Samstag, 29. März 2025

Floriansbrunnen

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Die Geschichte des Floriansbrunnens beginnt in einer Zeit, in der Tradition und Humor im Herzen des bayerischen Lebens miteinander verschmelzen. Im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts entsteht in der Münchner Werkstätte „Seitz & Seidl“, gegründet von Rudolf von Seitz und Gabriel von Seidl, eine Figur, die bald nicht nur als Kunstwerk, sondern als Symbol für bayerische Lebensart berühmt wird. Es ist der heilige Florian, Schutzpatron gegen Feuer, mit einem Augenzwinkern dargestellt: als gusseiserne Figur, die ihren entblößten Hintern zeigt.

Die Entstehung und die Idee
Gabriel von Seidl entwirft den Brunnen in Dorfen im Stil der Neurenaissance, mit der typischen Liebe zur Detailverliebtheit, die die Kunst der Epoche prägt. Doch der eigentliche Clou ist der entblößte Hintern der Figur, eine humorvolle Interpretation, die auf die bayerische Redensart „Den Florian rufen“ anspielt. Sie zeigt, wie Florian „das Feuer löscht“ – nicht nur mit seinem Eimer, sondern mit einem Hauch von Volkswitz, der die Ernsthaftigkeit des Schutzpatrons mit einem Lächeln auflockert.
Die Darstellung soll weder Kirche noch Staat verspotten, wie oft fälschlich angenommen wird, sondern bringt eine volkstümliche Leichtigkeit in die Verehrung des Heiligen. So steht der Brunnen nicht nur als Schutzsymbol, sondern auch als Zeichen der bayerischen Eigenart, Ernsthaftigkeit und Humor zu verbinden.

Aufstellung und Verbreitung
Vor 1890 wird der Floriansbrunnen in Dorfen aufgestellt, ein Zeugnis für die Kunstfertigkeit und den Erfolg von Seitz & Seidl. Identische Figuren finden ihren Platz an weiteren Standorten: am Floriansplatz in Partenkirchen (1899), in Bad Tölz (1905), in Neubeuern bei Rosenheim und vor dem Feuerwehrhaus in Schrobenhausen. Jeder dieser Brunnen trägt die Botschaft weiter, dass Schutz und Lebensfreude Hand in Hand gehen können.

Die Bedeutung des heiligen Florian
Der Heilige Florian, historisch ein römischer Kanzleivorstand, stirbt 304 den Märtyrertod und wird später Schutzpatron der Feuerwehr und der Bierbrauer. In Bayern, wo die Feuerwehr auch als „Floriansjünger“ bekannt ist, wird der Heilige zu einer Identifikationsfigur, die sowohl Schutz vor Feuer als auch die Verbindung von Glauben und Gemeinschaft repräsentiert.

Anekdoten und Abenteuer
In Dorfen zeigt sich der Humor um den heiligen Florian besonders deutlich: Der Brunnen hat bereits einiges überstanden – abgebrochene Gliedmaßen, den Verlust seiner Fahne und sogar seines Kopfes, der einst an einem Unsinnigen Donnerstag verschwand und später unter einer Bierbank wiedergefunden wurde. Solche Geschichten machen den Floriansbrunnen nicht nur zu einem Kunstwerk, sondern zu einem lebendigen Teil der bayerischen Kultur.

Die Floriansbrunnen sind mehr als Denkmäler. Sie erzählen von Glauben, Humor und der bayerischen Fähigkeit, selbst in ernsten Angelegenheiten das Lachen nicht zu vergessen. Sie stehen als zeitlose Symbole für die Balance zwischen Schutz und Lebensfreude.
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304 - Märtyrertod
Florian von Lorch, Kanzleivorstand des Statthalters der römischen Provinz Ufernorikum stirbt im Jahr 304 in Lauriacum (Lorch) in Enns (Oberösterreich) den Märtyrertod.

19. Jahrhundert - Entblößter Hintern
Die Darstellung mit entblößtem Hintern greift auf satirisch-humorvolle Darstellungen zurück, die im 19. Jahrhundert nicht unüblich sind. Sie dient dazu, das Heilige und Erhabene mit einer Prise Volkswitz zu kombinieren, um es für die einfachen Leute zugänglicher und sympathischer zu machen.

1878 bis 1898 - Inneneinrichtungsfirma Seitz & Seidl
1878 gründet Rudolf von Seitz gemeinsam mit Gabriel von Seidl die Inneneinrichtungsfirma Seitz & Seidl, wo bald auch Emanuel von Seidl tätig wird und die Leitung des Ateliers für Innendekoration übernimmt. Das erfolgreiche Unternehmen besteht bis 1898.

Vor 1890 - Floriansbrunnen
Die Figur des Floriansbrunnen im Stil der Neurenaissance stammt aus der Münchner Werkstätte „Seitz und Seidl” für „Handwerkskunst und Wohnungseinrichtung”, nach einem Entwurf von Gabriel von Seidl. Sie wird vor 1890 aufgestellt.

1899/1905 - Identische Figuren
Identische Figuren werden am Floriansplatz in Partenkirchen (1899), am Fritzplatz in Bad Tölz (1905), in Neubeuern bei Rosenheim und am Feuerwehrhaus in Schrobenhausen aufgestellt.

1950er - Enthaupteter Florian
Der HI. Florian zu Dorfen verliert seinen Kopf an einem Unsinnigen Donnerstag. Dieser taucht dann abends wieder auf, in St. Wolfgang beim Luckiball (Schex) unter einer Bierbank.

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