Der Rundweg, der das Becken umschließt, ist wie ein leises Versprechen, das der Weg den Wanderern gibt: Entdecke die Wunder dieser Welt, nimm dir Zeit für die kleinen und großen Schönheiten. Der Weg windet sich mal in sanften Bögen, mal mit weiten Ausblicken über das glitzernde Wasser, das an manchen Stellen in geheimnisvollen Blautönen schimmert. An einem Ende führt ein Holzsteg ins Wasser – ein zarter Zugang, der den Eindruck vermittelt, als ob der See selbst einladend seine Arme ausstreckt, um einen zu empfangen. Auf diesem Steg kann man stehen und den Blick über die weite Fläche des Beckens schweifen lassen, die sich wie ein ruhiger Spiegel in die weite Landschaft einfügt.
Am Ufer, ganz nahe der Birkenallee, schlängelt sich der Skulpturenweg entlang, ein Freiluftmuseum, das mit Kunstwerken verschiedener Künstler bestückt ist. Jedes dieser Werke erzählt eine eigene Geschichte und ist Teil eines größeren Dialogs zwischen der Natur und der menschlichen Kreativität. Besonders beeindruckend ist das Holzkunstwerk „Dorfen an der Isen“, das den Flusslauf der Isen in einem kunstvollen Eschenstamm widerspiegelt und Dorfen als eines der kulturellen Zentren des Landkreises symbolisiert. Es ist eine zärtliche Erinnerung daran, wie Kunst und Natur ineinander fließen, wie sie sich gegenseitig ergänzen und bereichern.
Doch das Auffangbecken in Dorfen ist nicht nur ein Ort der Harmonie, sondern auch eine Bühne für künstlerische Kontroversen. Ein regelrechter „Kunstkrieg“ begann 2002, als das Kunstwerk „Stellvertreterhaus“ von Gabriele Obermaier im Auffangbecken aufgestellt wurde. Einige sahen in der Skulptur eine unpassende, abstrakte Darstellung, die nicht in das idyllische, naturnahe Umfeld passte. Andere hingegen lobten die Herausforderung, die das Kunstwerk an den gewohnten Blick auf die Landschaft stellte und der Gemeinde eine neue Dimension der Auseinandersetzung mit Kunst eröffnete.
Dieser Konflikt, so kontrovers er auch war, zeigt die tiefe Verbundenheit der Menschen mit ihrer Umgebung und die Bedeutung, die Kunst in ihrem Leben einnimmt. Die Reaktionen auf das „Stellvertreterhaus“ mögen uns erinnern, dass Kunst nicht immer nur etwas Schönes ist, das harmonisch in die Landschaft passt, sondern auch ein Spiegel der Gesellschaft, der zum Nachdenken anregen kann.
Und so wurde der „Kunstkrieg“ zu einem Teil der Geschichte des Auffangbeckens – einer Geschichte, die zeigt, wie sich Kunst und Gemeinschaft miteinander verstricken und manchmal auch in Widerspruch zueinanderstehen können.
Nicht weit entfernt erhebt sich eine kleine Halbinsel, von der eine Ufertribüne aus Steinen und Holz zum Verweilen einlädt. Hier, inmitten der Natur, kann man sich zurücklehnen und die Seele baumeln lassen. Der Blick auf das Wasser, das sanft gegen das Ufer plätschert, und auf die zwei kleinen Birkeninseln, die wie grüne Juwelen im See ruhen, erfüllt einen mit einer stillen Zufriedenheit. Die Bäume scheinen in ihren Ästen flüsternde Gespräche mit dem Wind zu führen und ihre Schatten auf das glitzernde Wasser zu werfen.
Doch der wahre Zauber dieses Ortes offenbart sich in der Dämmerung. Eine Feuerinsel liegt still im Wasser, bereit, in den kühlen Nächten des Jahres für Licht und Wärme zu sorgen. Hier können Mitternachtsfeiern stattfinden, das Knistern des Feuers und die Lichter spiegeln sich im See und erzeugen eine Atmosphäre, die gleichzeitig magisch und geheimnisvoll ist.
Inmitten dieses Friedens lebt ein Schwarm Graugänse, deren laute Rufe das natürliche Konzert des Beckenraums bereichern. Sie kommen am frühen Morgen und am Abend, um ihre Kreise zu ziehen. Wenn sie auf Nahrungssuche gehen, tun sie dies oft in der Nacht, wenn die Welt um sie herum still wird. Ihre charakteristische V-Formation ist nicht nur ein Anblick der Natur, sondern auch ein Symbol der Verbundenheit, das über den See zieht, wie ein fliegendes Gedicht, das ständig in Bewegung ist. Die Graugänse, die in dieser Umgebung einen idealen Brutplatz gefunden haben, haben einen stillen Platz in diesem kleinen Paradies eingenommen. Ihre Präsenz ist ein Zeichen für das Leben, das hier blüht und gedeiht, und für die Ruhe, die der Ort ausstrahlt.
Für die Kinder gibt es auf dem Gelände eine Piratenschiffinsel, die von einer Hängebrücke überquert werden kann. Hier dürfen die Abenteuerlustigen ihren Traum von Seefahrern und Entdeckungsreisen leben, während die Erwachsenen auf einer Bank im Schatten der Bäume Platz nehmen und den fröhlichen Lärm der kleinen Piraten genießen. Eine kleine Steinformation aus Stein, die wie ein Schiff am Ufer liegt, erinnert an das Unvorhersehbare, an die Freiheit des Wassers, die nicht nur dem Spiel dient, sondern auch dem Phantasieren.
Der Winter verwandelt das Auffangbecken in ein weiteres Gesicht: Wenn die Wasserfläche zufriert, wird der See zum Spielplatz für Eisläufer und Eisstockschützen. Die Stille des Winters, die sich über das Becken legt, ist nur noch von den Geräuschen der Kufen und den fröhlichen Rufen der Sportler zu hören. Doch auch in dieser Zeit bleibt der Ort ein wahrer Zufluchtsort – für die, die die kalte, klare Luft genießen und den stillen Zauber des zugefrorenen Wassers spüren wollen.
Das Auffangbecken in Dorfen ist nicht nur ein geplanter Rückhalt für das Wasser, es ist ein Ort, der mit Leben gefüllt ist, mit Geschichten, mit der Zartheit der Natur und der Stärke der Kunst. Es ist ein Stück Heimat, das den Wandel der Jahreszeiten überdauert und doch immer wieder mit neuen Wundern erfüllt wird – ein Ort der Ruhe, der Stille, der Freude und der Entdeckung.
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2000er - Auffangbecken
Die Isen trat regelmäßig über die Ufer und überschwemmte den Markt Dorfen. Daher werden nach der Begradigung des Flussbettes und des Baues eines Flutkanals anfang der 2000er in Zusammenarbeit mit dem Wasserwirtschaftsamt München am Lauf der Isen im Westen und Osten von Dorfen große Retentionsflächen geschaffen.
2002 - Kunstkrieg
Mit öffentlicher Kunst hat die Stadt schon öfter so seine Probleme gehabt. So kommt es 2002 mit dem „Stellvertreterhaus“ von Gabriele Obermaier im Auffangbecken zu einem „Kunstkrieg“ in der Dorfener Bevölkerung.
2012 - Radwanderweg „SkulpTour“
Im Rahmen eines 2012 vom Bayerischen Gemeindetag auf den Weg gebrachten Kunstprojekts, schafft der Landkreis Erding den Radwanderweg „SkulpTour“, entlang dem Kunstwerke aufgestellt werden.
Am Auffangbecken werden aufgestellt: Mutter und Kind von Wolfgang H.Wandinger, 1979, Flussbett-Sandstein von Gerald Forstmaier, 2003 und Tara von Thomas Bachmaier, 2006.
2015 - „Dorfen an der Isen“
Der Skulpturen-Weg rund um das Hochwasser-Rückhaltebecken der Stadt Dorfen hat eine neue Attraktion, das Kunstwerk „Dorfen an der Isen“.
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„Kommen Sie mit? Schauen Sie es sich an – hier entlang!“
„Kommen Sie mit? Schauen Sie es sich an – hier entlang!“

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