Die Geschichte der heutigen B 15 beginnt in der Zeit des Römischen Reiches, als unter Kaiser Tiberius zwischen 14 und 37 n. Chr. die „Römerstraße“ errichtet wird. Diese Straße ist ein bedeutender Teil des römischen Straßennetzes und führt von Regensburg, damals Castra Regina, über Straubing (Sorviodurum), Landshut und Dorfen bis nach Rosenheim (Pons Aeni). Die Straße hat nicht nur militärische Bedeutung, sondern dient auch dem Handel und dem administrativen Austausch zwischen den römischen Provinzen. Besonders wichtig für den Fernverkehr war die Verbindung von Regensburg, dem römischen Militärlager, mit der südlichen Handelsroute, die die Donau mit den Alpenregionen verband.
Im Bereich von Dorfen liegt die römische Straßenstation „Turum“, die als Kontroll- und Raststation für Reisende und Truppen dient. Diese Station ist ein bedeutender Knotenpunkt in der „via militaris“, einer Straße, die vor allem für das römische Militär wichtig ist, aber auch den Handel fördert – insbesondere den Salzhandel, der von den römischen Provinzen in den Süden transportiert wird.
Der Niedergang und das Mittelalter: Vom Saumpfad zur Handelsstraße
Nach dem Fall des Weströmischen Reiches im Jahr 476 n. Chr. verliert die römische Straße ihre militärische Bedeutung, doch sie verfällt nicht gänzlich. Ab dem frühen Mittelalter (8.–11. Jahrhundert) bleibt der Weg als Handelsroute von Bedeutung. Die Straßenführung bleibt zum Teil unklar, doch die alte Römerstraße wird nun als „Landstraße“ bekannt. Sie führt von Regensburg nach Landshut, Dorfen und weiter nach Rosenheim. Der Verkehr, vor allem durch Händler und Pilger, bleibt ungebrochen, wenngleich die Strecke oft nur als Saumpfad genutzt wird.
Im Jahr 773 gibt es erstmals Hinweise auf die Straße durch Dorfen. An diesem Ort liegt die „villa“ von Oberdorfen, ein Zentrum von landwirtschaftlichen Höfen und einem öffentlichen Platz. Dorfen wird zur bedeutenden Siedlung, die an der Kreuzung wichtiger Handelswege liegt – insbesondere an der Verbindung von Augsburg nach St. Pölten und von Regensburg nach Rosenheim. Die Strecke bleibt ein wichtiger Teil der regionalen Infrastruktur.
Die Kaiserstraße: Eine Straße von königlichem Rang
Im Hochmittelalter (12.–14. Jahrhundert) nimmt die Straße eine neue Bedeutung an. In dieser Zeit wird die Route zwischen Regensburg und Rosenheim als „Kaiserstraße“ bekannt. Sie wird von den Herrschern des Heiligen Römischen Reiches ausgebaut und unter königlichem Schutz gestellt. Die Straße ist nun nicht nur für den Salzhandel von großer Bedeutung, sondern auch für die militärische Mobilität und die Verbindung zwischen verschiedenen politischen und religiösen Zentren des Reiches.
Die Städte entlang der Strecke – Landshut, Dorfen und Rosenheim – gewinnen durch ihre Lage an der Kaiserstraße an Bedeutung. Landshut wird 1204 gegründet und ist mit der Residenz der Wittelsbacher ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt. Dorfen wird 1229 zu einer Marktstadt, die aufgrund ihrer Lage an der Kaiserstraße wächst und gedeiht. Die Straße wird nun auch als „Reichsweg“ genutzt, ein Weg, der durch das Heilige Römische Reich fördert, was den Ausbau und die Instandhaltung der Straße fördert.
Die Salzstraße: Von Bedeutung für den Handel
Im Spätmittelalter (15.–16. Jahrhundert) bekommt die Strecke den Namen „Salzstraße“, da sie vor allem für den Transport von Salz von den Salzquellen in Hallein und Reichenhall nach Bayern und darüber hinaus genutzt wird. Das Salz, ein wertvolles Gut, wird entlang dieser Route transportiert, und Dorfen wird zu einem wichtigen Umschlagplatz. Die Straße ist nun eines der zentralen Handelsnetzwerke im Süden Deutschlands und verbindet nicht nur das bayerische Umland mit den Alpenländern, sondern auch die wichtigen Handelszentren von Rosenheim, Landshut und Regensburg miteinander.
Die Frühneuzeit: Die alte Straße verliert an Bedeutung
Im 17. und 18. Jahrhundert, der Frühen Neuzeit, verliert die „alte Straße“ an Bedeutung. Der Ausbau neuerer Straßenführungen, insbesondere durch München, macht den alten Verlauf der „Salzstraße“ obsolet. Doch auch wenn die Bedeutung der Strecke nachlässt, bleibt sie ein wichtiger Teil der regionalen Infrastruktur, insbesondere im Bereich des Nahverkehrs. Dorfen bleibt ein Zentrum des Verkehrs, auch wenn sich die Straßenführung immer wieder verändert.
Die Reichsstraße R 15
Im Jahr 1932 wird die Straße als „Fernverkehrsstraße“ nummeriert und erhält die Bezeichnung „Fernverkehrsstraße 15“ (F 15). Diese Maßnahme erfolgt im Zuge einer bundesweiten Umstrukturierung der wichtigsten Verkehrsadern in Deutschland.
Ab 1934 wird die R 15 offiziell als Reichsstraße bezeichnet, die das Land von Gera über Hof, Wunsiedel und Marktredwitz bis zur Inntalautobahn bei Rosenheim verbindet. Die Straße erhält nun eine stärkere militärische und wirtschaftliche Bedeutung und verbindet nicht nur bayerische Städte miteinander, sondern auch Deutschland mit Österreich.
Die R 15 wird während dieser Zeit als wichtige Verkehrsverbindung zwischen den beiden Ländern ausgebaut, insbesondere nach der Annexion Österreichs 1938, als die Strecke bis nach Kufstein und Wörgl verlängert wird.
Nach dem Zweiten Weltkrieg: Die B 15 wird zur Bundesstraße
Mit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland im Jahr 1949 erhält die ehemalige Reichsstraße den Status einer Bundesstraße und wird zur B 15. Der Weg bleibt unverändert, aber die Verwaltung und der Ausbau der Straße übernehmen nun die neu gebildeten Institutionen der Bundesrepublik. Die B 15 bleibt ein wichtiger Bestandteil der bayerischen Infrastruktur und dient weiterhin dem Fernverkehr.
Der Bundesverkehrswegeplan: Die Zukunft der B 15
Im 21. Jahrhundert wird die B 15 erneut in den Fokus genommen. 2014 werden auf einer Verkehrskonferenz in Hinterberg bei Dorfen alternative Trassenvorschläge diskutiert, darunter Umfahrungen für Landshut, Taufkirchen, Dorfen und St. Wolfgang.
Doch 2015 verkündet der Bayerische Innenminister das Aus für den Weiterbau der B 15 neu, da keine Konsensfähigkeit erreicht werden kann und die finanziellen Mittel fehlen. Stattdessen wird beschlossen, die bestehende B 15 zwischen Landshut und Rosenheim auszubauen, teilweise auf drei Fahrstreifen und mit Ortsumfahrungen.
Im Jahr 2016 wird die B 15 im Rahmen des Bundesverkehrswegeplans 2030 als „weiterer Bedarf“ eingestuft. Die Ost-Süd-Umfahrung von Landshut erhält dabei vorrangigen Bedarf, während der Ausbau von Landshut nach Rosenheim in den weiteren Bedarf aufgenommen wird.
Ab 2018 wird die B 15, wie alle Bundesstraßen, auch für Lkw ab 7,5 Tonnen mautpflichtig, was die Bedeutung der Straße im Güterverkehr weiter unterstreicht.
Fazit: Ein Weg der Geschichte
Die B 15 ist nicht einfach nur eine Straße; sie ist ein lebendiges Zeugnis der Geschichte, das sich von einer römischen Militärstraße über mittelalterliche Handelswege bis hin zur modernen Verkehrsstraße entwickelt hat. Jede Epoche hat ihre eigenen Spuren hinterlassen, und auch heute noch prägt diese Straße die Landschaft und die Menschen, die entlang ihrer Route leben und reisen. Sie verbindet nicht nur geografisch, sondern erzählt die Geschichte einer Region, die stets im Wandel war und bleibt.
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14 bis 37 - Römerstraße, "Turum"
Unter Kaiser Tiberius, der von 14 bis 37 n. Chr. regiert, wird eine "Römerstraße" von Regensburg – Straubing (Sorviodurum) – Landshut – Erding – Rosenheim (Pons Aeni) errichtet.
Regensburg (Castra Regina) ist ein römisches Legionslager und Verwaltungszentrum, Straubing (Sorviodurum) ein römischer Militärposten mit bedeutender Zivilsiedlung, bei Landshut gibt es keinen eigenständigen römischen Ort, aber einen römischen Straßenknotenpunkten, bei Dorfen die römische Straßenstation "Turum" und in Rosenheim (Pons Aeni) einen bedeutender Inn-Übergang mit einer römischer Straßenstation.
101 bis 400 - Blütezeit der Nutzung, via militaris
Die "via militaris" zwischen Regensburg (Castra Regina) und der römischen Siedlung Pons Aeni (Rosenheim) ist eine wichtige Verbindung im römischen Straßennetz der Provinz Raetia. Die Straße ist eine Militär- und Handelsstraße, die die Donau mit den südlichen Alpenverbindungen verknüpfte. Sie dient dem römischen Militär, um Truppen und Nachschub von Regensburg nach Süden zu bringen; dem Handel, vor allem mit Salz, Metallwaren und landwirtschaftlichen Produkten; der Verwaltung, da sie eine Verbindung zu den römischen Straßen Richtung Augsburg, Salzburg und Italien schafft.
Nach 476 - Ende des Weströmischen Reiches
Die Römerstraße zwischen Regensburg und Rosenheim verfällt langsam zu Saumpfaden, die teilweise von Bajuwaren und später im Mittelalter weitergenutzt werden.
701 bis 1100 - Frühes Mittelalter, Landstraße
Im frühen Mittelalter (8.–11. Jahrhundert) gibt es zwar bereits den Handelsweg, die "Landstraße" zwischen Regensburg, Landshut, Dorfen und Rosenheim, aber sie besteht zum Teil oft nur aus Saumpfaden.
773 - Straßenkreuzung Dorfin
Um 773 existiert auf dem Berg von Oberdorfen eine "villa". Zu ihr gehörten "mansi" (Höfe oder Landgüter) auf dem Ruprechtsberg sowie ein "locus publicus" (öffentlicher Ort oder Versammlungsplatzan der Stelle des späteren Marktdorfen), der an der Kreuzung der Straßen von Augsburg nach St.Pölten und von Regensburg nach Rosenheim liegt.
Die gesamte Siedlung wird als "dorfin" bezeichnet.
1101 bis 1700 - Alte Salzstraße
Im Mittelalter existiert in Bayern ein Netz von bedeutenden Fernstraßen, die Handelsstädte, Klöster und politische Zentren miteinander verbindet.
Eine zentrale Route ist die Verbindung zwischen Regensburg und Rosenheim, die Teil des überregionalen Verkehrs zwischen Ostbayern, Salzburg, Tirol und Oberitalien ist.
Die Strecke von Regensburg nach Rosenheim verläuft von Regensburg, über Landshut, Dorfen und Wasserburg nach Rosenheim.
Regensburg ist ein bedeutendes Handels- und Reichsstadtzentrum. Landshut ist mit der Residenz der Wittelsbacher wichtig für den Verkehr. Dorfen liegt an einer traditionellen Ost-West-Verbindung zwischen Landshut und Wasserburg. Wasserburg ist ein Handelszentrum mit Inn-Schifffahrt nach Rosenheim und weiter nach Tirol. Rosenheim ist ein wichtiger Knotenpunkt für den Salzhandel in Richtung Innsbruck und Italien.
Diese Route ist besonders für den Salzhandel von Bedeutung, da Salz aus Reichenhall oder Hallein über diese Straßen nach Bayern und weiter in den Norden transportiert wird. Zusätzlich nutzen Pilger, Händler und kaiserliche Gesandte diese überregionale Handels- und Heerstraße.
1101 bis 1400 - Hochmittelalter, Kaiserstraße
Im Hochmittelalter (12.–14. Jahrhundert) wird die "Kaiserstraße" zwischen Regensburg und Rosenheim durch das Heilige Römische Reich gefördert und ausgebaut.
Städte wie Landshut (gegründet 1204), Dorfen (gegründet 1229) und Wasserburg (gegründet 1247) gewinnen an Bedeutung.
Die Straße ist zwar kein offiziell deklarierter „Reichsweg“ wie die Via Imperii, aber sie ist eine überregionale Handels- und Heerstraße unter königlichem bzw. herzoglichem Schutz. Besonders der Salzhandel und die Verbindung zwischen Bayern und den südlichen Alpenländern macht sie unverzichtbar.
Auf ihr gilt das öffentliche Gebot des Landfriedens. Nach der Gesetzgebung gehört die Instandhaltung der Straßen, die Fürsorge der Verkehrseinrichtung und für die Sicherheit zu den Aufgaben und Rechten des Königs bzw. Herzogs, den Regalien. Als Gegenleistung erhält der König/Herzog dafür den Zoll.
Ein Geleitbrief, das tote Geleit, oder aber ein bewaffneter Schutz, das lebende Geleit, sorgt für die Sicherheit des Reisenden. Das Geleit wird bei bestimmten Anlässen gegeben, unter denen der Zug zur Wahl und Krönung des Königs der vornehmste, der Zug zu Messe und Markt der häufigste ist.
1401 bis 1600 - Spätmittelalter, Salzstraße
Im Spätmittelalter (15.–16. Jahrhundert) ist die Route zwischen Regensburg und Rosenheim, die "Salzstraße", eine der wichtigsten Handelsverbindungen Süddeutschlands.
Sie dient vor allem dem Salzhandel von Reichenhall und Hallein nach Bayern und ins Reich.
1601 bis 1800 - Frühe Neuzeit, Alte Straße
Die Route existiert spätestens seit dem 12. Jahrhundert und wird bis ins 17. Jahrhundert stark genutzt. In der Frühen Neuzeit (17.–18. Jahrhundert) verliert die "Alte Straße" jedoch mit der Verbesserung der Straßeninfrastruktur durch neue Straßenführungen, z.B. über München, an Bedeutung.
1932 - Fernverkehrsstraßen
1932 werden zur Verbesserung der Orientierung im Deutschen Reich die wichtigsten Fernverkehrsstraßen nummeriert.
1934 - Reichsstraßen
Der Begriff Reichsstraße wird 1934 im Deutschen Reich anstelle der bis dahin üblichen Bezeichnung Fernverkehrsstraße eingeführt und diese Straßenkategorie kennzeichnen ab jetzt gelbe Nummerntafeln mit schwarzer Schrift.
Nach den Reichsautobahnen sind die Reichsstraßen die am höchsten klassifizierten Straßen, die in der Verantwortung des Reiches liegen.
1934 - R 15
Die R 15 beginnt in Gera und führt über Schleiz, Hof, Wunsiedel und Marktredwitz nach Mitterteich. Ab Mitterteich folgt sie dem heutigen Verlauf bis zum Anschluss an die Inntalautobahn nahe Rosenheim. Von dort führt die R 15 über Brannenburg und Oberaudorf an die Reichsgrenze bei Kiefersfelden.
Nach der Eingliederung Österreichs 1938 wird die R 15 über Kufstein nach Wörgl verlängert.
1949 - Bundesstraßen
Nach Gründung der Bundesrepublik Deutschland erhalten die westdeutschen Reichsstraßen anstatt des alten „R“ ein „B“ für den neuen Begriff Bundesstraße vor ihrer Nummer.
1949 - B 15
Die Bundesstraße 15 geht 1949 teilweise aus der Reichsstraße 15 (R 15) hervor.
2014 - Verkehrskonferenz in Hinterberg bei Dorfen
2014 wird von Innenminister Hermann auf einer Verkehrskonferenz in Hinterberg bei Dorfen ein alternativer Trassenvorschlag zur Diskussion gestellt. Der Vorschlag sieht folgende Streckenabschnitte vor: Umfahrung Landshut/Kumhausen (ca. 6 km), Abschnitt Kumhausen/Taufkirchen (ca. 17 km), Umfahrung Taufkirchen (ca. 8 km), Umfahrung Dorfen (ca. 5 km), Umfahrung St. Wolfgang (ca. 8 km), Umfahrung Haag (ca. 8 km).
2015 - Aus für den Weiterbau der B 15 neu
Da alle Trassenvorschläge nicht konsensfähig sind und für einen Weiterbau die nötigen finanziellen Mittel auf absehbare Zeit nicht zur Verfügung stehen, verkündet der Bayerische Innenminister Herrmann 2015 im Kabinett das Aus für den Weiterbau der B 15 neu und die Rückziehung der bisherigen Anmeldetrasse.
Dafür soll die bestehende B 15 zwischen Landshut und Rosenheim streckenweise dreispurig und mit Ortsumfahrungen ausgebaut werden.
2016 - Bundesverkehrswegeplan 2030
Gemäß dem vom Bundeskabinett beschlossenen Bundesverkehrswegeplan 2030 sowie dem Entwurf eines Sechsten Gesetzes zur Änderung des Fernstraßenausbaugesetzes, wird die Ost-Süd-Umfahrung Landshut in den vordringlichen Bedarf sowie der Weiterbau einer B 15n von Landshut nach Rosenheim in den weiteren Bedarf mit Planungsrecht aufgenommen.
2018 - Mautpflicht
Ab 2018 ist die B 15 wie alle Bundesstraßen allgemein mautpflichtig für LKW ab 7,5 Tonnen.
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„Kommen Sie mit? Schauen Sie es sich an – hier entlang!“
„Kommen Sie mit? Schauen Sie es sich an – hier entlang!“

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