Samstag, 15. März 2025

Albrechtstadl

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Die Sonne steigt langsam über Dorfen und taucht die Mühlangerstraße in ein warmes, goldenes Licht. Ihr Schein wandert hinüber zum Albrechtstadl – oder wie ihn manche nennen, Forsterstadl –, einem alten Holzstadel, der seit Generationen über die weite, grüne Landschaft wacht. Majestätisch und mit einer leichten Patina vergangener Zeiten strahlt der Stadel eine stille Pracht aus, die den Alltag für einen Moment innehalten lässt.

Errichtet im Jahr 1840, trägt der Stadel die Handschrift einer Zeit, in der Handwerk und Architektur miteinander verschmolzen. Seine Bauweise, das Bundwerk, ist eine Technik, die ganz ohne Nägel oder Schrauben auskommt – eine Symphonie aus Holz, das mit Zapfen und passgenauen Verbindungen zusammengefügt wurde. Diese handwerkliche Meisterschaft lässt den Stadel lebendig wirken, als ob die Wände seine Geschichte flüstern könnten. Die Struktur des Bundwerks, besonders das Gitterwerk in den oberen Bereichen, zeigt reiche Verzierungen und geometrische Muster, die an kunstvolle Spitzenarbeit erinnern und gleichzeitig an ein schützendes Netz.

Das Gitterwerk, diese filigrane, durchbrochene Holzstruktur, formt sich hier zu Rauten und Kreuzen, jede Linie, jede Ecke harmoniert mit der nächsten. Es erfüllt seinen Zweck, indem es das Gebäude durchlüftet – ein entscheidender Vorteil, als der Stadel noch als Heulager diente. Damals drang der würzige Duft des frischen Heus durch das filigrane Muster, und der Wind brachte ein leises Knistern hervor, wenn er durch die Öffnungen wehte. So wurde das eingelagerte Heu sanft getrocknet, und Feuchtigkeit hatte keine Chance, sich festzusetzen.

Doch der Albrechtstadl ist mehr als nur ein landwirtschaftlicher Bau – er ist eine Bühne für die Geschichte der Dorfgemeinschaft. Heute kommen die Menschen jeden Freitag hierher, um den Bauernmarkt zu besuchen. Einmal in der Woche erwecken Stimmen, Lachen und das Summen von Gesprächen den alten Stadel zu neuem Leben. Die Bauern aus der Umgebung bieten ihre Waren an, von frischen Eiern und knusprigem Brot bis zu farbenfrohen Blumensträußen und hausgemachten Marmeladen. Inmitten der traditionellen Fachwerkstruktur entsteht ein lebendiger Marktplatz, der ein Gefühl von Zusammengehörigkeit und Authentizität vermittelt.

Während das Licht der Nachmittagssonne durch das Gitterwerk fällt, werden die geschnitzten Verzierungen von goldenen Strahlen eingefangen und werfen ein filigranes Schattenspiel auf den Boden des Stadels. Hier sieht man das hohe Können der Zimmerleute, die den Albrechtstadl erbaut haben. Sie hinterließen Spuren ihres Handwerks, die weit über das Praktische hinausgehen – Spuren von Kunstfertigkeit und Liebe zur Arbeit. Jedes Stück Holz erzählt von den Händen, die es bearbeitet haben, und den Gedanken, die sich hinter jedem Schnitt, jeder Fuge verbargen.

Im Albrechtstadl vereinen sich Vergangenheit und Gegenwart auf romantische Weise. Die jahrhundertealte Holzstruktur, die einst die Ernte sicher bewahrte, dient heute als Herzstück der Gemeinschaft, als Ort des Austauschs und der Begegnung. Wenn man den Stadel betritt, scheint die Zeit stillzustehen. Das Holz erzählt Geschichten von Sommern und Wintern, von schweren Ernten und fröhlichen Markttagen, und es versprüht den Charme einer vergangenen Epoche, die in Dorfen lebendig geblieben ist.
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1816 - Häuserverzeichnis
Joseph Stöttner, Niedermüller, bewohnt Haus Nr. 83, Beim Niedermüller

1840 - Heustadl
Zwischen Isen und Alte Isen wird 1840 an der Mühlangergasse ein Holzstadel mit reichem Gitterwerk von Joseph Stöttner errichtet und als Heustadel verwendet.

1850 - Häuserverzeichnis
Joseph Stöttner, Niedermüller, bewohnt Haus Nr. 83, Beim Niedermüller

1994 - Bauernmarkt
1994 wird der Bauernmarkt in Dorfen gegründet und bietet seine Waren unter dem Motto 'Aus dem Umland – frisch auf den Tisch' jeden Freitag im Bundwerkstadl der ehemaligen Niedermühle an.
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„Kommen Sie mit? Schauen Sie es sich an – hier entlang!“

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