des ehemaligen Hochaltars der Wallfahrtskirche eingebaut, wodurch die Kapelle erneut in einem neuen Glanz erstrahlte.

Trotz all dieser Veränderungen blieb der tiefere spirituelle Sinn dieser Kapelle erhalten: Die Darstellung des Schulterwunden-Christus, der das schwere Kreuz mit all seinen Schmerzen und Opfern trägt, erinnert an das Mitgefühl und die Opferbereitschaft Christi. Diese Kapelle ist mehr als nur ein architektonisches Kunstwerk – sie ist ein Ort, an dem das Leiden und die Erlösung Jesu auf einzigartige Weise miteinander verbunden sind. Und so wird sie heute wieder als Kapelle des Schulterwunden-Christus verehrt, ein Symbol für das menschliche Leiden und die tiefe Demut des Erlösers, der im Angesicht seiner Qualen die unendliche Liebe zu den Menschen zeigte.
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1715 - Totenkapelle
Im Zuge der barocken Erweiterungsbauten auf dem Ruprechtsberg entsteht über den gotischen Karner die "Totenkapelle” südlich der Marienkirche.
Da die Allerseelenbruderschaft den Bau veranlaßt und gestiftet hat, nennt man die Kapelle auch "Allerseelen-Kapelle”.

Ab 1718 - Schulterwunden-Kapelle
Ab 1718 nennt man die Totenkapelle "Schulterwunden-Kapelle", da von dieser Zeitpunkt an bis heute eine Heilandsstatue mit der Schulterwunde darin steht.
Die Statue wird vom Bildhauer Johann Ferdinand Hartmann aus Wasserburg in der Fassung des Dorfener Malers Franz Ignaz Reiter geschaffen.

1867 - Assistenzfiguren
Die Assistenzfiguren hll. Sylvester und Rupert, hll. Sebastian und Florian sowie die Kirchenlehrer Papst Gregor, Bischof Ambrosius, Bischof Augustinus und der hl. Hieronymus werden 1867 vom Münchener Bildhauer Christian Keil für den neuromanischen Hochaltar der Pfarrkirche geschaffen und nach dessen Abbruch

1921/22 - Kriegergedächtnis-Kapelle
Die Schulterwunden-Kapelle wird nach dem ersten Weltkrieg renoviert und zur Gedächtnisstätte für die gefallenen Krieger umgewandelt und heißt von 1921/22 an "Kriegergedächtnis-Kapelle”.

1957 - Renovierung
1957 erfolgt eine Renovierung.

1963 bis 1971 - Altarversetzung
Der neoromanische Hochaltar (1868) der Pfarrkirche wird im Zuge der Renovierung von 1963-1971 in die Schulterwunden-Kapelle versetzt.
In dessen Zentrum ist jetzt die Darstellung des Schulterwunden-Christus von 1718 vom Wasserburger Bildhauer Johann Ferdinand Hartmann, gefasst durch den Dorfener Maler Franz Ignaz Reiter.
Ausserdem werden im Innern  der Schulterwunden-Kapelle auch die Figuren des ehemaligen Hochaltar der Pfarrkirche des Münchner Bildhauers Christian Keil aus dem Jahr 1867 aufgestellt.

1960er - Schulterwunden-Kapelle
Die Kriegergedächtnisstätte wird ab den 1960er wieder als Kapelle des Schulterwunden-Christus bezeichnet.
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„Kommen Sie mit? Schauen Sie es sich an – hier entlang!“

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