Samstag, 22. März 2025

Fürmetzkapelle

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Es ist ein kühler Herbstmorgen im Jahr 1878, als Martin Scheicher zusammen mit seiner Frau Babette endlich das verwirklicht, was ihnen über Jahrzehnte ein Herzensanliegen war – der Bau einer kleinen Kapelle am Rande des Möslfelds, in der Nähe ihres Gutes.

Die Morgensonne taucht die Lindenallee in ein sanftes, goldenes Licht, während die Handwerker die letzten Arbeiten an der Kapelle vollenden. Diese Kapelle, die dem Fürmetzholz nahe ist, soll ein Marienheiligtum werden, ein Ort des Friedens und der Andacht. Seit vielen Jahren träumt Martin davon, ein sichtbares Zeichen seines tiefen Glaubens und seiner Dankbarkeit gegenüber dem Leben und der Natur zu setzen.

Schon 1854 hegt Martin, der das Kaufhaus seines Vaters übernommen hat, den Wunsch, eine kleine Kapelle zu errichten. Doch das Landgericht in Erding verweigert ihm die Genehmigung, und so bleibt ihm nichts anderes übrig, als diesen Traum vorerst ruhen zu lassen. Doch die Jahre vergehen, und mit ihnen wächst in Martin und Babette der Wunsch, einen Ort der Besinnung zu schaffen, immer weiter. Als 1864 bei der Erbteilung nach dem Tod seines Vaters Johann Nepomuk Scheicher das Möslgut mit dem Blindhamerhof in Martins Besitz übergeht, reift der Plan in ihm, an diesem besonderen Ort sein Vorhaben zu verwirklichen.

Es dauert weitere 14 Jahre, bis es schließlich so weit ist. Die Fürmetz-Kapelle erhebt sich nun stolz am Rande des Waldes, ein kleiner Satteldachbau, der durch seine Einfachheit und Schönheit beeindruckt. Das profiliertes Gesims und das Okulusfenster im Giebel verleihen der Kapelle eine schlichte Eleganz, und die Jahreszahl „1878“ markiert das Jahr ihrer Erbauung. Im Inneren strahlt der Altar aus Eichenholz mit seinem neugotischen Rankenwerk eine ganz besondere Wärme aus. Die feinen Schablonenmalereien an den Wänden fangen das Licht ein und schaffen eine friedliche, fast mystische Atmosphäre.

Für die Scheichers ist die Errichtung der Kapelle nicht nur ein persönliches, sondern auch ein spirituelles Denkmal. Sie wollen der Gemeinschaft, die ihnen so viel bedeutet, einen Ort schenken, an dem die Menschen in stiller Einkehr Trost und Hoffnung finden können. Und tatsächlich, die Kapelle wird schnell beim Volk sehr beliebt. Die Menschen aus der Umgebung kommen zu diesem kleinen Heiligtum, um zu beten, zu danken und innere Ruhe zu finden. Die Kapelle wird zu einem Symbol für die tiefe Frömmigkeit und Großzügigkeit der Familie Scheicher.

Doch das Leben bleibt nicht stehen. Fünf Jahre nach der Einweihung der Kapelle, im Jahr 1883, verkauft Martin sein Kaufhaus und zieht sich mit Babette nach München als Privatier zurück. Die Fürmetz-Kapelle aber bleibt als sein Vermächtnis zurück, ein ewiges Zeichen seiner tiefen Verbundenheit mit der Heimat und dem Glauben.

Im Laufe der Jahre überdauert die kleine Kapelle die Stürme der Zeit, und 1982/83 wird sie aufwändig renoviert. Am 2. Oktober 1983 wird sie schließlich von Pfarrer Wiesbeck feierlich eingeweiht, und vier Jahre später wird ihr mit dem Fassadenpreis des Landkreises Erding eine besondere Ehre zuteil.

Doch die Geschichte der Fürmetzkapelle ist nicht nur eine von der Erbauung, sondern auch von Schicksal und Verlust geprägt. Am 21. Juli 2012 geschieht das Unfassbare: Ein Feuer, entfacht durch Brandstiftung, zerstört die Kapelle völlig. Der Verlust ist nicht nur für die Eigentümerfamilie Braun, sondern für die gesamte Gemeinschaft ein schwerer Schlag. Die Kapelle war mehr als ein Bauwerk; sie war ein Symbol der Hoffnung und des Glaubens, ein Ort, der die Herzen der Menschen verband.

In dieser dunklen Zeit erhebt sich der Historische Kreis Dorfen. Sie sammeln Spenden für die Sanierung und unterstützen die Eigentümerfamilie Braun bei der originalgetreuen Restaurierung der Kapelle. Mit viel Hingabe und Einsatz wird die Fürmetz-Kapelle wiederaufgebaut. Die Ausmalung im Stil der Neugotik wird von Elisabeth und Ludwig Keilhacker vollendet. Ihre kunstvollen Arbeiten verleihen dem Inneren der Kapelle eine neue, strahlende Schönheit.

Der Altar wird von den talentierten Handwerkern Martin Peterbauer und Wenzel Müller geschaffen. Ihre geschickten Hände geben dem Altar eine besondere Anmut. Helmut Stöhr sorgt für die Fassung des Altars und des Altarbilder, welches die Dorfener Madonna zeigt. Sie trägt eine Krone und ein Zepter als Himmelskönigin, und zu ihren Füßen stehen die heilige Barbara und der heilige Martin, die Namenspatrone der Stifter.

Im Jahr 2017, nach jahrelanger Restaurierung, wird die Kapelle feierlich eingeweiht. Gläubige ziehen in einem Bittgang zur Kapelle, und Pater Janusz Gadek hält eine feierliche Maiandacht, die die Menschen erneut miteinander verbindet und die Wiedererstehung des Ortes feiert. Die Fürmetzkapelle wird nicht nur als Bauwerk wiedergeboren, sondern auch als lebendiger Raum des Glaubens und der Gemeinschaft.

Für die Schönheit und den Erhalt der Kapelle wird der Eigentümerfamilie Braun im selben Jahr der Fassadenpreis des Landkreises Erding verliehen. Dieser Preis ehrt nicht nur die äußerliche Gestaltung, sondern auch das Engagement der Gemeinschaft, das die Fürmetz-Kapelle wieder zu einem Ort der Besinnung und des Glaubens gemacht hat.

So bleibt die Geschichte der Fürmetzkapelle nicht nur ein Zeugnis von Glauben und Hoffnung, sondern auch von der unerschütterlichen Kraft einer Gemeinschaft, die durch die Stürme der Zeit zusammensteht. Sie wird zum ewigen Zeichen der tiefen Verbundenheit mit der Heimat, einem Ort, der immer wieder die Herzen der Menschen berührt.
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1854 - Kaufhaus beim Scherer
Martin Scheicher übernimmt 1854 das Kaufhaus beim Scherer von seinem Vater den Posthalter und Bürgermeister Johann Nepomuk Scheicher.

1864 - Möslgut
Martin Scheicher erhält 1864 nach dem Tode des Vaters bei der Erbteilung das Möslgut mit dem Blindhamerhof mit 115 Tagwerk Grund.
Martin Scheicher will eine kleine Kapelle, mehr einem Bildstock ähnlich, in der Nähe seines Gutes errichten; das Landgericht Erding verweigert die Genehmigung.

1878 - Kapelle am Fürmetzholz
1878 können Martin und Babette Scheicher endlich eine Kapelle östlich der Einöde Möslgut an der Lindenallee am Eingang zum Fürmetzhölzl am Waldrand als Marienheiligtum  errichten. Es wird ein Satteldachbau mit profiliertem Gesims und Okulusfenster im Giebel, ausgestattet mit einem Altar aus Eichenholz mit neugotischem Rankenwerk und Schablonenmalerei.
Die Fürmetz-Kapelle wird beim Volke sehr beliebt.

1883 - Privatier in München
1883 verkauft Martin Scheicher sein Kaufhaus und zieht als Privatier nach München.

1982/1983 - Renovierung
1982/83 wird die Fürmetz-Kapelle renoviert und am 2.10.1983 vom Oberdorfener Pfarrer Gottfried Wiesbeck eingeweiht.

1987 - Fassadenpreis
1987 erhält die Fürmetzkapelle den Fassadenpreis des Landkreises Erding.

2012 - Brandstiftung
Am 21.07.2012 brennt die Kapelle infolge einer Brandstiftung völlig aus.
Der Historische Kreis Dorfen sammelt Spenden für die Sanierung und unterstützt die Eigentümerfamilie Braun bei der originalgetreuen Restaurierung.

2017 - Fassadenpreis
Nach der Renovierung im Stil der Neugotik durch Elisabeth und Ludwig Keilhacker mit einem Altar von Martin Peterbauer und Wenzel Müller, wird die Kapelle von Pater Janusz Gadek eingeweiht.
Das Altarbild zeigt die Dorfener Madonna mit Krone und Zepter als Himmelskönigin, zu ihren Füßen die heilige Barbara und der Heilige Martin, Namenspatrone der Stifter.
Noch 2017 erhält die Eigentümerfamilie Braun den Fassadenpreis des Landkreises Erding.
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„Kommen Sie mit? Schauen Sie es sich an – hier entlang!“

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