Samstag, 29. März 2025

Marianische Gnadenskulptur

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Inmitten des Hochaltars der Dorfener Kirche, auf dem salomonischen Thron der Weisheit, thront die Madonna mit dem Jesuskind – ein Gnadenbild von erhabener Schönheit und tiefer spiritueller Strahlkraft. Entstanden in den frühen 1470er Jahren, vermutlich aus der Hand des Landshuter Bildhauers Heinrich Helmschrot, ist diese Skulptur ein stiller Zeuge von Jahrhunderten der Verehrung und des Gebets.

Die Madonna erhebt sich in einer Höhe von 1,5 Metern, geschnitzt aus Holz und in leuchtenden Farben gefasst. Ihr vergoldeter Mantel, innen von warmem Rot durchdrungen, umhüllt ihr blaues Kleid, das direkt unter der Brust von einem feinen Gürtel zusammengehalten wird. Die kunstvolle Inschrift in Frührenaissancemajuskeln, die sich am Brustsaum des Gewandes entlangzieht, flüstert eine Botschaft der Gnade: "MARIA GNADEN. JHS. AVE." – ein stilles Echo himmlischer Segnung, das über Jahrhunderte hinweg in den Herzen der Gläubigen nachhallt.

Ihr Antlitz ist von milder Sanftmut geprägt, die hohen, sanft geschwungenen Augenbrauen verleihen ihr einen Ausdruck gütiger Weisheit. Dunkelbraune, leicht gekräuselte Locken umspielen ihr Gesicht und fallen sanft über ihre Schultern. Der Blick, ruhig und voller innerer Einkehr, ruht auf dem Betrachter, als wolle sie Trost spenden, Hoffnung schenken. Das kunstvolle Faltenwerk ihres Gewandes entfaltet sich in einer rhythmischen Komposition aus eckigen Brechungen, deren stegartige Höhen sich aus tiefen Schatten herausheben – ein meisterhaftes Spiel von Licht und Bewegung, das den Blick auf sich zieht und der Madonna eine feierliche Würde verleiht.

Die Geschichte der Gnadenskulptur ist eng mit den Pilgerströmen des späten Mittelalters verbunden. Bereits 1474 berichtet das St. Wolfganger Mirakelbuch von der wachsenden Verehrung, als Gläubige, die das Heiligtum St. Wolfgang aufsuchten, auch in Dorfen Halt machten, um vor dem Gnadenbild der Muttergottes zu beten. Jahrhunderte vergehen, und doch bleibt die Madonna Mittelpunkt des Glaubens.

Doch Zeiten des Friedens und der Verehrung wechseln mit Zeiten der Not: Im Jahr 1632, während des Dreißigjährigen Krieges, fällt das Jesuskind auf ihrem Arm den Zerstörungen zum Opfer. Doch die Hingabe der Gläubigen lässt das Heilige nicht vergehen – 1679 wird es von Mathis Mörz, einem Schreiner aus Dorfen, liebevoll nachgebildet, und auch die beschädigten Gliedmaßen der Madonna werden erneuert.

Von diesem Moment an wird die Madonna noch tiefer in die Verehrung eingebunden: Immer wieder wird sie in die Hochaltäre der Kirche aufgenommen, prachtvoll gekleidet mit einer goldenen Krone, reichen Gewändern und mit kostbaren Rosenkränzen geschmückt. Sie wird zur Himmelskönigin, zur Trösterin und Mittlerin. Die Gläubigen versammeln sich vor ihr, flüstern ihre Bitten, suchen Hoffnung, Trost und Gnade.

Die Jahrhunderte vergehen, doch die Madonna bleibt. Ihr sanfter Blick ruht noch immer auf denen, die vor sie treten. Ihr goldener Mantel leuchtet im Kerzenlicht, und die Worte der Inschrift, einst mit frommer Hingabe in ihr Gewand geschnitzt, tragen weiterhin die Verheißung himmlischer Gnade in die Welt hinaus.
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1470er - Gnadenskulptur
Die auf dem salomonischen Thron der Weisheit sitzende Figur der Maria mit Kind, Mittelpunkt des Hochaltars, entsteht in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, wahrscheinlich zu Beginn der 1470er. Möglicher Schöpfer könnte der Landshuter Bildhauer Heinrich Helmschrot gewesen sein.
Die Skulptur der Maria ist eine gefaßte Holzfigur von 1,5 m Höhe, mit vergoldetem Mantel. Die Frührenaissancemajuskel am Hals und Brustsaum des Kleides lassen auf die genannte Entstehungszeit in den 1470er schließen.
Die erhabene Inschrift am Brustsaum lautet: "MARIA GNADEN. JHS. AVE" Auf dem Ärmelsaum der linken Hand steht: "VT. AVE. MAR."
Die blockhafte Figur dieser sogenannten Sitzmadonna trägt ein blaues Kleid, das direkt unter der Brust durch einen Gürtel zusammengerafft ist. Der vergoldete Mantel ist innen rot gefaßt. Der milde Gesichtsausdruck Mariens mit hoch angesetzten Augenbrauen wird von dunkelbraunem, gekräuseltem langen Haar umrahmt.
Das gesamte Faltenwerk ist aus eckigen Brechungen zusammengesetzt, von denen gratige Stege durch tiefe Unterhöhlungen abgehoben sind.

1474 - St. Wolfganger Mirakelbuch
Im Jahr 1474 soll laut St. Wolfganger Mirakelbuch unter Sirto von Tanberg, Bischof von Freising und dem damaligen Inhaber der Grafschaft Haag J.G. von Fraunberg, auch damalen nebst St. Wolfgang das Marianische Gnadenbild zu Dorfen mit großem Zulauf des Volkes beehrt worden sein, so daß, wer St. Wolfgang besuchte, auch nach Dorfen ging und so umgekehrt.

1632 - Schwedeneinfall
Das Jesuskind auf dem rechten Arm Marias, in der Rechten die Weltkugel haltend, wird im 30jährigen Krieg zerstört.

1679 - Jesuskind
Das im 30jährigen Krieg zerstörte Jesuskind wird vom Dorfener Schreiner Mathis Mörz nachgebildet, sowie das im 30jährigen Krieg an Händen, Fingern und Füssen arg beschädigte Gnadenbild ausgebessert.

Ab 1679 - Integration im Hochaltar
Die Madonna wird in alle darauffolgenden Maria Dorfener Hochaltäre integriert, kostbar gekleidet mit Krone, reichem Mantel und Rosenkränzen. Dies macht die Verehrung Mariens als Himmelskönigin deutlich und zeigt die Verbindung zur Rosenkranzbruderschaft. Vor der Gnadenskulptur erbitten die Gläubigen die Gewährung einer Gnade von Gott.
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„Kommen Sie mit? Schauen Sie es sich an – hier entlang!“

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