Seit die Bräuche des Faschings hier Fuß gefasst haben, erlebe ich, wie meine Gemeinschaft in diesen Wochen des Jahres enger zusammenrückt. Die Ursprünge reichen weit zurück – bis ins 13. Jahrhundert, als die Menschen den „Fastenschank“ begingen, den letzten Ausschank vor der Fastenzeit. Es war die Zeit des Feierns, des Verkleidens und der Musik. Der Fasching bringt eine warme Vorfreude auf die Fastenzeit, die mit dem Aschermittwoch beginnt, und führt uns immer wieder vor Augen, wie wichtig der Augenblick und das Zusammensein sind.
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955 - Laurentius-Kult, Hemadlenz
Der Laurentius-Kult in Deutschland verbreitet sich nach dem Sieg König Ottos I. gegen die Ungarn in der Schlacht auf dem Lechfeld bei Augsburg, die am Laurentiustag, dem 10. August 955, stattfindet.
Der heilige Lenz, hochdeutsch Lorenz, hat auf Bildern in den Kirchen ein meist weisses Hemd, die Dalmatika, an und so wird in Bayern der Begriff Hemadlenz für einen Menschen, der nur mit einem Hemd bekleidet ist, verwendet.
12. bis 16. Jahrhundert - Narrenfeste
Im mittelalterlichen Europa feiert man vom 12.Jh. bis zum Ende des 16.Jhs. „Narrenfeste“ um den Epiphaniastag, den 6. Januar.
Zwar finden solche Feste auch in Kirchen statt, sie sind jedoch keine kirchlichen Feste. Dabei übernehmen die unteren Kleriker vorübergehend Rang und Privilegien der höheren Geistlichkeit. Kirchliche Rituale werden parodiert. Selbst ein „Papst“ wird gekürt. Während der Karnevalstage sind Narren- oder Eselsmessen weit verbreitet.
In Gestalt von Prozessionen werden auch die Bewohner der Städte am Fest beteiligt.
12. bis 16. Jahrhundert - Staat des Teufels
Die mittelalterliche Fastnacht wird auf die augustinischen Lehren in seinem Werk De civitate Dei zurückgeführt. Die Fastnacht steht dabei für die civitas diaboli, den Staat des Teufels.
Die oftmals ausartende Fastnacht wird von der Kirche als didaktisches Beispiel geduldet, um zu zeigen, dass die civitas diaboli wie auch der Mensch vergänglich ist und am Ende Gott siegreich bleibt.
1206 - Erste schriftliche Erwähnung der „Fasnaht“
Im Parzival des Minnesängers Wolfram von Eschenbach von 1206 heißt es, dass die koufwip zu Tolenstein an der fasnaht nie baz gestriten hätten.
Wolfram von Eschenbach beschreibt dort mit blumigen Worten, wie die Frauen rund um die Burg der Grafen von Hirschberg-Dollnstein am Donnerstag vor Aschermittwoch groteske Spiele, Tänze und Verkleidungen vollführen.
1296 - Erste Unwesen der Fastnacht
Im Jahr 1296 hat man das Unwesen der Fastnacht etwas zeitig angefangen. Darinn etliche Burger in einer Schlegerey mit der Clerisey Gesind das ärgst davon getragen. Hernach die Sach beschwerlich dem Rhat angebracht und umb der Frevler Bestrafung gebetten.
Clerisey Gesind meint die Bediensteten des Bischofs und des Domkapitels, also der Kleriker, in der Domimmunität.
Der Rat zwingt den Dompropst, das geistliche Gesinde zur Bestrafung herauszugeben.
14./15. Jahrhundert - Erste Narren
Im ausgehenden 14. und 15.Jh. wird im deutschen Raum Fastnacht gefeiert, so z.B. die Nürnberger Schembartläufe.
Um diese Zeit findet auch der Narr Einzug in die Fastnacht, der im didaktischen Sinne der Fastnacht auf die Vergänglichkeit hinweisen soll.
1353 - Erstes Verbot von Bier und Wein
Am 26. Oktober 1353 verbietet der Erzbischof Wilhelm von Gennep den Klerikern und Ordensleuten Bier und Wein zu Karneval zu verkaufen oder auszuschenken.
Im Juni 1369 wird das Verbot im Rahmen eines Kompromisses wieder aufgehoben.
1412 - Erstes Verbot von Spiel und Tanz
Der Kölner Stadtrat verbietet wiederholt den „Mummenschanz“, so zum 1. Juli 1412, als ein Verbot des Kölner Rats in Kraft tritt, Spiele und Tänze an geheimen Orten und in Zunfthäusern ohne Wissen und Willen der Zünfte abzuhalten.
1515 bis 1618 - Fastnacht gerät in Vergessenheit
Die Reformation stellt die vorösterliche Fastenzeit in Frage. Die Fastnacht verliert damit ihren Sinn. In protestantischen Gegenden geraten viele Bräuche zum Teil wieder in Vergessenheit.
1650 bis 1750 - Höfische Karnevalsfeste
Im Barock und Rokoko werfen vor allem auf Schlössern und an den Fürstenhöfen Karnevalsfeste gefeiert, deren Masken sich stark an die italienische Commedia dell’arte anlehnen.
1686/1709/1732/1737 - Karfreitagsprozession
Die Anschaffungen von Kleidungsstücken und Waffen, von allegorischen Figuren und Gegenständen für die Karfreitagsprozessionen in Dorfen, wie z.B. 1686 ein neuer Rock für Maria Magdalena, 1709 neue Kleider und ausgebesserte Larven für die drei Teufel, 1732 einen frischen Strick zum Aufhängen des Judas und 1737 ein Baum des Lebens mit sechs Äpfeln und ebensovielen Totenköpfen lassen die Liebe erkennen, mit der die Dorfner dieses Spiel ausgestalten.
18. Jahrhundert - Fastnacht der Zünfte
In den Städten richten vermehrt Handwerkszünfte und dort insbesondere die jungen Gesellen die Fastnacht aus.
1724 - Franz Antoni Farmer überschreitet gebührenden Grenzen
1724 kommt der Kürschnerssohn Franz Antoni Farmer in der Fastnachtszeit in der „Maßgrati” (Maskerade) in die Behausung des Lorenz Mayr Pierpreu (Jakobmayr) und erlaubt sich verschiedene Ungehörigkeiten, Hineinschlagen auf den Tisch, Umkehren des Bierkruges. Der Wirt gibt ihm dafür einige Ohrfeigen.
Nun werden beide am 20. Mai 1724 vor Kammerer und Rat verhandelt; der Wirt erhält einen Verweis und eine geringe Geldstrafe, Farmer muß eine Stunde lang mit Händen und Füßen in der „Khue“, d.h. in einem Arrest im Rathaus Dorfen büßen.
1729 - Mutwillen am am Apostel Matthiastag
Der gleiche Farmer und zwei andere Bürgerssöhne laufen am Apostel Matthiastag, der in diesem Jahr zufällig auf den unsinnigen Donnerstag fällt, während des Rosenkranzes in Narrenkleidern im Markt Dorfen herum und verüben allerlei Mutwillen.
Erschwerend ist wohl, daß dies an einem gebotenen Feiertag während des Rosenkranzes geschieht, und so wird jeder verurteilt „2 Stundt in der Khue”.
1729 - Nonnenfastnacht
Am Donnerstag vor Karneval tanzen und springen im Februar 1729 die Nonnen im Kölner Kloster St. Mauritius in weltlicher Verkleidung durch die Hallen. Das ist eine der ersten Weiberfastnacht.
1732 - 2 Stunden im Stock
Der Schneiderssohn Mathias Häberl nimmt im Februar 1732 an einem Sonntag einen alten Schleier, mit dem das Crucifix in der Marktkirche Dorfen bedeckt ist, und maskiert sich damit.
Zur Strafe muß er mit Händen und Füßen 2 Stunden im Stock sitzen.
1733 - Fastnachtsspiele der Jesuiten
1733 wollen die Jesuiten die Auswüchse zur Karnevalszeit durch spezielle Fastnachtsspiele überwinden.
1739 - Vorstellung von der Passion
In der Fastnacht 1739 machen ein Dorfener Bürger und auch auswärtige Personen, so Leonhard Eder, Nadler, Paulus Wagner, Wirt, Martin Stürzer, Schneider, und Isak Wagner, Binderssohn, beim Wirt Marx Wagner im Spaß eine Vorstellung von der Passion mit dem Lederer Peter Waitzenpöck, den sie auch voll Ruß machen.
Aber die Ratsherrn verstehen da keinen Spaß und jeder von diesen muß drei Stunden im Stock oder in der Lenzin auf dem Rathaus sitzen.
1770 - Verbot der Karfreitagsprozessionen
Die „Sprüche, Herumreissungen und dergleichen Unflätigkeiten" bei den Karfreitagsprozessionen werden so gravierend, daß 1770 der Kurfürst die Spiele und Umzüge verbietet
Frühes 19. Jahrhundert - Fastnacht des Bürgertums
Im frühen 19.Jh. übernimmt das Bürgertum die Festveranstaltung, da Zünfte in der Folge der Französischen Revolution und des Einmarsches von französischen Truppen unter Napoleon Bonaparte an Bedeutung verlieren oder sogar aufgelöst werden.
Das Bürgertum feiert zwar nach wie vor närrische Maskenbälle, die Straßenfastnacht ist aber nahezu ausgestorben.
1823 - Gründung der Großen Karnevalsgesellschaft
Der Karneval in Köln, das nach dem Abzug der Franzosen ab 1815 preußisch ist, wird 1823 mit der Gründung der Großen Karnevalsgesellschaft neu belebt.
Aus ihren Reihen wird jährlich um Neujahr im Rahmen einer Generalversammlung Festordner gewählt. Das „Festordnende Comitée“ übernimmt die Aufgabe, den Karneval neu zu organisieren und um die Komponente der Kritik an der Obrigkeit zu ergänzen.
Ende 19. Jahrhundert - Karneval setzt sich durch
Gegen Ende des 19.Jhs. setzt sich der Karneval durch.
In Österreich, der Schweiz, dem Elsass, Bayern und Baden-Württemberg erhalten sich jedoch ältere Formen der Fastnacht.
1879 - Erster Hemdglonkerumzug
Der Legende nach wollen Jungen des Internats Stephansschule in Konstanz auch Fasnacht feiern. Sie klettern in ihren weißen Nachthemden, mit weißer Zipfelmütze, fackeltragend und lärmend vor die Wohnungen ihrer Professoren, um diesen deren Schrulligkeiten und Lässlichkeiten vorzuhalten.
1891 - Erster Hemadlenzn-Umzug
Der erste Hemadlenzn-Umzug, bestehend aus etwa 30 Männern, findet 1891 statt.
Der Hemadlenz-Brauch wird nicht wegen des Winteraustreibens begonnen, sondern geht auf eine Idee des Dorfener Seilermeisters Lorenz Hammerschmid zurück, der als Handwerkergeselle den Karneval im Rheinland erlebt hat.
1899 - Gründung der Karnevalsgesellschaft Dorfen
Seit 1899 sorgt die Karnevalsgesellschaft Dorfen für Ordnung und Organisation des Faschings in Dorfen.
Prinz und Prinzessin regieren ihre verrückten Untertanen, Masken-, Karnevals- oder Narrenversammlungen werden abgehalten, Mummenschanz, närrisches Treiben, Alkohol, Liebe und Narretei halten Einzug.
Und am Unsinnigen Donnerstag lenken sie den Zug der Hemadlenzen.
Vor 1900 - Treiben der Schneegänse
In den Jahren vor 1900 gibt es in Dorfen am Unsinnigen Donnerstag das „Treiben der Schneegänse“, bei dem die Teilnehmer mit langem Hemd, enger Unterhose und weißer Papiermütze mit rotem Papierschnabel gekleidet sind.
1914 bis 1918 - Keine Faschingsgaudi
Mit Beginn des ersten Weltkrieges hört sich die Faschingsgaudi auf.
1918 - Rückbesinnung auf die Fastnachtsbräuche
Nach dem Ersten Weltkrieg kommt es zu eine Rückbesinnung auf die alten Formen der Fastnacht, die sich z.B. in der Gründung der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte im Jahr 1924 manifestiert.
Nach 1918 - Hemadlenzn wieder in Dorfen
Lorenz Hammerschmid, Xaver Kiermaier, Rudi Zelger und Goggi Thalmeier sind es, die nach dem Krieg wieder als Hemadlenzn durch Dorfen ziehen.
1928 - Tagreveille, nüchterne Hemadlenzen, Mittagsende
Auszug aus der Dorfener Zeitung vom 17. Februar 1928: Um 9 Uhr ist Tagreveille, der Weckruf durch die Musikkapelle. Die Musik zieht durch den Markt, hinterdrein eine kleine Gesellschaft von Hemadlenzen. Selbstverständlich sind diese Hemadlenzen mittags alle wieder zu Hause, man muss ja gleich nach dem Mittagessen mithelfen beim Faschingsumzug.
1950er - Hemadlenzfrei
Die Schulkinder in Dorfen haben seit den 1950er am Unsinnigen Donnerstag für den Hemadlenzen-Umzug frei. Damals wird der Brauch offiziell anerkannt, und die Schulbefreiung wird eingeführt, um die Tradition zu unterstützen.
Vor 1951 - Alkoholprobleme
Durch den übermäßigen Zuspruch des Alkohols sind Hemadlenzn schon um 12 Uhr blau, aber meistens nicht von der Kälte.
1951 - Neue Statuten der Karnevalsgesellschaft
Alkoholische Ausschreitungen der letzten Jahre machen es notwendig, dass die Karnevalsgesellschaft 1951 ein neues Statut verfasst: An der Spitze der Hemadlenzn steht der von der Karnevalsgesellschaft gewählte Oberhemadlenz, der für die ordnungsgemäße Durchführung und die Erhaltung des schönen Brauchtums verantwortlich ist. Ihm helfen ausgewählte, bewährte Maschkara. Jugendliche unter 18 Jahren sind prinzipiell vom Umzug ausgeschlossen, können sich jedoch als ,Hemadlenznanwärter‘ beteiligen, wenn sie sich besonderen Anordnungen unterwerfen.
1952 - Hemadlenz-Puppe, Frauen
Das Verbrennen der beim Umzug mitgeführten Strohpuppe gilt bei vielen Dorfenern als uralte Tradition. Symbolisch soll damit der Winter ausgetrieben werden. Doch die erste Hemadlenzn-Verbrennung findet erst 1952 statt, um den Hemadlenzn-Umzug wieder attraktiver zu machen.
Und 1952 sind erstmals auch Frauen beim Umzug zugelassen. Vorher durften nur Männer mitgehen.
1960er - Hemadlenzmassen
Der Hemadlenzen-Umzug in Dorfen mit dem Verbrennen der Strohpuppe zum Ende wird vom lokalen Brauch zu einem überregional bekannten Ereignis.
1967 - Hemadlenz-Brunnen
In Zusammenarbeit mit dem Heimat- und Verschönerungsverein Dorfen wird der Hemadlenz-Brunnen am 22. Juli 1967 am Rathausplatz feierlich enthüllt.
1990er - Fastnachtsboom
Während sich Fastnachten hauptsächlich in katholischen Gebieten finden lassen, kommt es in protestantischen Gegenden in den 1990er zu einem regelrechten Fastnachtsboom.
In Zusammenarbeit mit dem Heimat- und Verschönerungsverein Dorfen wird der Hemadlenz-Brunnen am 22. Juli 1967 am Rathausplatz feierlich enthüllt.
1990er - Fastnachtsboom
Während sich Fastnachten hauptsächlich in katholischen Gebieten finden lassen, kommt es in protestantischen Gegenden in den 1990er zu einem regelrechten Fastnachtsboom.
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